Fahrbericht: Hyundai Tucson

Hyundai hat allein ihr SUV-Portfolio betreffend mit dem Lifestyle-betonten Kona bzw. dem Kona Elektro, dem völlig neu aufgelegten Santa Fe oder dem Brennstoffzellen-SUV Nexo wirklich aufregende Neuheiten zu bieten, bei diesem Feuerwerk ist ein absoluter Bestseller jedoch etwas in Vergessenheit geraten. Mit einer Modellpflege schafft Hyundai aber Abhilfe und rückt den Topseller Tucson wieder in den Fokus.

Das SUV blickt auf eine lange und vor allen Dingen sehr erfolgreiche Geschichte zurück und hat es verdient, gepflegt zu werden. Ein optischer Feinschliff, ein enormer Umfang an Fahrassistenten, eine auf die Abgasnorm Euro 6d-Temp umgestellte Motorenpalette sowie ein 48-Volt-Mildhybrid-Diesel sind kurz und knapp zusammengefasst die entscheidenden Neuheiten. Doch gehen wir ins Detail:

Zwei Benziner (132 und 177 PS) und drei Dieselmotoren (116 bis 185 PS) hat Hyundai für den Tucson in petto, wobei darauf zu achten ist, welche Ausstattung mit dem jeweiligen Motor kombinierbar ist.

Der kleinere 1.6 CRDi ist mit 116 und 136 PS verfügbar, der 2.0 CRDi entwickelt 185 PS. Seit diesem Sommer fahren die Dieselmotoren mit Mildhybridtechnik vor.

Auf Basis eines zweiten, 48 Volt starken Bordnetzes konnte so der Verbrauch um bis zu zwölf Prozent reduziert werden. Der 2.0 CRDi mit 136 kW/185 PS Leistung wird mit folgendem Kraftstoffverbrauch in l/100 km angegeben: innerorts 6,1-5,3, außerorts 5,3-5,1, kombiniert 5,7-5,2; CO2-Emissionen in g/km kombiniert: 149-138. Auf der anderen Seite unterstützt die Technik den Verbrennungsmotor bei jedem Beschleunigungsvorgang mit bis zu 12 kW mehr Leistung.

Die Lithium-Ionen-Batterie, platziert unter dem Gepäckraumboden, kommt auf eine Kapazität von 0,44 kWh, also wahrlich kein riesiger Akku, das Kofferraumvolumen bleibt somit unangetastet. Ein Halt an der Steckdose ist ebenso nicht notwendig bzw. möglich, die Batterie wird per Rekuperation bei jedem Bremsvorgang, beim Ausrollen oder bei Bergabfahrten geladen. Dank der Mildhybridtechnologie schaltet sich der Motor nicht nur im Stand an einer Kreuzung oder roten Ampel ab, bereits beim Ausrollen schaltet sich das Aggregat noch während der Fahrt ab.

Um den Ausstoß von Stickoxiden zu verringern, verbaut Hyundai bei den Dieselmotoren auch eine SCR-Harnstoffeinspritzung, die Abgasnorm Euro 6d-TEMP-EVAP erfüllt der Tucson in allen Ausführungen.

Denn Hyundai überarbeitete zugleich die Benzinmotoren, die nun über einen Ottopartikelfilter verfügen. Laut Hyundai konnte bei den Ottomotoren so eine Verbrauchsreduzierung von bis zu fünf Prozent eingefahren werden.

Während der frontangetriebene 1,6-Liter-Benzindirekteinspritzer mit 97 kW/132 PS und Sechsgang-Handschalter laut Datenblatt einen Kraftstoffverbrauch von kombiniert 6,9 Liter auf hundert Kilometer und einen CO2 Ausstoß von 158 g/km verzeichnet, ist der Hyundai Tucson 1.6 T-GDI mit 130 kW/177 PS deutlich stärker und sowohl mit Front- wie auch Allradantrieb als auch mit Sechsgangschalt- oder 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe erhältlich.

