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Volvo ES90 im Test: Der stille Luxus der neuen Volvo-Ära

Volvo und Kombi – das gehörte über Jahrzehnte zusammen wie Schweden und lange Winter. 240, 850, V70 oder zuletzt V90: Kaum ein anderer Hersteller hat den großen, kantigen und später zunehmend eleganten Kombi derart zum Bestandteil seiner eigenen Markenidentität gemacht. Und ausgerechnet beim elektrischen Aufbruch in die obere Mittelklasse verzichtet Volvo darauf.

Der neue ES90 kommt allein. Ohne elektrischen Kombi an seiner Seite und ohne eine wirkliche eigene Historie im Rücken. Zwar lässt er sich als vollelektrischer Nachfolger des S90 verstehen, doch im Grunde schlägt Volvo mit ihm ein neues Kapitel auf. Klassische Limousine möchte der exakt fünf Meter lange Schwede nämlich ebenso wenig sein wie SUV oder Schrägheck. Stattdessen nimmt er sich von allem ein wenig: die elegante Silhouette der Limousine, die große Heckklappe eines Fastbacks und eine leicht erhöhte Bodenfreiheit, die ihm beinahe etwas Crossoverhaftes verleiht.

Damit trifft der Volvo ES90 auf ein durchaus illustres Umfeld. Mercedes EQE, BMW i5 und Audi A6 e-tron bilden die deutsche Premiumriege, daneben buhlen Genesis Electrified G80, Nio ET7 oder Lucid Air um Käufer, die ihre elektrische Oberklasse gerne etwas anders interpretieren.

Dass Volvo mit diesem Ansatz offenbar einen Nerv getroffen hat, zeigte sich schon früh. Gold beim German Design Award 2026, Platz eins der Importwertung „Obere Mittelklasse“ bei der Leserwahl „Best Cars“ und schließlich der Klassensieg bei der Auto Trophy Elektro 2026: Noch bevor der ES90 auf unseren Straßen zum alltäglichen Bild geworden ist, hat er bereits einige Auszeichnungen eingesammelt.

Und nach den ersten Kilometern versteht man durchaus, warum. Der ES90 ist ein wunderbar sanfter Gleiter. Leise, gelassen und mit jener unaufgeregten Souveränität, die zu Volvo passt. Doch er zeigt gleichzeitig sehr deutlich, wie sich die Schweden das Automobil der Zukunft vorstellen. Und dazu gehört offenbar auch die konsequente Abkehr vom klassischen Bedienelement. Mitunter so konsequent, dass selbst ein Handschuhfach keinen simplen Griff mehr vorweist.

Ob Fortschritt wirklich immer bedeutet, Dinge komplizierter zu machen, die jahrzehntelang wunderbar funktioniert haben? Darüber werden wir noch sprechen.

Fünf Meter skandinavische Gelassenheit

Mit exakt fünf Metern Länge fährt der Volvo ES90 schon allein aufgrund seiner schieren Größe nicht unbemerkt vor. Dennoch verzichtet er auf den großen Auftritt um jeden Preis. Keine aggressiv gezeichneten Linien, keine übertriebenen Sicken, keine optischen Spielereien. Stattdessen setzt Volvo auf klare Flächen, ausgewogene Proportionen und jene ruhige Eleganz, die man inzwischen beinahe als skandinavisches Markenzeichen bezeichnen darf.

Dabei verabschiedet sich der ES90 zugleich ein Stück weit von der klassischen Limousine. Die zum Heck hin fließend abfallende Dachlinie verleiht ihm beinahe Coupé-Charakter, während die große Heckklappe funktional eher an ein Fastback erinnert.

Hinzu kommt eine Bodenfreiheit von stattlichen 18 Zentimetern. Damit steht der Schwede sichtbar höher als eine gewöhnliche Limousine und wirkt beinahe wie eine Kreuzung aus Limousine, Fastback und Crossover.

Möglich machen das unter anderem die Batterie im Fahrzeugboden sowie beim Testwagen die Luftfederung. Der lange Radstand von 3,10 Metern, die kurzen Überhänge und die weit nach hinten gerückte Kabine sorgen dennoch dafür, dass die Proportionen stimmig bleiben.

