Opel Grandland X Hybrid4 im Test

Die Elektrifizierung nimmt nun auch bei Opel an Fahrt auf, der Grandland X Hybrid4 zündet das Feuerwerk und ist ab sofort im Handel. In wenigen Wochen folgt der erste rein elektrische Corsa-e, im Jahr 2020 finden außerdem der Vivaro-e und der elektrifizierte Mokka-Nachfolger den Weg auf die Straße. Im kommenden Jahr stocken die Rüsselsheimer das Angebot bereits auf acht Modelle auf, bis 2024 soll jede Baureihe auch eine elektrifizierte Variante zur Verfügung stellen.

Das Angebot an Mittelklasse-SUVs ist derart umfangreich, da kann man schnell mal den Überblick verlieren. Auf der Suche nach einer Plug-in-Hybridlösung im Segment, schrumpft die Auswahl schlagartig auf ein Minimum herunter. Ab sofort ist Opel in jedem Fall mit dem Grandland X Hybrid4 auf dem Markt, eine Fronttriebler-Variante folgt voraussichtlich im April. Doch hält der Rüsselsheimer was er auf dem Papier verspricht? Eine erste Ausfahrt gibt Aufschluss über diese Frage.

Während meiner Testfahrt durfte ich im Opel Grandland X Hybrid4 Platz nehmen. Die Version rein mit Vorderradantrieb kann eine Systemleistung von 224 PS verzeichnen kann und verfügt über einen Elektromotor vorn, der Hybrid 4 hat gleich drei Motoren an Bord. Unter der Haube platziert Opel hier einen 1,6 Liter großen Vierzylinder-Turbo der bereits auf 200 PS kommt, statt der 180 PS der frontangetriebenen Version. Zum Antrieb der Vorderräder findet sich stets ein Elektromotor mit 81 kW / 110 PS und in der Hybrid4 Variante wird ein weiterer Elektromotor mit 83 kW / 113 PS an der Hinterachse verbaut. Dies ergibt eine Systemleistung von stolzen 221 kW / 300 PS.

Während jedoch der vordere Elektromotor an die Achtgang-Automatik gekoppelt ist, treibt das hintere E-Aggregat direkt die Hinterachse an. Womit der Opel Grandland X Hybrid4 nochmals zwei Kilometer mehr Reichweite rausholt und auf dem Papier mit 59 Kilometer rein elektrische Reichweite notiert ist. Die Modellvariante mit Vorderradantrieb ist mit 57 Kilometer gelistet. Die von Opel angegeben Werte entsprechen dem WLTP-Zyklus. Normalerweise verbrauchen klassisch vierradangetriebene Fahrzeuge mehr, warum das hier nicht der Fall ist? Das Geheimnis steckt im zweiten Elektromotor, der direkt an der Hinterachse montiert ist, keine Getriebeverluste anfallen und er somit über beide Achsen besser rekuperieren kann.

Das Fahrzeug übernimmt im Grunde die Regelung von allein, dennoch kann ich manuell zwischen dem Elektromodus, Hybridmodus, Allradmodus und Sportmodus wählen. Gibt es die Batterie her, geht es beim Anlassen des Motors zunächst im elektrischen Modus los und der Grandland X ist heckangetrieben unterwegs, arbeitet einzig die an der Hinterachse montierte E-Maschine. Erst wenn es an mehr Leistung bedarf, setzt der zweite Elektromotor ein und auch erst dann der klassische Verbrenner. Erfreulicherweise setzt sich dieser nicht lautstark in Szene und schaltet sich angenehm leise hinzu. Erst wenn ich das Gaspedal voll bemühe, tritt der Turbo akustisch deutlicher in Erscheinung. Doch gerade im aktivierten Sportmodus, wenn ich doch die vollen 300 PS benötige und fordere, passt das sehr gut.

Hinzu kommt ein maximales Drehmoment von 520 Newtonmeter, der Grandland X Hybrid4 garantiert mir ein agiles Ansprechverhalten, es geht aus jeder Situation heraus sehr zügig voran, der Hybrid legt ein sehr souveränes Beschleunigungsverhalten an den Tag, hier reicht natürlich keine der herkömmlich angetriebenen Grandland X-Versionen heran. Sehr gut gefällt mir die Kombination mit der Achtgang-Automatik, hat man sich hier erfreulicherweise gegen ein CVT-Getriebe entschieden.