Im normalen Testverbrauch pendelte ich mich mit Allradantrieb und Schaltgetriebe um die 8 1/2 Liter ein, hier kann der Tucson leider nicht glänzen. Unter Last durchaus präsent, arbeitet der Turbomotor ansonsten ausreichend laufruhig. Den Eindruck einer Spitzenmotorisierung vermittelt mir der 1.6 T-GDI ehrlich gesagt nicht, hat er doch einiges voranzutreiben, kommt der Hyundai Tucson auf ein Gewicht von 1,6 Tonnen, eine angenehme Agilität ist ihm aber dennoch zu attestieren.

Während ich persönlich den Aufpreis für den Allradantrieb durchaus einsparen könnte, würde ich mir in jedem Fall das Doppelkupplungsgetriebe gönnen. Der Aufpreis beträgt in beiden Fällen jeweils 1.900 Euro.

Wer sich für ein Modell mit Automatik oder DCT-Getriebe entscheidet, kann mittels Drive Mode Taste von normal auf sportlich wechseln, die Technik nimmt Einfluss auf die Charakteristik von Getriebe und Lenkung nehmen. Die Lenkabstimmung ist aber auch beim Handschalter angenehm präzise.

Das Fahrwerk bietet mir einen ausgewogenen, insgesamt angenehm straffe Abstimmung, der Gesamtkomfort ist ordentlich, ebenso die Langstreckenqualitäten.

Die Allrad-Varianten mit dem neuen Namenszusatz HTRAC treiben im Normalbetrieb spritsparend nur die Vorderräder an. Verliert der Tucson jedoch an Grip, leitet das 4WD-System die Kraft kontinuierlich bis zu 50% an die Hinterachse. Per Tastendruck und bis zu einem Tempo von 40 Stundenkilometern kannst Du den Allradantrieb im Verhältnis 50 : 50 auch manuell zuschalten.

Das Facelift prägte den Hyundai Tucson bereits im vergangenen Herbst, die umfassenden technischen Neuerungen zogen erst im Sommer 2019 nach.

So wurden aktuell keine weiteren optischen Auffrischungen oder gar radikale Veränderungen vorgenommen und die Modifizierungen vor gut einem Jahr machen sich auch heute noch in einem vor Chrom strahlenden Kaskaden-Kühlergrill, neu gezeichneten Scheinwerfern und Rückleuchten inklusive LED-Tagfahrlicht, welches auf Wunsch auch für die Heckleuchten verfügbar ist. Vergleichen wir die Rückansicht mit dem Vorgänger fallen zudem ein modifizierter Stoßfänger und Heckklappe auf. Die Attraktivität des Fahrzeuges steigert zudem eine erweiterte Auswahl an Leichtmetallfelgen die bis 19 Zoll reichen.

Ausdrucksstark, schnittig, dynamisch und selbstbewusst von vorne herein, betonen die einzelnen Ausstattungslinien das Erscheinungsbild zusätzlich, mein absoluter Favorit die neu eingeführte N-Line.

Im Herbst 2018 führte Hyundai nicht nur ein verändertes Blechkleid ein, gerade im Innenraum konnte der Tucson deutliche Änderungen verzeichnen.

Ein neu geformtes Armaturenbrett, eine neue Instrumenteneinheit, der nun freistehende und auf der Armatureneinheit platzierte bis zu acht Zoll große Touchscreen sowie die qualitativ hochwertigeren Materialien fallen deutlich ins Auge.

Einsteigen und sich wohl fühlen war und ist seine Devise. Auf Anhieb fühle ich mich wohl und finde mich sehr gut zurecht, die Bedienung ist sehr intuitiv und wird um Konnektivitätsmöglichkeiten via Android Auto und Apple CarPlay ergänzt. Zu den Technikneuheiten zählt auch die Option, das Smartphone kabellos aufladen zu können. Die neu erhältlichen oder bereits verbauten Features umfassen zudem das KRELL Soundsystem oder die elektrische Parkbremse.

Mit einem tollen Platzangebot konnte der Tucson seit jeher auffahren. So komme ich nicht nur vorne bequem rein und raus, auch in der zweiten Reihe verweile ich gerne und freue mich mit meinen 1,80 m über üppig Platz, die äußeren Plätze sind einigermaßen ausgeformt, lassen sich dank verstellbarer Rücksitzlehnen zudem variabel anpassen und besitzen je nach Ausstattung sogar eine Sitzheizung.

