BMW X4 xDrive30i im Test

Mit dem X4 adaptierte BMW 2014 das mit dem X6 schon sechs Jahre zuvor erstmals eingeführte Sports Activity Coupé auch in das Segment der Mittelklasse. Die Kreuzung eines SUVs mit den Merkmalen eines Coupés funktioniert auch in dieser Klasse, wie die erste Generation X4 mit weltweit knapp 200 000 verkauften Einheiten aufzeigt. Nun gilt es, diesen Erfolg mit dem neuen BMW X4 nahtlos fortzusetzen.

In der zweiten Generation präsentiert sich der BMW X4 deutlich nachgeschärft, die charakterisierende Silhouette bleibt zwar bestehen, zeigt sich in den Abmessungen aber dennoch verändert und präsentiert sich schnittiger. 81 Millimeter Längenzuwachs sorgen für einen gestreckteren Stand, zudem hat das neue Modell in der Breite um 37 Millimeter zugelegt, während der X4 nun 3 Millimeter niedriger vorfährt.

Eine XXL-Niere wie beispielsweise beim X7 kommt beim BMW X4 (zum Glück) noch nicht zum Einsatz, dennoch zeigt sich die BMW Niere im Vergleich zum Vorgänger größer dimensioniert. Das markentypische Sechs-Augen-Gesicht bleibt ebenso, präsentiert sich aber ebenfalls in neuem Look. Das gilt auch für die nun neu gezeichneten und vor allen Dingen schmaleren Heckleuchten, ebenfalls in LED-Ausführung.

Die erhältlichen Modellvarianten heben sich durch individuelle Ausstattungsmerkmale in ihrem Auftritt nochmals voneinander ab. So sind beim Modell xLine beispielsweise der Unterfahrschutz sowie die Seitenschweller in Glaciersilber metallic ausgeführt und die Einfassungen der Fenster sowie weitere Akzenten in Aluminium satiniert gehalten. Beim neu erhältlichen Modell M Sport X setzt BMW dagegen auf Frozen Grey, darüber hinaus bekommt das Modell nochmals anders gestaltete Lufteinlässe, Seitenschweller und einen anderen Unterfahrschutz verpasst.

Mit den BMW Individual Lackierungen und Individual Leichtmetallrädern bieten die Bayern noch weitere neue Möglichkeiten den BMW X4 hervorzuheben.

Zum Ausstattungsumfang der drei Modellvarianten xLine, M Sport X und M Sport gehören exklusive Designmerkmale, die auch im Interieur des neuen BMW X4 für unterschiedliche Looks sorgen. Neugestaltete Sportsitze mit ausgeprägten Seitenwangen die mir einen wirklich sehr guten Sitz bieten sind ebenso zu erwähnen, wie das im Vergleich zum Vorgänger deutlich erweiterte Sonderausstattungsprogramm und die neuen Individualisierungsmöglichkeiten.

Die für das Segment kennzeichnende erhöhte Sitzposition, die fahrerorientierte Ausrichtung, die hochwertigen Materialien, die vorbildliche Verarbeitung, das alles kenne ich bereits von der ersten Generation, die Neuauflage des X4 setzt im Kern auf das bekannte Design, dennoch erwartet mich im X4 ein rundum neues Cockpit. Augenfälligste Veränderung, der nun auf der Armatureneinheit thronende Bildschirm, der freistehende Display misst serienmäßig 6,5 Zoll und ist in Verbindung mit dem Navigationssystem Professional 10,25 Zoll groß groß ausgeführt und bietet die Bedienmöglichkeit mittels Touchscreen.

Bei BMW stets bewährt, hat sich der iDrive-Drehregler, dessen Bediensystsem in der neuen Generation weiter optimiert wurde und für eine intuitive Steuerung sorgt. Mir gefällt auch sehr gut, dass es bei BMW noch klassische Bedienelemente gibt und nicht alles über einen Touchscreen gesteuert werden muss.

