Brennstoffzelle in Serie im Hyundai Nexo.

Wenn es um die Brennstoffzelle geht, kann hierzulande lediglich Toyota und Hyundai mit Serienfahrzeugen aufwarten. Absolute Vorreiter beim Thema Wasserstoff sind zweifelsohne die Koreaner, forschen diese bereits seit zwanzig Jahren an dieser Technik und konnten mich bereits im Jahr 2013 mit dem Hyundai ix35 Fuel Cell von dieser alternativen Antriebstechnik überzeugen. Und so ging es für den Autohersteller aus Korea mit vollem „Wasserdampf“ voraus. Nun zündet Hyundai die nächste Stufe, bauen sie mit dem neuen Nexo die Führungsrolle bei der Brennstoffzellentechnik konsequent aus und widerlegen im Nu diverse Vorurteile. Lange Pausen an der Ladesäule, weit gefehlt. Mangelnde Reichweite, Fehlanzeige. Unbezahlbar, von wegen. Im Rahmen des Hyundai SUV Drive habe ich mich mit dem neuen Hyundai Nexo auf den Weg gemacht und noch zahlreiche weitere Innovationen entdeckt, als nur den Antrieb.

Toyota setzt mit dem Mirai auf die Limousinen-Form, in Anbetracht des ungebrochenen SUV-Booms scheint mir da die Entscheidung von Hyundai deutlich cleverer zu sein. Unabhängig von der Karosseriewahl, sagt mir aber auch das Design des Nexo mehr zu. Aber gut, hier entscheiden allein persönliche Geschmäcker, eine progressive und auffallende Optik zeichnen beide Brennstofffahrzeuge aus.

Im Gegensatz zum ix35 Fuel Cell, basiert der Hyundai Nexo nicht auf einem bekannten Modell und stellt eine komplette Neuentwicklung dar. Der 4,67 Meter lange Nexo paart unter Berücksichtigung des alternativen Antriebes eine futuristische Linienführung mit aerodynamischen Raffinessen, wie beispielsweise die Air Curtains im vorderen Stoßfänger, die speziell geformten Aero-Felgen bis zu 19-Zoll groß oder die versenkbaren Türgriffe. Zunächst bündig integriert, fahren die Türgriffe erst beim Öffnen automatisch heraus. Fünf Sekunden nach Starten des Motors sowie oberhalb von drei Stundenkilometer werden sie automatisch wieder eingefahren.

Als umweltfreundlich erweist sich der Nexo nicht nur den Antrieb betreffend, kommen im Innenraum recycelte und aus der Natur gewonnene Materialien zum Einsatz. Enthalten die Teppiche Zuckerrohrfasern, wurden zudem in den Verkleidungen für die Türen und Dachsäulen sowie im Gestühl Mais verarbeitet. Die verwendeten Farben und Lacke enthalten darüber hinaus Bio-Stoffe, vor allem Öle aus Raps und Soja.

Das 12,3 Zoll große Navigations-Display und das 7-Zoll-Display scheinen miteinander zu verschmelzen und nehmen somit mehr als die Hälfte der Armaturentafel ein. Der rechte Bildschirm verfügt dabei über eine neue Split-Screen-Funktion und im Navigationsmodus kann die vom Smartphone oder Tablet bekannte Zoom-Funktion angewandt werden.

So futuristisch das Cockpit auf den ersten Blick auch wirkt, so antiquiert fällt der Nexo in punkto Schalterzentrale aus, wie ich finde. Während heutige und gerade künftige Modelle auf eine stetige Reduzierung von Bedienelementen setzen, erwartet mich auf der frei schwebenden Mittelkonsole im Nexo eine regelrechte Armada an Tasten und so kann man hier wirklich von einer Kommandozentrale sprechen. Die massive Mittelkonsole beherbergt unter sich zusätzlichen Stauraum und eine Smartphone-Ablage mit kabelloser Ladefunktion nach dem Qi-Standard.

Neben den Bedientasten für die Audio- und Klimaanlage lassen sich auch die Einstufenautomatik oder die Parkbremse per Knopfdruck bedienen. Darüber hinaus finde ich dort einen Dreh-/Drück-Steller vor. Und wenn auch die einzelnen Tasten groß ausgeführt sind, so gehen sie in ihrer grauer Ausführung im Gesamten unter und verlangen stets einen Blick.

Dann entdeckst Du auch die Taste D, mit der Du den neuen Hyundai Nexo in Bewegung setzt und das völlig geräusch- und emissionslos. Der Hyundai Nexo zählt zu den derzeit innovativsten Lösungen, emissionsfreie Mobilität betreffend und ist ein Elektromodell, das als Energieträger Wasserstoff nutzt.

