SEAT Ateca – Wo ist die Auto Emocion geblieben?

Kennst Du das, da nimmst Du in einem Auto Platz, das Dir im Grunde überhaupt keinen Anlass zur Kritik bietet, es scheint in allen Punkten vorbildlich zu sein und doch fehlt es Dir letztlich an dem gewissen Etwas. Und genau dieses Besondere hatte ein SEAT für mich bisher und hob sich trotz der Markenzugehörigkeit deutlich von seiner Konzernmutter ab. Doch in meinen Augen ist das beim ersten SUV der Spanier leider nicht mehr der Fall. Fehlen mir beim Ateca genau diese spanischen Tugenden, diese Eigenständigkeit, diese stets beworbene Auto Emocion, die Tatsache eben kein VW zu sein. Und so stelle ich mir die Frage, warum also ein Ateca und kein Tiguan?

Beide Modelle bauen auf dem modularen Querbaukasten auf und greifen auf die selbe Technik zurück, doch allein größentechnisch ist der SEAT Ateca gute 13 Zentimeter kürzer geraten. Womit er sich im Großstadtdschungel schon mal als handlicher und wendiger erweist. Doch ist das der einzigste Unterschied?

Wenn auch das Design des Ateca typische SEAT-Merkmale wie beispielsweise den trapezförmigen Grill und die dreieckigen Lichtsignaturen kennzeichnen, ist die Konzern-Ähnlichkeit doch größer, als die bis dato von SEAT gewohnte emotionale DNA. So sehe ich das zumindest als (eigentlich) großer SEAT-Fan.

Und ich möchte mich auch gar nicht gegen die Entscheidung ein SUV auf die Räder gestellt zu haben aussprechen, der Alfa Romeo Stelvio zeigt ja nur zu gut auf, wie toll das funktionieren kann … Doch SEAT ist das einfach nicht so gut gelungen.

Dass ich mit dieser Sichtweise durchaus gegen den Strom schwimme, ist mir klar und so kann ich mich dennoch über die großartigen Verkaufszahlen für SEAT freuen. Warum die Spanier allerdings auch beim nächsten SUV, dem SEAT Arona nicht auf mehr Eigenständigkeit setzen, enttäuscht mich wirklich.

Aber genug von mir, widme ich mich den Fakten:

Die markante dreieckige Lichtsignatur prägt die optionalen Voll-LED-Scheinwerfer sehr deutlich und lassen uns den Ateca bereits in Dunkelheit als SEAT identifizieren. Im Falle des SUV ist sogar der Blinker Teil dieser Signatur.

Immer wieder Freude habe ich an dem sogenannten „Welcome Light“, projizieren LEDs im Außenspiegel den Namen Ateca und die Silhouette des Fahrzeugs auf den Boden um den Bereich der vorderen Fahrzeugtüren.

Licht ist auch im Innenraum ein Thema. Die Ambientebeleuchtung in den Türen erinnert an einen Wasserfall und kann ganz nach Belieben zwischen acht verschiedenen Farbtönen variiert werden. Der um den beleuchteten Startknopf gelegte Lichtring pulsiert zudem im Takt eines Herzschlags. Ein Vorgang der bereits bei anderen Herstellern zum Anlassen animieren soll.

Auch der Innenraum weist deutliche Parallelen zur Konzernmutter auf, was insgesamt für ein sehr klares Cockpit spricht. Es gibt nicht wirklich etwas zu beanstanden, ist die optische Ausrichtung doch immer reine Geschmackssache und die Verarbeitung tadellos, die Armaturen klar und übersichtlich konstruiert. Doch auch hier ist es diese fehlende Eigenständigkeit, diese gewissen Ecken und Kanten, die den SEAT Ateca zu einem SEAT machen und eben nicht nur zu einem VW-Ableger.

Aber gut, konzentriere ich mich auf die Kernkompetenzen, die der Kunde letztlich an dem ersten SEAT SUV schätzen wird. Natürlich steht hier die erhöhte Sitzposition ganz weit oben im Lastenheft, diese paart der Ateca mit einem wirklich großzügigen Platzangebot.

Zuvor möchte ich aber noch das Thema Konnektivität anschneiden, ist die ständige Verbindung in die digitale Welt für viele von Euch mittlerweile zu einem unverzichtbaren Bestandteil geworden. Und mit der neuesten Generation der Easy Connect Infotainment-Systeme, mit Full Link und der exklusiven SEAT ConnectApp sollte jeder von Euch glücklich werden.