Was mir beim Hybrid leider etwas fehlt, die entsprechende Performance beim Fahrwerk. Das kann leider nicht ganz mithalten und wirkt teils etwas schwerfällig und wenn die Lenkung auch an sich direkt ist, so ist sie für meinen Geschmack beim sportlichen Ritt zu leichtgängig. Mit dem Modus Vierradantrieb spielt er gegenüber den anderen Aggregaten natürlich einen weiteren Vorteil aus.

Aber letztlich muss ich sagen, wie schwungvoll der Hybrid4 auch ans Werk geht, es ist ein Plug-in-Hybrid und so steht der umweltbewusste Fahrer in mir im Vordergrund, stets mit Blick, möglichst effizient und rein elektrisch angetrieben unterwegs zu sein. Nichts desto trotz ist es ja schön zu wissen, wenn ich muss oder möchte, steht der Opel Grandland X Hybrid4 voll bereit und liefert ordentlich Vortrieb ab, spontane Überholmanöver liegen dem Rüsselsheimer sehr.

Doch lasse ich es wieder entspannter angehen und hier muss ich sagen, habe ich mir einfach mehr erhofft. Sowohl das Fahrwerk wie auch die Reichweite betreffend. Straßenschäden stoßen dem SUV teils überraschend hart auf und wenn auch 59 Kilometer rein elektrische Reichweite sehr verlockend klingen, so brachte mich eine erste Testfahrt rasch auf den Boden der Tatsachen zurück.

Während der Benziner noch mit guten 6 ½ bis 7 Litern im Schnitt auskam (Kraftstoffverbrauch laut Opel gemäß WLTP von 1,4-1,3 l/100 km, CO2-Emission 32-29 g/km), war die elektrische Reichweite bei winterlichen Temperaturen mit 34 Kilometer deutlich geringer. Nach Angaben des Bordcomputers konnte der Grandland X mit 11 kWh Strom auf 100 Kilometer nicht das halten, was er auf dem Papier verspricht.

Wiederum gut gefallen hat mir die e-Save-Funktion, kann ich mir hiermit Strom für später aufsparen, je nach Belieben kann ich zwischen 10 Kilometer, 20 Kilometer oder dem gesamten Batterieinhalt auswählen. Gerade mit Blick auf einen folgenden Einsatz in der Stadt, ist das ein tolles Feature.

Städte denken bereits darüber nach, in Zukunft einzig elektrisch angetriebene Fahrzeuge dort fahren zu lassen. Um der Verkehrsüberwachung zu signalisieren, dass ich dort auch mit dem Opel Grandland X Hybrid4 zu Recht unterwegs bin, hat Opel bereits jetzt eine blaue LED unter dem Innenspiegel angebracht, die aufzeigt, wenn das Fahrzeug im Elektro-Modus betrieben wird.

So oft wie möglich nutzen, möchte ich natürlich den B-Modus um eine stärkere Rekuperation zu erreichen. Allerdings habe ich eine deutlich stärkere Bremswirkung erwartet.

Der Lithium-Ionen-Akku speichert 13,2 kWh, ist dieser leer, sorgt der Verbrenner mit seinem 43 Liter großen Benzintank für ruhige Nerven und zudem die Möglichkeit auch lange Strecken bequem zurücklegen zu können. Die Alltagstauglichkeit spricht somit ganz klar für eine Plug-in-Hybrid-Lösung.

Um die Batterie wieder aufzuladen, hast Du verschiedene Möglichkeiten. An einer herkömmlichen Haushaltssteckdose musst Du für einen vollständigen Ladevorgang sieben Stunden einberechnen, über die myopel-App kannst Du den Grandland X aber auch ganz bequem über Nacht laden.

500 Euro berechnet Opel für den 1-phasigen Onboard-Charger der für max. 7,4 kW/32 A geeignet ist, Serie sind max. 3,7 kW/8 A, nun kannst Du den Plug-in in zwei Stunden an einer öffentlichen Ladesäule vollladen. Nächstgelegene Ladestationen zeigt mir das Navi bzw. die myOpel App an.