Ruhe statt Show

An der Front gibt sich der ES90 unverkennbar als moderner Volvo zu erkennen. Der geschlossene Kühlergrill und die markante Lichtsignatur des „Thor’s Hammer“ prägen das Gesicht, ohne dabei aufdringlich zu wirken. Die glatten Flächen und bündig ausgeführten Details unterstützen nicht nur den reduzierten Look, sondern verbessern gleichzeitig die Aerodynamik.

Und die kann sich sehen lassen: Mit einem cw-Wert von 0,25 erreicht der ES90 den bislang niedrigsten Luftwiderstandsbeiwert eines Volvo-Serienfahrzeugs. Für ein fünf Meter langes Auto mit vergleichsweise großer Bodenfreiheit ist das durchaus bemerkenswert.

Seitlich fallen neben der fließenden Dachlinie vor allem die bündig versenkten Türgriffe ins Auge. Auch die Scheiben schließen nahezu eben mit den B- und C-Säulen ab. Der gesamte Auftritt wirkt dadurch wie aus einem Guss.

Unser Testwagen setzt mit 22 Zoll großen Leichtmetallfelgen im Fünf-Speichen-Design, abgedunkelten Seiten- und Heckscheiben sowie Chromdesignelementen zusätzliche Akzente. Gerade die großen Räder unterstreichen die ohnehin stattliche Präsenz des ES90 noch einmal deutlich.

Typisch Volvo – auch am Heck

Auch die Rückansicht bleibt der aktuellen Volvo-Designsprache treu, interpretiert sie aber neu. Die zweigeteilten LED-Rückleuchten ziehen sich im oberen Bereich vertikal an der Heckscheibe entlang und formen weiter unten ein markantes C. Dadurch wirkt das Heck eigenständig, ohne den typischen Volvo-Charakter zu verlieren.

Etwas weniger harmonisch fügt sich dagegen das auf dem Dach platzierte LiDAR-System in die ansonsten sehr saubere Linie ein. Der kleine Aufbau ist deutlich sichtbar und wirkt zunächst wie ein Fremdkörper. Volvo nimmt diesen optischen Kompromiss bewusst in Kauf: Durch die erhöhte Position soll das System weiter vorausblicken können und Fahrzeuge, Fußgänger, Tiere sowie andere Hindernisse auch bei Dunkelheit oder schlechten Sichtverhältnissen frühzeitig erfassen.

Unterm Strich lebt das Design des Volvo ES90 weniger von einzelnen Effekten als vom Gesamtbild. Größe, klare Flächen, reduzierte Details und die leicht erhöhte Karosserie verschmelzen zu einem Auftritt, der elegant und souverän wirkt, ohne laut werden zu müssen. Genau darin liegt seine Stärke.

Skandinavisches Wohnzimmer auf Rädern

Wer in den Volvo ES90 einsteigt, findet zunächst genau das vor, was der äußere Auftritt verspricht: Ruhe. Auch innen verzichtet Volvo auf Effekthascherei und setzt stattdessen auf skandinavisch zurückhaltende Eleganz.

Echtholz, Aluminium, hochwertige und angenehm weiche Oberflächen sowie gedeckte Farben schaffen eine Atmosphäre, die tatsächlich eher an eine moderne Wohnlandschaft als an ein klassisches Automobilcockpit erinnert.

Die Verwandtschaft zum großen EX90 ist dabei unübersehbar. Lenkrad, digitales Kombiinstrument und das hochkant angeordnete 14,5-Zoll-Zentraldisplay kennt man bereits aus dem SUV. Verarbeitung und Materialqualität geben keinerlei Anlass zur Kritik. Alles wirkt sauber verarbeitet, wertig und angenehm reduziert.

Sitzen? Volvo kann das einfach

Ein besonderes Lob verdienen einmal mehr die Sitze. Hier zeigt Volvo, warum die Marke seit Jahrzehnten einen hervorragenden Ruf genießt. Sie umschmeicheln den Körper, bieten ausgezeichneten Halt und bleiben auch auf längeren Strecken ausgesprochen bequem.

Der 3,10 Meter lange Radstand zahlt sich besonders im Fond aus. Die Beinfreiheit ist geradezu fürstlich und auch großgewachsene Passagiere finden bequem Platz. Lediglich die nach hinten stark abfallende Dachlinie setzt dem Raumangebot Grenzen: Jenseits von etwa 1,90 Meter Körpergröße wird es über dem Kopf enger.