Räume ich den Platz und möchte diesen als Ablage nutzen, klappe ich die Lehnen mittels Hebel einfach um. Die Kopfstützen können dran bleiben, die entstehende Ladefläche ist nahezu eben, wieder am Hebel ziehen und ich kann die Lehne wieder hoch stellen. Der Laderaum variiert so ganz flexibel zwischen 513 und 1.503 Liter.

Der Tucson ist ein klassisches SUV überrascht aber dennoch mit einer angenehm hohen Ladekante. Unter dem soliden und höhenverstellbaren Ladeboden bietet mir das Fahrzeug ein weiteres praktisches und zugleich großes Fach, das bei Nichtgebrauch der Gepäckraumabdeckung diese auch aufnimmt.

Die elektrische Heckklappe setzt je nach Ausstattung nicht nur auf eine herkömmliche Öffnungsfunktion, sie öffnet bereits, wenn ich mich für rund drei Sekunden etwa einen Meter hinter dem Fahrzeug befinde, ein wildes Fußgewische ist hier erfreulicherweise nicht nötig.

Während das Basismodell mit ABS, ESP, einer Berganfahrhilfe und einem Bremsassistent vorfährt, kann bereits die nächst höhere Ausstattung mit dem aktiven Spurhalteassistent, dem Aufmerksamkeitsassistent, dem autonomen Notbremsassistent und Frontaufprallwarnsystem einschließlich Fußgängererkennung aufwarten.

Unter der Bezeichnung Hyundai SmartSense führt der Hersteller serienmäßig oder optional auch einen Fernlichtassistent oder eine adaptive Geschwindigkeitsregelanlage mit Abstandsregelung und Stopp-Funktion (für Modelle mit Doppelkupplungs- oder Automatikgetriebe) auf. Unter der Rubrik „Assistenzsysteme“ findest Du in der Preisliste auch einen Totwinkelwarner, den Querverkehrswarner hinten, einen Around View Monitor und eine Verkehrszeichenerkennung.

Design zählt zu den wichtigsten Kaufkriterien, gefolgt vom Preis-Leistungs-Verhältnis und dem Anspruch zuverlässig, funktionell und sicher zu sein. Zusammengefasst kann ich dem Hyundai Tucson all diese Attribute zugestehen.

Die Auswahl umfasst sechs Ausstattungslinien, wobei einzig der 1.6 T-GDI mit allen Versionen kombiniert werden kann, die Preise reichen entsprechend von 25.720 bis 35.400 Euro, das 7-Gang-DCT-Getriebe verlangt jeweils einen Aufpreis von 1.900 Euro.

Das Einstiegsmodell entfällt auf den 1.6 GDI Pure, erhältlich ab 22.970 Euro. Der Basismotorisierung stehen alternativ die Varianten Select, Trend und Style zur Wahl. Die Topversionen N-Line und Premium sind dagegen nur mit den stärkeren Motorvarianten verfügbar.

In Kombination mit dem 2.0 CRDi und der 8-Stufen-Automatik rangiert der Tucson Premium mit 43.850 Euro an der Preisspitze. Für dieses Geld bekommst Du aber in jedem Fall einiges geboten, auf die umfangreiche Ausstattungsliste im Detail werde ich an dieser Stelle allerdings nicht eingehen und möchte Dich daher einfach mal zum Konfigurator des Hyundai Tucson weiterleiten.

So bleibt mir abschließend nur noch folgende Info: Hyundai gewährt Dir bei allen Ausführungen eine fünf Jahre Garantie ohne Kilometerbegrenzung und legt eine 60 Monate laufende Lackgarantie sowie eine Mobilitätsgarantie obendrauf. Voraussetzung ist lediglich eine jährliche Wartung in einer Hyundai Vertragswerkstatt.

Stand: Oktober 2019; Test: CARWALK – Der Autoblog, Fotos: Hyundai/CARWALK

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