Renault 8 Gordini Concept

Manchmal reicht ein Blick und man weiß: Das hier ist keine gewöhnliche Autonews. Renault nimmt hier nämlich nicht irgendeinen alten Namen aus dem Regal, sondern holt eine echte kleine Motorsport-Legende zurück – und macht daraus etwas erstaunlich Eigenständiges. Renault holt den Renault 8 Gordini zurück. Nicht als nostalgische Kopie, nicht als Retro-Spielerei und schon gar nicht mit dem Versuch, die Vergangenheit einfach noch einmal aufzuwärmen. Stattdessen nimmt die französische Marke die DNA einer ihrer großen Motorsport-Ikonen und übersetzt sie ziemlich kompromisslos in die Gegenwart.

Das Ergebnis heißt Renault 8 Gordini Concept – ein flaches, breites, zweisitziges Elektro-Coupé mit Hinterradantrieb, 270 PS und einer gehörigen Portion Rallye-Attitüde. Oder anders gesagt: Vergangenheit trifft Zukunft und irgendwo dazwischen entsteht genau das, was Autos viel zu oft fehlt – Charakter.

Ein kleiner Franzose, der fahren gelernt haben wollte

Um zu verstehen, warum dieses Concept Car mehr ist als nur eine hübsche Designübung, lohnt sich ein kurzer Blick zurück.

Der ursprüngliche Renault 8 Gordini kam 1964 auf den Markt. 95 PS, Motor im Heck, Hinterradantrieb – und ein Fahrverhalten, das durchaus Können verlangte. Genau deshalb wurde der kleine Franzose für eine ganze Generation zum Trainingsgerät und Motorsport-Lehrer. Selbst Jean Ragnotti sammelte damit Erfahrungen.

Noch bevor der Begriff GTI überhaupt zum großen Thema wurde, zeigte Renault damit, dass sportliche Performance nicht zwingend unerreichbar sein musste. Und zwei weiße Streifen auf blauem Lack wurden irgendwann weit mehr als bloße Dekoration: Sie wurden zum Erkennungszeichen einer Legende.

270 elektrische PS – und selbstverständlich Heckantrieb

Mehr als sechs Jahrzehnte später übernimmt Renault genau diesen Gedanken und denkt ihn weiter.

Der Renault 8 Gordini Concept misst 4,12 Meter in der Länge, ist satte 1,88 Meter breit und gerade einmal 1,27 Meter hoch. Dazu kommen 19-Zoll-Räder vorne und 20-Zöller hinten. Schon die Proportionen machen klar: Hier wollte niemand einen süßen Retro-Renault zeichnen.

Das Coupé liegt breit und tief auf der Straße, bekommt eine aggressiv gezeichnete Front mit sechs runden Scheinwerfern und ein ausgesprochen muskulöses Heck. Dort sitzt auch der 270 PS starke Elektromotor – und angetrieben werden natürlich die Hinterräder.

Wenn schon Gordini, dann bitte richtig.

Café Racer statt Retro-Kitsch

Besonders spannend ist dabei, wie Renault mit seiner eigenen Vergangenheit umgeht.

Die Designer nennen den Ansatz „Café Racer“ – inspiriert von umgebauten Vintage-Motorrädern, bei denen alles Überflüssige verschwindet und am Ende nur noch das Wesentliche übrigbleibt. Genau dieses Prinzip wurde auf den Gordini übertragen.

Keine überladene Retro-Show, keine historischen Details um jeden Preis. Linien wurden reduziert, Dekorationen teilweise direkt Bestandteil der Karosserie. Selbst die Motorhaube kommt ohne klassische sichtbare Trennlinie aus und kann wie bei manchen Rennwagen komplett abgenommen werden.

Und trotzdem muss niemand zweimal hinschauen, um die Herkunft zu erkennen.

Die eckigen Radhäuser erinnern an das Original, ebenso die sechs runden Frontleuchten, die Außenspiegel oder das hintere Lüftungsgitter. Dazu kommt natürlich dieses Blau – eine moderne Interpretation des historischen Bleu de France.

Zwei weiße Streifen. Mehr braucht es manchmal nicht.

Und dann sind da natürlich noch diese beiden weißen Streifen.

Beim neuen Concept sind sie nicht einfach auf die Karosserie geklebt. Renault macht sie zu einem echten Gestaltungselement. Sie beeinflussen Details außen, tauchen in den Rückleuchten wieder auf und ziehen sich schließlich sogar bis ins Cockpit.

Eine herrlich konsequente Idee: Ein Detail aus den Sechzigern bekommt plötzlich eine neue Aufgabe – ohne seine Bedeutung zu verlieren.

Innen zählt wieder das Fahren

Fast noch sympathischer wird der Gordini beim Blick ins Cockpit.

Gebürstetes Aluminium statt Kunststoff-Orgie, Alcantara, klassische Rundinstrumente – nur dass diese heute digitale Displays sind – und ein Innenraum, in dem bewusst möglichst wenig vom Wesentlichen ablenken soll.

Vom alten Gordini bleiben Erinnerungen wie das blaue Cord der Schalensitze. Gleichzeitig sorgen digitale Anzeigen und indirekte Beleuchtung dafür, dass niemand das Jahr 1964 mit 2026 verwechselt.

Der vielleicht schönste Gedanke daran: Der Fokus liegt tatsächlich wieder auf dem Fahrer und dem Fahren. Und allein das wirkt heute schon fast revolutionär.

Entstanden aus mehr als 300 Ideen

Übrigens stammt das Design diesmal vollständig aus den eigenen Reihen von Renault.

Für das Projekt startete intern ein Wettbewerb – und offenbar traf man damit einen Nerv. Mehr als 300 Entwürfe wurden eingereicht, vom klassischen Retro-Modell bis zur futuristischen Interpretation. Zwei davon entstanden anschließend als Modelle im Maßstab 2:5 und wurden schließlich zu dem Concept zusammengeführt, das wir heute sehen.

Vielleicht erklärt gerade das, warum dieses Auto nicht wie ein glattgebügeltes Marketingprodukt wirkt. Hier hatten offensichtlich einige Menschen richtig Lust auf ihre eigene Geschichte.

Bitte nicht nur ins Museum stellen

Eine Serienankündigung ist der Renault 8 Gordini Concept leider nicht. Renault bezeichnet das Fahrzeug ausdrücklich als Design- und Stilübung. Das Concept soll vielmehr zeigen, wie sich historische Modelle für die Gegenwart neu interpretieren lassen und zugleich Inspiration für künftige Designs liefern.

Und ja, das ist ein bisschen schade.

Denn wenn Renault mit diesem Auto zeigen wollte, dass Elektromobilität nicht automatisch Vernunft, Reichweitenanzeige und aerodynamisch optimierte Beliebigkeit bedeuten muss, dann ist die Botschaft angekommen.

270 PS. Hinterradantrieb. Zwei Sitze. Zwei weiße Streifen. Und eine Geschichte, die man nicht künstlich erfinden musste.

Manchmal darf Zukunft nämlich ruhig wissen, wo sie herkommt.

Und diesen Gordini würden wir verdammt gerne nicht nur auf einem Messestand anschauen, sondern einmal über eine kurvige Landstraße scheuchen.

Der Renault 8 Gordini Concept wurde zunächst auf dem Renault Carwalk an den Champs-Élysées präsentiert und wird vom 12. bis 18. Oktober 2026 auf dem Pariser Automobilsalon zu sehen sein.

Stand: September 2026; Fotos: Renault

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