Alternativ zum Mode-2-Ladekabel (max. 1,8 kW) für die Haushaltssteckdose musst Du für 250 Euro ein Mode-3-Ladekabel (max. 7,4 kW, 1-phasig) ordern, dieses benötigst Du für öffentliches Laden oder für die Wall Box zu Hause.

Denn wer auch zu Hause schnell laden will, kann beim Opel Händler eine Wallbox kaufen. Opel übernimmt in Kooperation mit inno2grid auch den Einbau- und Wartungsservice der Wallbox. Drei Service-Pakete von inno2grid stehen Dir zur Wahl. Sie umfassen Leistungen wie einen Online-Pre-Check oder Vor-Ort-Check, die Wallbox-Installation inklusive weiterer Arbeiten sowie die Inbetriebnahme der separat bestellbaren Wallbox. Dein Opel-Partner sorgt für die Beratung, während ein zertifizierte inno2grid-Elektriker die gewählte Ladelösung einrichtet.

Für 720 Euro bekommst Du das Universal-Ladekabel (max. 22 kW, 3-phasig) inklusive Adapter und ersetzt nicht nur das Mode-2-Kabel, hiermit kannst Du zudem an der CEE-16-Industriesteckdose (Drehstrom) den Akku in 90 Minuten laden.

Elektrobetriebene Fahrzeuge bergen die Gefahr, von Fußgängern überhört zu werden. Aus diesem Grund verfügt der Opel Grandland X Plug-in-Hybrid über den Aktiven Fußgänger-Warnton, dieser sorgt für ein Umgebungsgeräusch bis zu einer Fahrgeschwindigkeit von 50 km/h. Ein Frontkollisionswarner mit Automatischer Gefahrenbremsung sowie Fußgängererkennung, der Spurhalte-Assistent und die Müdigkeitserkennung wie auch der Toter-Winkel-Warner und die Verkehrsschilderkennung sind ebenso serienmäßig an Bord, dies gilt auch für den Parkpilot, die Einparkhilfe rundum, den intelligenten Geschwindigkeitsregler und -begrenzer und den Fernlichtassistent.

Darüber hinaus kannst Du den Opel Grandland X Hybrid4 um den automatischen Geschwindigkeits-Assistent, die Rückfahrkamera mit Parkpilot oder gleich eine 360-Grad-Kamera oder aber auch das adaptive Fahrlicht AFL mit LED-Technologie ergänzen.

Schon bei der klassisch angetriebenen Modellversion setzt Opel bei den Ausstattungslinien Opel2020 und Ultimate serienmäßig und auf Wunsch auch in der Version Innovation für einen Aufpreis von 700 Euro auf eine Zweifarblackierung, kontrastiert dann das in schwarz lackierte Dach mit der ausgewählten Außenfarbe. Wer möchte, kann in Verbindung mit der Topausstattungslinie Ultimate für 300 Euro mit der schwarz lackierten Motorhaube auf einen ganz besonderen Eyecatcher setzen.

Optische Unterschiede sind nicht auszumachen und so steht der Hybrid ebenso gelungen da, wie die Benziner- oder Diesel-Modelle und ist einzig am Schriftzug zu erkennen.

Das gilt auch für den Innenraum, so kann der Grandland X in allen Ausführungen mit einer ansprechenden Cockpit-Gestaltung und fein verarbeiteten Materialien aufwarten.

Die hybridbezogene Serienausstattung umfasst nicht nur den ergonomischen Aktiv-Fahrersitz, zertifiziert von der Aktion Gesunder Rücken (AGR) auch das Navi 5.0 IntelliLink mit 8˝-Touchscreen-Farbdisplay ist schon von Haus aus mit drin und verfügt zudem über spezifische Plug-in-Hybrid-Darstellungen. Mittels Tastendruck öffne ich entsprechenden Menüpunkt und kann mir einen Überblick über den Energieverbrauch und Energiefluss verschaffen, Lade-, Betriebs- und Verbrauchsstatistiken anzeigen lassen oder die Reichweite überwachen.