Jules Verne schrieb schon 1874 in einem seiner Romane „Wasser wird die Kohle der Zukunft sein“, doch für einige unter uns, klingt der alternative Antrieb „Brennstoffzelle“ heute noch nach Science-Fiction. Hyundai zeigt mit dem neuen Serienmodell Nexo nur zu gut auf, es ist schon längst keine Fiktion mehr. Und so außergewöhnlich es auch erscheinen mag, so gewöhnlich fährt sich der neue Hyundai Nexo. Einfach einsteigen und losfahren.

120 Kilowatt sprich 163 PS Leistung sowie ein maximales Drehmoment von 395 Newtonmeter stehen von unten heraus an. Die Kraft des Elektromotors wird über ein einstufiges Reduktionsgetriebe an die Vorderräder übertragen, während die Brennstoffzellen – ebenfalls unter der Motorhaube platziert – die Stromerzeugung übernehmen, im bordeigenen Kraftwerk sind dabei 440 Einheiten aktiv.

Sie nutzen die Reaktion von Sauerstoff und Wasserstoff: Kommen beide Substanzen zusammen, entsteht elektrische Energie. Dabei handelt es sich um die umgekehrte Elektrolyse – Wasser lässt sich unter dem Einsatz von Strom in seine Bestandteile Sauerstoff und Wasserstoff zerlegen. Wird der Vorgang rückgängig gemacht, wie es in den Brennstoffzellen des Hyundai Nexo der Fall ist, entsteht elektrische Energie. Dritter Baustein des Antriebssystems ist eine Hochvolt-Batterie mit 1,56 kWh Kapazität, die als Puffer fungiert.

Mittels Bremsenergierückgewinnung beim Bremsen, Ausrollen oder Bergabfahren wird diese geladen. Die Rekuperation kannst Du mittels Schaltpaddels am Lenkrad steuern. Überschüssige Energie, die nicht vom Elektromotor benötigt wird, wird dort zwischengespeichert. Zugleich liefert sie schnelle Energie, wenn sie von Dir gefordert wird. Je nach aufgezogener Räder-/Reifen-Kombi benötigst Du 9,2 bis 9,5 Sekunden von null auf Tempo 100 und wird maximal 179 km/h schnell.

Rein mit Wasserstoff angetrieben, kommen aus dem Auspuff ausschließlich Wasserdampf und kondensiertes Wasser, ganz ohne Abgase legt das Brennstoffzellenfahrzeug bis zu 756 Kilometer zurück. Nach dem neuen WLTP-Messverfahren beträgt der kombinierte Wasserstoffverbrauch des Nexo 0,92 Kilogramm pro 100 Kilometer, die Reichweite liegt bei 666 Kilometern. Der Hyundai Nexo nimmt in jedem Fall die Reichweitenangst.

Wurde der mitgeführte Wasserstoff zudem mit Hilfe erneuerbarer Energien produziert, ist der Nexo nicht nur lokal, sondern generell absolut CO2-neutral unterwegs. Der für die Stromerzeugung notwendige Sauerstoff wird aus der Umgebungsluft angesaugt und anschließend zu 99,9 Prozent von Feinstaubpartikeln gereinigt wieder abgegeben, somit leistet der Hyundai Nexo zudem einen aktiven Beitrag für bessere Luft.

Bis zu fünf Großgewachsene bringst Du im Hyundai Nexo bequem unter und Platz für das Gepäck findest Du im 461 Liter großen Kofferraum auch dann noch. Durch Umlegen der Rücksitzlehnen kann das Ladevolumen ohne große Mühe um weitere tausend Liter auf 1.466 Liter vergrößert werden. Durchaus überraschend, bedenkt man, dass sich unter dem Boden drei Wasserstofftanks mit einer Gesamtkapazität von 6,33 Kilogramm befinden.

Die im neuen Hyundai Nexo umfassend weiterentwickelte Brennstoffzellentechnologie präsentiert sich kleiner, leichter und leistungsfähiger, und verfügt über eine verbesserte Luftzufuhr und kurze Tankzeiten. Die Befüllung der sicheren Wasserstofftanks benötigt übrigens weniger als fünf Minuten und entlockt Dir um die 60 Euro!

Wie Du siehst, am Auto liegt es nicht. Die speziellen Wasserstoff-Stationen sind in Deutschland noch etwas rar, aktuell umfasst das Netz 48 Tankstellen, bis Ende 2018 sollen es 80 Stück sein. Langsam tut sich was. Vielleicht hast Du es schon gehört, die Hyundai Motor Group ist eine Partnerschaft mit Audi bezüglich der Brennstoffzellen-Technologie eingegangen, zur Kreuzlizenzierung von Patenten und den Zugang zu Technologien, um beispielsweise den Platin-Anteil in der Brennstoffzelle zu reduzieren.