Für ein zusätzlich luftiges Raumgefühl sorgt das serienmäßige Panorama-Glasdach. Besonders reizvoll ist die elektrochromatische Variante, deren Transparenz sich elektrisch verändern lässt. Zusammen mit der Vier-Zonen-Klimatisierung sowie Sitzheizung und optionaler Sitzbelüftung auch im Fond entwickelt der ES90 durchaus Lounge-Qualitäten.

Minimalismus bis zur letzten Taste

Optisch funktioniert Volvos Minimalismus hervorragend. Im Alltag stößt er für meinen Geschmack allerdings an seine Grenzen.

In der Mittelkonsole bleiben gerade einmal ein hübscher Audioregler in Kristallglas-Optik und zwei Tasten für die Titelwahl übrig. Nahezu alles andere wandert in den zentralen Touchscreen. Und Volvo meint mit „alles“ tatsächlich fast alles.

Einen klassischen Lichtschalter? Gibt es nicht mehr. Außenspiegel einstellen? Bildschirm. Lenksäule justieren? Bildschirm. Selbst das Handschuhfach lässt sich nicht mehr einfach an einem Griff öffnen, sondern verlangt nach einem Ausflug ins Menü. Dazu kommen wenig intuitive und unbeleuchtete Lenkradtasten sowie lediglich zwei Fensterheberschalter auf der Fahrerseite, deren Funktion für die hinteren Fenster erst umgeschaltet werden muss.

Ja, die Menüstruktur selbst ist logisch aufgebaut und das System reagiert schnell. Google Maps, Google Assistant und zahlreiche weitere Dienste sind sauber integriert. Doch eine gute Software macht aus jedem eingesparten Schalter noch lange keine gute Idee.

Gerade Funktionen, die während der Fahrt spontan gebraucht werden, sollten sich meines Erachtens bedienen lassen, ohne erst den Blick von der Straße auf ein Display zu richten. Reduktion ist schön. Aber Volvo treibt den digitalen Minimalismus an ein paar Stellen so weit, dass er schlicht unpraktisch wird.

Große Klappe, eingeschränkter Durchblick

Praktischer als die Silhouette zunächst vermuten lässt, zeigt sich der ES90 beim Gepäck. Anders als eine klassische Limousine besitzt er eine weit aufschwingende Heckklappe. Dahinter warten 424 Liter Ladevolumen. Werden die im Verhältnis 40:20:40 teilbaren Rücksitze umgelegt, stehen bis zu 1.427 Liter zur Verfügung. Unter der Fronthaube kommt ein 27 Liter großer Frunk hinzu, in dem beispielsweise das Ladekabel Platz findet.

Weniger überzeugend fällt dagegen die Sicht nach hinten aus. Die flache Heckscheibe ist klein, die massigen Kopfstützen tun ihr Übriges. Ohne Rückfahrkamera wird Rangieren damit schnell zum Blindflug. Abhilfe schafft der optional erhältliche digitale Innenspiegel, wobei dieser zunächst durchaus etwas Gewöhnung verlangt.

Und bei all der Variabilität bleibt für mich eine Frage bestehen: Warum Volvo ausgerechnet dem ES90 keinen Kombi zur Seite stellt, erschließt sich mir weiterhin nicht. Gerade die V-Modelle gehören schließlich seit Jahrzehnten zu den Aushängeschildern der Marke.

Gänsehaut inklusive

Ein eigenes kleines Highlight sitzt dagegen unsichtbar im Innenraum: das optionale Bowers-&-Wilkins-Soundsystem. Mit 3.460 Euro ist es alles andere als günstig, klanglich aber schlicht großartig.

Die Räumlichkeit, Klarheit und Kraft der Anlage gehören zu jenen Dingen, die man schlecht in Zahlen ausdrücken kann. Verschiedene Klangprofile und Surround-Einstellungen laden zum Ausprobieren ein – und wenn der richtige Song läuft, schafft dieses System etwas, was keine technische Datenliste vermitteln kann: Gänsehaut.

Reisen ohne Stress

Es gibt Autos, die einen ständig animieren. Schneller fahren, später bremsen, Kurven enger nehmen. Und dann gibt es den Volvo ES90.

Er gehört ganz klar zur zweiten Sorte.