Weiterentwickelt wurde auch die Sprachsteuerung, in meinem Testwagen konnte ich auch die Gestiksteuerung nutzen, die optional erhältlich ist. Natürlich kann man die Steuerung per Handbewegungen teils als Spielerei abtun, so bewege ich beispielsweise den Zeigefinger in Kreisbewegung um die Lautstärke zu regulieren. Doch eins kannst Du mir glauben, einmal daran gewöhnt, vermisst man es in Fahrzeugen ohne.

Imponiert hat mir auch die neue Generation des BMW Head-Up Display, präsentiert sich die neue Projektionsfläche um stolze 70 Prozent vergrößert. Nicht weniger beeindruckend, BMW ConnectedDrive. Dies vernetzt Dich mit dem Fahrzeug und stellt Dir unzählige digitale Services zur Seite.

Ob Du Dich nun mit Deinem Smartphone oder Smartwatch, Amazon Alexa oder Google Home connecten möchtest, alles ist möglich. Dies gilt auch für die unzähligen Möglichkeiten, ob WLAN-Hotspot, Wireless Charging für kabelloses Aufladen, Real Time Traffic Information, Online Entertainment oder Microsoft Office 365, unter den Extras ist alles zu finden.

Das erhältliche Ambient Air Paket feiert ebenfalls Premiere im BMW X4 und reinigt die Luft durch Ionisierung bei gleichzeitiger Beduftung, acht Duftvarianten stehen Dir hier zur Auswahl, die Intensität lässt sich in drei Stufen regeln.

Zu den neuen Optionen im BMW X4 gehört auch der BMW Display Schlüssel, der aber in jedem Fall seinen Platz in der Hosentasche fordert. Verfügt der Autoschlüssel über einen 2,2 Zoll großen Touch-Display über den Du Informationen über Tankinhalt, Reichweite und Service-Hinweise erhältst und darüber hinaus die Türen und Fenster aus der Ferne schließen kannst. Bestellst Du zudem die Standheizung, kannst Du diese ebenfalls mittels BMW Display Schlüssel steuern.

Außerdem ist ein im Vergleich zum Vorgängermodell deutlich größer dimensioniertes Panorama-Glasdach erhältlich. Gerade Passagiere die auf der Rückbank Platz nehmen freuen sich über dieses Feature.

Die Fondsitze lassen rein optisch zwar auf eine Zweisitzigkeit schließen, beherbergen letztlich aber bis zu drei Passagiere. Beim Ein- und Ausstieg solltest Du den Dachverlauf im Auge behalten und ggf. den Kopf rechtzeitig einziehen, doch trotz der stark abfallenden Dachlinie ist auch hier Platz für Großgewachsene jenseits der 1,80 Meter. Der Längenzuwachs macht sich in einem um 54 auf 2.864 Millimeter erweiterten Radstand bemerkbar, der 27 Millimeter mehr Beinfreiheit schafft.

Das Kofferraumvolumen beträgt bei Nutzung aller Sitzplätze 525 Liter und lässt sich spielerisch durch Umlegen der im Verhältnis 40:20:40 geteilten Lehnen auf bis zu 1.430 Liter vergrößern. Mittels Fernentriegelung ist dies auch praktischerweise vom Kofferraum aus möglich. Die serienmäßig elektrisch öffnenden Heckklappe schafft einen komfortablen Zugang zum Gepäckabteil, gegen Aufpreis lässt sich der Kofferraum auch per Fußwisch öffnen. Viel mehr möchte ich Dir aber die optionale Cargo-Funktion nahelegen, kannst Du so die Neigung der einzelnen Rücksitzlehnen individuell variieren. Das Ablagenpaket mit zusätzliche Klappfächern, USB- und 12-Volt-Anschlüssen sowie Multifunktionshaken und Befestigungsschienen im Gepäckraum stellt auch ein empfehlenswertes Extra dar.