Das zweite in Serie produzierte Brennstoffzellenfahrzeug von Hyundai fährt auch in Sachen Assistenzsysteme modernste Geschütze auf, wie die adaptive Geschwindigkeitsregelanlage mit Abstandsregelung und Stopp-Funktion, den aktiven Spurhalteassistent, ein Aufmerksamkeits- sowie autonomen Notbremsassistent inklusive Frontkollisionswarner mit Fußgängererkennung und eine Verkehrszeichenerkennung.

Ebenfalls zu schätzen lernte ich den Stau-Assistent, im Falle des Nexo hält dieser das Brennstoffzellenfahrzeug bis Tempo 150 automatisch in der Mitte der Fahrspur und arbeitet zudem mit der adaptiven Geschwindigkeitsregelanlage zusammen und nutzt Daten von Navigationssystem und Verkehrszeichenerkennung. So wird der Abstand zum Vordermann gehalten wie aber auch Tempolimits berücksichtigt.

Mit dem erweiterbaren Totwinkel-Assistenten hat Hyundai aber ein ganz besonderes und erstmals in einem Automobil verbautes Gimmick in petto. Unterstützt durch Weitwinkel-Kamerabilder von beiden Fahrzeugseiten wird Dir beim geplanten Spurwechsel die Fahrzeugumgebung auf dem Display angezeigt.

Obendrein ist der AV-Monitor mit einer 360-Grad-Rundumsicht aus der Vogelperspektive Bestandteil des aufpreispflichtigen Premium-Paketes. Selbst in engen Passagen ist so ein sehr präzises Rangieren möglich. Wer möchte, kann aber auch vorher aussteigen und den automatischen Einparkassistenten die Arbeit verrichten lassen. Kann der Nexo als erstes Hyundai Modell allein per Fernbedienung am Fahrzeugschlüssel gesteuert und so selbstständig ein- und ausparken.

Apropos Ausparken, wer den rückwärtigen Weg antritt, kann sich auf den Querverkehrswarner verlassen, der Dich nicht nur akustisch warnt, mittels Notbrems-Funktion kann er auch einen Zusammenstoß vermeiden.

Das optionale Premium-Paket beinhaltet jedoch nicht nur die beiden erwähnten Safety-Features, auch belüftete Vordersitze, eine Sitzheizung für die äußeren Sitzplätze hinten, das elektrische Panorama-Glas-Schiebedach, das KRELL Soundsystem mit 8 Lautsprechern, eine Dachreling und zweiteiligen Leichtmetallfelgen im 19-Zoll-Format sind enthalten.

Der Einstiegspreis von 69.000 Euro würde sich entsprechend um 3.500 Euro erhöhen. Das war es dann aber auch fast schon, einzig die matte Lackierung Titanium Grey wird mit 600 Euro noch unter den Extras aufgeführt. Präsentiert sich der Hyundai Nexo von vorne herein top ausgestattet und kann bei Interesse aber auch geleast werden.

Und unabhängig von der Art der Anschaffung, gewährt Dir Hyundai auf das Brennstoffzellenfahrzeug ein vorbildliches Garantiepaket. Denn neben der Leistung auf das gesamte Fahrzeug von fünf Jahren ohne Kilometerbegrenzung, gilt für die Hochvolt-Batterien eine Garantiezeit von acht Jahren oder bis zu einer Laufzeit von 200.000 Kilometern. Die europaweit gültige Hyundai Mobilitätsgarantie, die ebenfalls 60 Monate gültig ist, gibt es obendrauf und verlängert sich bei jeder Wartung in einer Vertragswerkstatt um ein weiteres Jahr ohne Begrenzung des Fahrzeugalters bis zu einer Fahrleistung von 200.000 Kilometern.

Bestellbar ist der Hyundai Nexo bei allen Hyundai-Vertragshändlern, die dann auch die Wartung übernehmen können. Aktuell wird das Fahrzeug in den Markt eingeführt, doch schon jetzt sind bei uns in Deutschland 200 Bestellungen eingegangen, was für ein Fahrzeug dieser Gattung wirklich sehr viel ist. Bei einem Netzausbau auf 100 Wasserstoff-Tankstellen hierzulande, könnten laut Hyundai durchaus tausend Verkäufe möglich sein.

Stand: August 2018; Test und Fotos: CARWALK – der Autoblog

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