Kaum unterwegs, stellt sich diese besondere Ruhe ein, die man heute nur noch selten erlebt. Der ES90 gleitet förmlich über die Straße, entkoppelt seine Insassen von Hektik, schlechten Fahrbahnen und einem guten Teil der Außenwelt. Und genau darin liegt eine seiner größten Stärken.

Besonders beeindruckend ist dabei das Geräuschniveau. Vom elektrischen Antrieb ist praktisch nichts zu hören, Wind- und Abrollgeräusche bleiben selbst bei höherem Tempo erstaunlich weit im Hintergrund. Auch auf rauem Asphalt herrscht im Innenraum eine beinahe schon ungewöhnliche Ruhe. Für eine Reiselimousine könnte die Abstimmung kaum passender sein.

22 Zoll – und trotzdem komfortabel

Eigentlich sind riesige Räder nicht gerade die beste Voraussetzung für maximalen Federungskomfort. Unser Testwagen rollt schließlich auf 22-Zöllern. Umso erstaunlicher ist, wie feinfühlig der ES90 damit umgeht.

Bereits in der Stadt schluckt das Fahrwerk Kanaldeckel, Querfugen und schlechte Straßen erstaunlich souverän. Auf Landstraße und Autobahn spielt die adaptive Luftfederung dann endgültig ihre Stärken aus. Selbst tiefere Bodenwellen werden sauber weggefiltert, ohne dass der Volvo ins Nachschwingen verfällt. Das Auto bleibt ruhig, gelassen und jederzeit kontrolliert.

In der Ausstattung Ultra gehört die adaptive Zweikammer-Luftfederung mit Four-C-Technik serienmäßig dazu. Sie passt die Dämpfung permanent an Fahrzustand und Geschwindigkeit an und reduziert gleichzeitig Nick-, Tauch- und Wankbewegungen der Karosserie. Die Regelung erfolgt bis zu 500-mal pro Sekunde.

Technisch aufwendig – auf der Straße vor allem eines: angenehm unspektakulär.

Kein Sportler – und das ist gut so

So komfortorientiert der ES90 auch abgestimmt ist, Fahrdynamik bedeutet bei ihm keineswegs Trägheit.

Der lange Radstand, die tief im Fahrzeugboden platzierte Batterie und das aufwendige Aluminiumfahrwerk mit Doppelquerlenkern vorne und Integral-Achse hinten sorgen für eine stabile, ausgeglichene Straßenlage.

Auch in schneller gefahrenen Kurven bleibt der Volvo kontrolliert und vorhersehbar. Eine Sportlimousine wird aus ihm allerdings selbst in der straffsten Einstellung nicht – und ehrlich gesagt: Warum sollte er?

Die Lenkung passt perfekt zu diesem Charakter. Sie arbeitet leichtgängig und entspannt, bleibt dabei aber ausreichend präzise. Große Rückmeldungen oder viel Handmoment sucht man vergeblich. Dafür wirkt sie nie nervös oder unnötig schwer.

Gerade im Stadtverkehr ist das angenehm. Trotz seiner fünf Meter Länge fühlt sich der ES90 überraschend wenig sperrig an. Beim Rangieren hilft zudem die Zentimeteranzeige im Display, die ziemlich genau verrät, wie viel Platz rund um das Fahrzeug noch bleibt.

Der perfekte Langstreckenbegleiter

Am Ende fügt sich alles zu einem sehr stimmigen Gesamtbild zusammen. Der ES90 möchte weder Kurvenräuber noch fahrdynamischer Selbstdarsteller sein. Er möchte seine Passagiere möglichst ruhig, komfortabel und entspannt ans Ziel bringen.

Und genau darin ist er ausgesprochen gut.

Die Kombination aus hervorragender Geräuschdämmung, fein ansprechender Luftfederung, leichter Lenkung und souveräner Straßenlage macht ihn zu einem dieser Autos, in denen man nach einer langen Strecke aussteigt und sich fragt, warum die Fahrt eigentlich schon vorbei ist.

Mehr Reiselimousine geht kaum.

Mehr Leistung braucht es eigentlich nicht

680 PS, 870 Newtonmeter und vier Sekunden auf Tempo 100 – wer möchte, kann den Volvo ES90 durchaus ziemlich martialisch bestellen. Doch muss man das?

Nach meiner Fahrt im Single Motor lautet die Antwort ziemlich eindeutig: nein.