Der sportlich ambitionierte Fahrer wird tendenziell allein der Optik wegen zum X4 greifen und nicht zum X3, doch auch beim Fahrwerk legt BMW den Fokus deutlicher auf die sportliche Auslegung und verpasst dem SUV von Haus aus ein M-Sportfahrwerk und eine variable Sportlenkung.

Der BMW X4 30i mit serienmäßigen Allradantrieb BMW xDrive und einer hinterradbetonten Auslegung sowie der Performance Control lässt sich mit sehr hohem Tempo absolut zielgenau, spielerisch und beeindruckend durch die Kurven jagen, kein störendes Schieben über die Räder, kein unsicheres Gefühl, er scheint förmlich auf dem Asphalt zu kleben, ins Wanken gerät der höhere Aufbau zu keiner Zeit. Unglaublich souverän lässt sich der X4 sehr präzise manövrieren.

Selbst bei Nässe ist die Performance tadellos. Dies gilt übrigens auch für die Bremsleistung. Spontan ansprechend verzögert die Bremsanlage auch aus hohen Geschwindigkeiten spurtreu und schnell. Gegen Aufpreis kannst Du den X4 auch mit M-Sportbremsen ausstatten, zudem hat BMW ein adaptives Fahrwerk mit elektronisch geregelten Dämpfern in petto, das ich auch in meinem Testwagen vorfand.

Das Sport-Potentzial ist unbestritten, Freude am Fahren schreibt das Fahrzeug sehr hoch und begeistert mich auf ganzer Linie, nichts desto trotz, auch Seitens des Fahrkomforts kann mich mein BMW X4 überzeugen, letztlich überrascht mich der sehr gute Federungskomfort sogar. Der X4 ist in erster Linie ein sportliches SUV-Coupé, keine Frage, doch Cruisen, einfach gemütliches Dahingleiten bereitet einem hier ebenso große Freude.

BMW setzt auf ihre TwinPower Turbo Technologie und rüstet die Benzin-Motoren mit einem Otto-Partikelfilter aus, der die Feinstaubemissionen reduziert und die Bestimmungen der Emissionsnorm EU6d-TEMP erfüllt.

Der in meinem Fahrzeug verbaute Vierzylinder ist wirklich ein sehr feiner Motor, der mit seinen 185 kW/252 PS nicht nur leistungsstark ist, der BMW X4 xDrive30i ist mit seinem maximalen Drehmoment von 350 Nm wunderbar durchzugsstark und stellt dieses drehfreudig zwischen 1.450 und 4.800 Touren voll bereit.

Von null auf 100 km/h geht es in temperamentvollen 6,4 Sekunden, wer möchte, kann hier die serienmäßige Launch Control Funktion bemühen. Das serienmäßige 8-Gang Steptronic Getriebe hat die Kraft sehr gut im Griff und zeichnet sich durch schnelle und sanfte Gangwechsel aus, selbst eingreifen kam mir gar nicht in den Sinn, wäre über Schaltwippen am Lenkrad aber möglich.

Die serienmäßige Akustikverglasung für die Frontscheibe schafft ein sehr angenehmes Geräuschniveau, wer möchte kann sogar die vorderen Seitenscheiben in dieser Ausführung ordern.

Das Aggregat glänzt zudem mit einem feinen Motorsound, bleibt im alltäglichen kaum wahrnehmbar und wird gefordert wunderbar kernig.

Der Motor macht rein auf die Fahrperformance bezogen eine rundum gute Figur, ob ich nun gemütlich dahingleite oder den Sportler in ihm wecke. Entsprechend variiert auch der Verbrauch. Im Lastenheft mit 7,1 – 6,7 Liter im kombinierten Fahrzyklus auf 100 Kilometer angegeben – entspricht CO2-Emissionen von 162 – 152 Gramm pro Kilometer – scheint er auf dem Papier ein sparsamer Vertreter zu sein. Doch selbst mit gezügeltem Gasfuß kam ich leider nicht an diese Werte heran, neun Liter flossen gut und gern durch die Spritleitungen.