Mit dem in meinem Testwagen verbauten Media System Plus werden mir die Infotainment- wie aber auch die Navigationsinhalte über den 8 Zoll großen Bildschirm toll dargestellt.

Und mittels der Connectivity Box in der Mittelkonsole wäre mir auch das kabellose Laden möglich gewesen, nur leider war mein Smartphone noch nicht dazu bereit.

Aber halb so schlimm, schließlich hab ich hier gleich zwei USB-Anschlüsse verbaut, die mir einerseits erlaubt haben, mein MirrorLink-taugliches Handy wie aber auch ein externes Musik-Abspielgerät anzuschließen.

Bei MirrorLink wird meine Smartphone-Bedienoberfläche übrigens auf den Touchscreen des Atecas „gespiegelt“ und in Verbindung mit der SEAT ConnectApp verfüge ich außerdem über die Funktion „Voice Replay“ und kann mir Mails, SMS oder aber auch Posts aus Facebook oder Twitter vorlesen lassen.

Sollte Dein Smartphone nicht Mirror-Link fähig sein, auch kein Problem, hat SEAT ja noch Full Link in petto, integriert dieses neben MirrorLink auch die Funktionen von Apple CarPlay und Android Auto. Wie Du siehst, der perfekten Vernetzung mit Dir, Deinem Handy, Deinem Ateca und der Außenwelt steht nichts im Wege.

Die sogenannte Gestensteuerung ermöglicht darüber hinaus eine intuitive Steuerung mittels kleiner Fingergeste – ein rumgehacke auf dem Touchscreen ist hier nicht nötig.

Vorne sitze ich mit meinen 1,80 Metern wirklich sehr gut, das knackige Gestühl bietet mir tollen Seitenhalt und einen angenehmen Sitzkomfort. Doch das Platzangebot im Fond überrascht mich dann doch sehr, Beine übereinanderschlagen, hier problemlos möglich. Wenn ich jetzt noch die Rückbank in der Länge verschieben könnte.

Dafür kann ich die Rückenlehnen auch bequem vom Heck aus umlegen, allerdings ist die Fläche nicht eben und die Stufe störend. Hier schafft der erhältliche doppelte Ladeboden aber bequem Abhilfe. Maximal wächst der Stauraum übrigens auf 1.604 Liter bzw. 1.579 Liter beim 4Drive.

Großer körperlicher Aufwand ist auch beim Öffnen des Kofferraums nicht notwendig. Schwingt die Heckklappe nicht nur auf Tastendruck elektrisch auf, sie kann auch per Fußwisch geöffnet und sogar wieder geschlossen werden.

Mit 4,36 Metern ist er ein gutes Stück kompakter als der Tiguan und somit auch etwas kleiner im Kofferraum, dennoch fasst er bereits in der normalen Sitz-Konfiguration 510 Liter – einzig wer wie in meinem Fall auf den Allrad setzt muss hier 25 Liter Stauraum einbüßen.

Der Allradantrieb nutzt eine neu entwickelte Lamellenkupplung mit hydraulischer Betätigung und elektronischer Regelung sowie einer Haldex-Kupplung der fünften Generation.

Dass sich in diesem Segment aber immer mehr die frontangetriebenen Versionen durchsetzen, zeigt ein Blick auf die Verkaufsstatistiken, fallen beim Ateca lediglich 1/3 auf die 4WD-Versionen.

Wer sich aber doch für das allradangetriebene Modell entscheidet, der findet neben den Modi Normal, Sport, Eco und Individual am Driving Experience Regler auf der Mittelkonsole auch die Profile Schnee und Offroad. Die bei SEAT sogenannten 4Drive-Modelle haben außerdem einen Bergabfahrassistenten an Bord. Übrigens, der Fahrwerksschalter nimmt nicht wie erwartet Einfluss auf das Fahrwerk, sondern auf die Lenkung und die Gasannahme. Der wirkliche Aha-Effekt bleibt jedoch aus.

Und zugegeben, selbst im SEAT Ateca 4Drive Platz genommen, habe ich nicht bewusst den Einsatz im Gelände gesucht. Bei Nässe und Schnee spricht der Allradantrieb aber natürlich für eine optimale Traktion.

Was ich den Spaniern stets ganz hoch angerechnet habe, war der enorme Fahrspaß, ob im kleinen Ibiza oder im kompakten Leon, SEAT wurde stets seiner Werbebotschaft „Auto Emocion“ gerecht, vor allen Dingen fahrerisch.