Schon die Einstiegsversion leistet 245 kW beziehungsweise 333 PS und schickt 480 Newtonmeter ausschließlich an die Hinterräder. Damit beschleunigt der immerhin rund 2,4 Tonnen schwere ES90 in 6,6 Sekunden von null auf 100 km/h. Bei 180 km/h ist – wie bei Volvo inzwischen üblich – Schluss.

Auf dem Papier mag der Single Motor damit neben den beiden stärkeren Allradvarianten beinahe zurückhaltend wirken. Auf der Straße fehlt es ihm jedoch an nichts.

Der Elektromotor schiebt den großen Volvo vom Start weg mit Nachdruck an, reagiert unmittelbar auf Leistungswünsche und gibt seine Kraft angenehm gleichmäßig ab. Kein künstliches Spektakel, kein brutaler Punch nur um seiner selbst willen. Stattdessen passt die Leistungsentfaltung perfekt zum Charakter des ES90: souverän, ruhig und jederzeit ausreichend kräftig.

Mehr Leistung braucht eine Reiselimousine eigentlich nicht.

Von entspannt bis ganz entspannt

Auch beim Verzögern lässt Volvo dem Fahrer die Wahl. Die Rekuperation kann angepasst werden, zudem steht ein One-Pedal-Modus zur Verfügung. Nimmt man den Fuß vom Fahrpedal, verzögert der ES90 auf Wunsch bis zum Stillstand. Alternativ lässt sich die Funktion deaktivieren, sodass der Volvo bei höherem Tempo frei rollen kann. Ein automatischer Modus passt die Rekuperation zudem an die jeweilige Verkehrssituation an.

Gerade im Stadtverkehr fügt sich das hervorragend in den ohnehin entspannten Charakter des Fahrzeugs ein.

800 Volt für kurze Pausen

Technisch markiert der ES90 für Volvo einen wichtigen Schritt. Er ist das erste Modell der Marke mit einer 800-Volt-Architektur. Das bringt vor allem beim Schnellladen Vorteile.

Im Single Motor sitzt eine 92 kWh große Batterie, von denen 88 kWh nutzbar sind. Volvo nennt dafür je nach Ausstattung und Bereifung eine WLTP-Reichweite von bis zu 651 Kilometern. Die beiden Twin-Motor-Versionen erhalten einen größeren 106-kWh-Akku und erreichen laut Hersteller bis zu 700 Kilometer.

An einer entsprechend leistungsfähigen DC-Säule kann der Single Motor mit bis zu 300 kW laden. Für den Sprung von zehn auf 80 Prozent gibt Volvo 22 Minuten an. Die stärkeren Allradmodelle schaffen bis zu 350 kW und benötigen dafür im Idealfall 20 Minuten.

Weniger ambitioniert zeigt er sich dagegen an der AC-Säule. Hier bleibt es bei maximal 11 kW. Angesichts der großen Batterie wären 22 kW durchaus wünschenswert gewesen.

Reichweite hängt am rechten Fuß

Wie bei jedem Elektroauto bleibt die schöne Normreichweite allerdings Theorie, sobald Fahrstil, Temperatur und Autobahntempo ins Spiel kommen.

Im Test zeigte sich, dass bei gemischter Fahrweise etwas mehr als 500 Kilometer realistisch sein können. Wer das Leistungspotenzial häufiger nutzt, treibt den Verbrauch jedoch schnell deutlich nach oben – und damit schrumpft auch die Reichweite entsprechend.

Gerade deshalb passt auch hier wieder der entspannte Umgang mit dem ES90 am besten. Wer ihn gleiten lässt, statt permanent seine Leistung abzurufen, spielt nicht nur seinem Charakter in die Karten, sondern auch der Reichweite.

Und irgendwie passt das ziemlich gut zu diesem Auto: Der ES90 kann schnell. Er muss es nur nicht ständig beweisen.

Vorausschauend sicher

Sicherheit und Volvo – kaum eine Verbindung ist in der Automobilwelt so fest verankert. Auch beim ES90 bleibt die Marke diesem Anspruch treu, interpretiert ihn aber zunehmend digital.