OpelConnect ermöglicht mir nicht nur die Live-Navigation mit Echtzeit-Verkehrsinformationen, sie zeigt mir auch aktuelle Spritpreise an und stellt wenn nötig eine direkte Verbindung zum Notruf oder Pannenruf her.

Der elektrische Klimakompressor bietet mir die Gelegenheit über die Fernsteuerung der Klimatisierung, den Grandland X vor Fahrtbeginn zu erwärmen bzw. kühlen, dies sollte natürlich noch während das Fahrzeug an der Steckdose steckt und lädt vonstatten gehen.

Das Platzangebot für die Insassen entspricht den Modellen mit Benzin- oder Dieselmotor, so nehme ich auch auf der Rückbank mit meinen 1.80 Meter gerne Platz.

Mit einem Fassungsvermögen von 514 Litern konnte der Opel Grandland X von vorne herein keine Rekordwerte im Segment für sich verbuchen, in der Hybridvariante musst Du nochmals 124 Liter weniger hinnehmen, dieser Platzverlust ist dem Akku geschuldet. Die serienmäßige sensorgesteuerte Heckklappe ermöglicht Dir in jedem Fall einen einfach und guten Zugang zum Gepäckabteil, sie öffnet sowohl elektrisch, selbstöffnend und schließt auch per Fußgeste. Solltest Du mit 390 Liter nicht auskommen, kannst Du aber auch hier den Laderaum durch einfaches umlegen der Rücksitzlehnen zumindest auf 1.528 Liter vergrößern.

Und während dieser Größenunterschied durchaus zu verschmerzen ist, so schlägt einem die Preisdifferenz doch ordentlich auf den Magen. Für den Opel GrandlandX geht es mit dem 130 PS starken 1.2 Turbo in der Einstiegsversion Edition bei 27.500 Euro los. Während diese Ausstattungslinie auch für den frontangetriebenen Hybrid erhältlich sein wird, der bereits 44.190 Euro veranschlagt, wird es die Opel 2020 Variante für keine der beiden Plug-in-Hybride geben. Wer im GrandlandX Hybrid4 Platz nehmen möchte, muss in jedem Fall 51.165 Euro locker machen. Den Aufpreis zum kleineren Hybrid muss es einem erst mal Wert sein, liegt dieser immerhin bei 6.500 Euro.

Ich durfte die Topversion Ultimate testen, die für 53.830 Euro zwar mit zahlreichen Annehmlichkeiten bestückt ist, aber dennoch nicht vollausgestattet vorfährt, wie ein Blick in die Preisliste aufzeigt. So kannst Du den Preis mit dem Zukauf von einer Metallic-Lackierung, dem automatischen Geschwindigkeits-Assistent, Wireless-Charging, einem beheizbaren Lenkrad, einem Panoramaglasdach oder einer der zahlreichen Zubehörfeatures in die Höhe treiben.

Gut, die Förderprämie darf nicht vergessen werden, liegt diese aktuell bei 3.000 Euro, künftig werden Dir voraussichtlich 3.750 Euro gewährt. Die Kosteneinsparung liegt je nach Laufleistung laut Opel bei 800 bis 2.000 Euro im Jahr, vergleichen wir den Opel Grandland X Hybrid4 mit dem herkömmlich angetriebenen 1.6 Turbo, der in der Topvariante Ultimate 41.190 Euro veranschlagt.

Der elektrifizierte Opel Grandland X bringt wiederum den Vorteil mit sich, dass das Fahrzeug als Firmenwagen deutlich günstiger besteuert wird. Nach der Rechnung von Opel liegt die Steuerbelastung beim normalen Verbrenner bei 3.960 Euro jährlich, hier fährt der Hybrid einen geldwerten Vorteil von 2.000 Euro im Jahr ein. Apropos Business, für diesen Fall hat Opel den Grandland X Business in zwei Ausstattungslinien in petto, weitere Infos findest Du diesbezüglich in der Preisliste.

Wer über das SUV noch mehr im Detail erfahren möchte, sich den Punkten Design, Innenraum, Konnektivität und Sicherheit intensiver widmen möchte, dem lege ich ein Klick rüber zum ausführlichen Fahrbericht des zivilen Opel Grandland X nahe.

Stand: Januar 2020; Test: CARWALK – Der Autoblog; Fotos: CARWALK/Opel

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