Bei einem SUV verschieben sich selbstverständlich die Ansprüche, auf Agilität würde ich aber dennoch nicht verzichten wollen. Und wenn ich ihn auch durchaus sportlich und absolut souverän um die Kurven jagen konnte, stand viel mehr der perfekt ausgewogene Fahrwerkscharakter à la VW im Vordergrund. Womit ich im Grunde auch in diesem Kapitel nichts zu meckern habe, doch ich vermisse einfach die gewohnte Rassigkeit eines SEAT. So musste der altbekannte Slogan leider nicht nur in der Werbung weichen.

Mein Ateca 1.4 TSI mit 150 PS (110 kW), Allrad und dem sehr angenehmen Handschalter genehmigt sich glatte neun Sekunden aus dem Stand heraus, bis er die 100 km/h-Marke passiert hat. Nicht gerade der Schnellste, aber untermotorisiert bin ich damit keineswegs. Steht mir immerhin ein maximales Drehmoment von 250 Nm zur Seite.

Die Versionen mit Frontantrieb oder DSG-Getriebe sind aber dennoch bis zu einer halben Sekunde schneller. Bei der Topspeed bildet mein Testwagen mit 192 km/h ebenfalls das Schlusslicht.

Ob er das im Verbrauch wieder rausholen kann? Nicht wirklich, schluckt der Allrad hier einen weiteren halben Liter mehr. Dafür besitzt der 1.4 TSI eine Zylinderabschaltung bei Teillast – über den aktivierten Zweizylinder-Modus wirst Du über einen Hinweis im Display informiert – und hilft in diesem Bereich Sprit zu sparen.

An den vom Hersteller angegebenen Verbrauch von 6,0 Litern im kombinierten Zyklus (138 g/km CO2) bin ich bei bewusst effizienter Fahrt aber um einen weiteren halben Liter vorbeigeschrammt.

Wenn ich bei Autointeressierten in die Runde höre, fällt mir immer wieder auf, das Thema Fahrerassistenzsysteme kommt (noch) so gut wie gar nicht vor. Ganz im Gegenteil beim Hersteller. Das Kapitel Sicherheit nimmt immer mehr eine größere Rolle ein, während die Schweden jüngst beim neu eingeführten Volvo XC60 wieder betont haben, dass ab dem Jahr 2020 niemand mehr in einem neuen Volvo schwer oder tödlich verletzt werden soll, hat mir die neue Mercedes-Benz E-Klasse erst aufgezeigt, wie beeindruckend (teil)autonomes Fahren sein kann.

Wer dem Thema Sicherheit wirklich kein großes Interesse beimessen möchte, kann unbedarft weiterlesen. Alle anderen bitte ich den Text betreffend der Fahrer-Assistenten mit einem Klick aufzuklappen.

Fahrer-Assistenten

Stauassistent: Wer ihn einmal hatte, möchte ihn mit Sicherheit nicht mehr missen, macht er die Fortbewegung im nervigen Stop-and-Go-Verkehr deutlich angenehmer. Im Falle des SEAT Ateca hält er nicht nur den Abstand zum Vordermann, er lenkt im Stautempo, beschleunigt und bremst auch innerhalb seiner Systemgrenzen automatisch. Nimmt das Tempo zu und überschreitet die 60 km/h unterstützt das System durch Geschwindigkeits- und Spurregelung, Deine Hände müssen aber am Lenkrad bleiben.

ACC mit Front Assist: Die radargesteuerte Geschwindigkeitsregelung ACC hält den korrekten Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug automatisch und trägt damit auf langen Autobahnpassagen für eine angenehme Entspannung bei.

Darüber hinaus kann der integrierte Front Assist bei Gefahr (innerhalb bestimmter Geschwindigkeiten) autonom bremsen.

City-Notbremsfunktion mit Fußgängererkennung: Hier handelt es sich um eine Systemerweiterung des Front Assist. Somit überwacht der Ateca bis zu einer Geschwindigkeit von 65 km/h den Raum vor dem Fahrzeug und bremst im Notfall den Wagen umgehend und automatisch ab und erkennt zudem auch Fußgänger am Straßenrand sowie auf der Fahrbahn.

Verkehrszeichenerkennung: Auch so ein Extra, dass man sehr schnell schätzen lernt. Übersiehst Du so kein Tempolimit oder Verbotszeichen mehr.

Blind Spot Detection: Der Totwinkelassistent ist nicht weniger praktisch und macht den Spurwechsel deutlich sicherer. Ein optisches Signal im Außenspiegel warnt Dich vor Fahrzeugen, die sich im toten Winkel nähern.