Sieben Kameras, fünf Radarsensoren und zwölf Ultraschallsensoren erfassen permanent die Umgebung des Fahrzeugs. Im Hintergrund arbeiten zwei NVIDIA-Prozessoren, die den ES90 zum bislang rechenstärksten Volvo machen und die Daten der Assistenz- und Sicherheitssysteme bündeln.

Klingt nach viel Technik – fühlt sich beim Fahren erfreulich wenig danach an.

Helfen, ohne ständig dazwischenzufunken

Genau das ist mir beim Test positiv aufgefallen. Die Assistenzsysteme arbeiten insgesamt sehr harmonisch und halten sich angenehm im Hintergrund.

Zum optionalen Umfang unseres Testwagens gehörte auch Pilot Assist. Das System kombiniert adaptive Geschwindigkeitsregelung und Spurführung, hält den ES90 mit sanften Lenkkorrekturen in der Spur und unterstützt auf Wunsch sogar beim Spurwechsel. Dabei greift es nicht hektisch oder ruppig ein, sondern vermittelt eher das Gefühl einer zusätzlichen, unaufdringlichen Absicherung.

Gerade auf längeren Autobahnetappen passt das hervorragend zum ohnehin entspannten Charakter des ES90.

Der Volvo schaut nicht nur nach draußen

Besonderes Augenmerk legt Volvo auch auf den Menschen hinter dem Lenkrad. Ein Fahrer-Monitoring-System beobachtet unter anderem Augen- und Kopfbewegungen und erkennt Anzeichen für Müdigkeit, Ablenkung oder Unaufmerksamkeit.

Reagiert der Fahrer nicht mehr, kann der ES90 im Ernstfall selbstständig innerhalb der Fahrspur abbremsen, die Warnblinkanlage aktivieren und einen Notruf absetzen.

Auch der Innenraum selbst wird überwacht. Radarsensoren können erkennen, ob sich nach dem Verlassen des Fahrzeugs noch Menschen oder Tiere an Bord befinden. Das System ist sensibel genug, selbst kleinste Bewegungen wahrzunehmen. Wird ein Insasse erkannt, warnt der Volvo den Fahrer entsprechend.

Rundumblick statt Überraschungen

Natürlich fehlen auch die inzwischen bekannten Helfer nicht: Totwinkelüberwachung, Cross Traffic Alert, Spurhalteassistent, Ausstiegswarnung sowie ein automatisches Notbremssystem, das neben anderen Fahrzeugen auch Fußgänger, Radfahrer, Motorräder und große Tiere erkennt.

Gerade beim Rangieren ist die 360-Grad-Kamera hilfreich. Die Rundumsicht lässt sich mit Front- oder Rückfahrkamera kombinieren und erleichtert das Manövrieren des fünf Meter langen ES90 erheblich.

Und das ist bei der bereits angesprochenen eingeschränkten Sicht nach hinten auch bitter nötig.

Premium hat seinen Preis

Zum Testzeitpunkt startete der Volvo ES90 in der Ausstattung Core bei 83.990 Euro. Mit dem Modelljahr 2027 steigt der Einstiegspreis leicht auf 84.190 Euro.

Darüber rangieren die Ausstattungslinien Plus und Ultra. Unser Testwagen in der Topausstattung Ultra kam inklusive zusätzlicher Optionen auf 92.980 Euro.

Zur Sonderausstattung gehörten unter anderem Pilot Assist, das Winter-Paket sowie das bereits erwähnte Premium-Soundsystem von Bowers & Wilkins.

Bereits serienmäßig bringt der ES90 allerdings eine umfangreiche Ausstattung mit. Dazu zählen unter anderem der 14,5-Zoll-Touchscreen mit Google-Integration, Vierzonen-Klimaautomatik, Panorama-Glasdach, Wärmepumpe und eine umfassende Sicherheitsausstattung.

In der Ultra-Version kommen unter anderem das adaptive Luftfahrwerk, Pixel-LED-Scheinwerfer, das elektrochromatische Panorama-Glasdach, Massagefunktion, 360-Grad-Kamera und Akustikverglasung hinzu.

Günstig ist der Volvo ES90 damit nicht. Angesichts von Technik, Komfort und Ausstattung bewegt er sich preislich aber genau dort, wo man ihn im Umfeld von BMW i5, Mercedes EQE und Audi A6 e-tron erwarten würde.

Stand: September 2026; Test und Fotos: Lexi Lind; Innenraumfoto: Volvo

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