Auch beim Angebot an Sicherheitsmerkmalen hat BMW nochmals eine Schippe draufgelegt. Bereits im Basismodell verbaut der Hersteller eine Geschwindigkeitsregelung mit Bremsfunktion sowie die Auffahr- und Personenwarnung mit City-Bremsfunktion. Die optionale Geschwindigkeitsregelung mit Stop & Go-Funktion ist für Pendler eine sehr empfehlenswerte Alternative, sind so ärgerliche Staus entspannter zu meistern.

Darüber hinaus sind als Sonderausstattungen die Verkehrszeichenerkennung Speed Limit Info einschließlich Überholverbotsanzeige sowie die Spurwechsel- und die Spurverlassenswarnung erhältlich.

Das Sicherheitspaket Driving Assistant Plus umfasst außerdem den Lenk- und Spurführungsassistenten, den Spurhalteassistenten mit aktivem Seitenkollisionsschutz sowie die Querverkehrs- und die Kreuzungswarnung.

Der ebenfalls neue Parking Assistant Plus übernimmt nicht nur das Parkmanöver, er beinhaltet auch Top View, Panorama View und 3D View. Somit schafft BMW ein 360-Grad-Bild des Fahrzeugs und seines Umfelds. Mittels Remote 3D View kannst Du Dir sogar ein dreidimensionales Live-Bild Deines Fahrzeugs inklusive Umgebung an Dein Smartphone schicken lassen und aus der Ferne ein Blick auf Deinen X4 werfen.

Intelligenten Notruf mit automatischer Ortung und Unfallschwereerkennung und der BMW Teleservices zählen ebenso zu den Neuheiten in der zweiten Modellgeneration und sind serienmäßig verbaut. Mit dem neuen Dienst BMW Teleservice Unfallhilfe erkennt das Fahrzeug auch Kollisionen im geringen Geschwindigkeitsbereich unterhalb der Airbagauslösung. In diesem Fall bietet Dir das Fahrzeug die Möglichkeit, direkt Kontakt zur BMW Unfallhilfe aufzunehmen. Mittels nur einem Tastendruck steht Dir professionelle Unterstützung durch die BMW Unfallhilfe zur Seite und bei Bedarf wirst Du umgehend an einen BMW Service Partner weitergeleitet.

Zugegeben, die neue Modellgeneration präsentiert sich rundum besser als der Vorgänger-X4, doch beim Preis trübt sich meine Freude doch sehr über den an sich positiven Eindruck. Round about ist die zweite Generation um die viertausend Euro höher angesetzt, mit Blick auf den von mir gefahrenen BMW X4 xDrive30i ist allein der Einstiegspreis für das Advantage-Modell mit 57.600 Euro schon happig. Die xLine geht bei 60.500 Euro los und die Versionen M Sport und M Sport X liegen mit 62.400 Euro gleich auf. Da die Preisliste jedoch so viele reizvolle Extras bereithält, steigt der Preis rasch weiter in die Höhe. Natürlich verwöhnt mich das Fahrzeug dann auf erwartetem Premium-Niveau, doch es ist und bleibt das Mittelsegment und 75.000 Euro klingen so gar nicht danach.

Beim Angebot der Sonderausstattungen fährt BMW nicht nur in Verbindung mit dem Modell M Sport mit noch mehr Extras auf, wie beispielsweise den M Sportsitzen mit ausgeprägter Schalensitzkontur und spezifischen Designmerkmalen sowie zusätzliche Interieurleisten.

Ebenfalls neu, der M Sport Individual, BMW kombiniert hier die Ausstattungsumfänge des Modells M Sport unter anderem mit einer BMW Individual Lackierung, 21 Zoll großen BMW Individual Leichtmetallrädern, der BMW Individual erweiterten Lederausstattung Merino und den BMW Individual Interieurleisten Pianolack schwarz.

Stand: Dezember 2019, Test: CARWALK – Der Autoblog; Fotos: CARWALK / BMW


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