Rear Traffic Alert: Rückwärts ausparken birgt auch seine Gefahren, da herankommende Fahrzeuge auf der Straße oft schwer zu erkennen sind. Hier beobachten die Radarsensoren den Querverkehr und warnen Dich vor möglichen Kollisionen. Gepaart mit dem Ausparkassistent bist Du in diesem Punkt wahrlich vor keine Probleme mehr gestellt.

Parklenkassistent 3.0: Die neueste Version des Parkassistenten sichert stressfreies Einparken und unterstützt jetzt Längs- und Querparken.

Top View: Wer selbst das Ruder übernehmen möchte findet mit Sicherheit an Top View großen Gefallen. Ist der Ateca nun über das Display in Ansicht aus der Vogelperspektive zu sehen. Damit werden enge Parklücken sehr viel übersichtlicher. Zusätzlichen Schutz für die wertvollen Leichtmetallräder gibt es auch: Ein weiterer der vier Darstellungsmodi zeigt ein vorderes oder alle vier Räder mit Abstandslinien zur Bordsteinkante.

Emergency Assist: Diese neue Funktion greift beispielsweise bei einem medizinischen Notfall ein: Bleibst Du über eine bestimmte Zeit hinaus inaktiv, wirst Du optisch, akustisch und schließlich über einen Bremsruck gewarnt. Zeigst Du dann immer noch keine Reaktion, bremst der Ateca bis zum Stillstand, bleibt dabei in der Spur und aktiviert das Warnblinklicht sowie die elektronische Parkbremse.

Fernlichtassistent: In Kombination mit den Voll-LED-Scheinwerfern ist Dir hiermit die optimale Ausleuchtung der Fahrbahn garantiert. Entgegenkommende Fahrzeuge werden aber keineswegs geblendet oder gestört.

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Wer sich abschließend doch noch einmal die Frage stellen muss, warum ein SEAT Ateca und nicht den Tiguan aus Wolfsburg, den wird vielleicht der Preis überzeugen. Ist doch der Spanier deutlich günstiger! Am Beispiel des von mir gefahrenen und für einen Grundpreis von 26.970 Euro erhältlichen SEAT Ateca 1.4 TSI 4Drive in der mittleren Ausstattungsversion Style als Handschalter ist das bereits eine Ersparnis von stolzen fünftausend Euro.

Gibst Du Dich mit der Basisversion Reference zufrieden, die allerdings nur mit den Basismotoren kombinierbar ist, erhältst Du den SEAT Ateca bereits für 19.990 Euro, eine Klimaanlage, das Media System Touch wenn auch mit 5 Zoll-Bildschirm und sieben Airbags, eine Müdigkeitserkennung und das radarbasierte Antikollisionssystem Front Assist mit City-Notbremsfunktion sind aber auch hier schon mit an Bord.

Dem gegenüber steht die Topvariante XCELLENCE für mindestens 28.020,- Euro. Hier wirst Du mit einer Alcantara-Polsterung (optional auch Leder) verwöhnt, das Interieur mit besonderen Deko-Elementen und der Multicolour-Ambiente-Beleuchtung aufgepeppt. Eine Dachreling und Scheibenrahmen in Chrom, ein schwarz hochglänzender Grill, dunkel getönte Scheiben und 18 Zoll große Leichtmetallräder zählen ebenso zum serienmäßigen Umfang wie die Voll-LED-Scheinwerfer mit Welcome Light, das SEAT Drive Profile, die Rückfahrkamera, Parksensoren hinten, Regen- und Lichtsensor und das schlüssellose Schließ-und Startsystem „Kessy“.

Natürlich sind einige dieser Features auch gegen Aufpreis für die Variante Style zu haben, doch was die Extras insgesamt anbelangt, scheint es mir so, als halte der Mutterkonzern SEAT leider etwas klein. Denn während ich den getesteten VW Tiguan z. B. auch mit einem Head-up-Display oder dem Trailer Assist ausstatten konnte, suche ich diese Features beim Ateca vergeblich.

Ganz neu präsentiert sich dieser Tage übrigens der SEAT Ateca FR, erhältlich ab 28.620 Euro. Vielleicht kann mich dieser SEAT Ateca überzeugen, stehen besonders die FR-Varianten für einzigartigen SEAT-Flair.

Stand: Juli 2017; Test und Fotos: CARWALK – Der Autoblog

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