SEAT Alhambra – Totgeglaubte leben länger

SUVs wohin man blickt und genau jene haben den Vans den Rang abgelaufen und so tummeln sich nur noch wenige waschechte Familienvans auf unseren Straßen. Einer der es dennoch geschafft hat, sich vom SUV-Trend nicht verdrängen zu lassen, ist der SEAT Alhambra. Mit fast 24.000 verkauften Einheiten im vergangenen Jahr sehen sich die Spanier natürlich auch nicht veranlasst, das Familienauto einzustellen. Zugegeben, ich fühlte mich irgendwie in vergangene Zeiten zurückversetzt, nicht, dass der Alhambra eingestaubt daherkommt, keineswegs. Aber in solch einer Karosserie habe ich wahrlich lange nicht mehr Platz genommen. Schade eigentlich, hat mir der SEAT Alhambra nur zu gut aufgezeigt, welche Vorzüge ein Van mit sich bringt.

Das klassische Familienvan-Design paart der Alhambra mit durchaus dynamischen Zügen, die mein Testwagen in der FR-Line zusätzlich weiß gelungen hervorzuheben.

Der Alhambra hat in der zweiten Generation stolze zehn Jahre auf dem Buckel, vor vier Jahren vollzog SEAT zuletzt ein Facelift, überarbeitet das Modell aber stets im Detail. Was unberührt bleibt, ist das unglaubliche Raumangebot.

Dieses erreiche ich unter anderem über die seitlichen Schiebetüren die in meinem Testwagen elektrisch öffnen und schließen und eine großzügige Öffnung freigeben. Um die Schiebetüren zu öffnen reicht bereits ein kurzer Zug am Türgriff. Auch die Heckklappe öffnet elektrisch und das ebenfalls nicht nur per Knopfdruck, sondern auch via Schlüssel. Habe ich in der zweiten Sitzreihe Platz genommen, schließe ich die Türe bequem mittels Knopfdruck, die entsprechende Taste findest Du in der B-Säule.

Drei Einzelsitze stehen mir hier zur Wahl, die mir gerade in der hintersten Einstellung fürstliche Beinfreiheit bieten, ist der Sitz allerdings ganz nach vorn geschoben, ist der Beinraum für Großgewachsene sehr knapp bzw. nicht mehr ausreichend.

Zu einem perfekten Familienvan wird der Alhambra wahrlich durch die praktischen integrierten Kindersitze für Kleinkinder zwischen 15 und 36 Kilogramm. SEAT ersetzt den klassischen Autokindersitz durch folgende Vorrichtung: Zunächst wird die Sitzfläche durch einfachen Hebelzug nach oben arretiert. Durch das nach oben klappen der seitlichen Stützen gewährleistet der Alhambra zusätzliche Stabilität. Wird die Erhöhung nicht mehr benötigt, reichen wenige Handgriffe aus und der Sitz kann wieder von Erwachsenen genutzt werden.

Aber auch in Reihe drei gelange ich mühelos, hierzu ziehe ich einfach am Griff und die Sitzfläche der zweiten Sitzreihe klappt nach vorne runter und die Lehne vor. Je nach Sitzposition des Gestühls in Reihe zwei, verfüge ich auf den hintersten Plätzen mit meinen 1.80 Meter über wenig bis ausreichend Platz.

Selbstverständlich schmilzt der Kofferraum bei sieben voll genutzten Sitzplätzen erheblich dahin und dennoch besteht die Möglichkeit Ladegut unterzubringen. Wirklich begeistern kann mich der SEAT Alhambra jedoch in der Fünfsitzer-Konfiguration, stolze 809 Liter ermöglichen den einfachen Transport von reichlich Ladegut oder die Unterbringung auch von großen Hunden.

Klappe ich zudem die Sitzlehnen der zweiten Sitzreihe um, steigt das Ladevolumen auf sehr üppige 2.430 Liter, der Ladeboden ist dabei wunderbar eben und angenehm niedrig. Verbaute Klappen sorgen dafür, dass entstehende Löcher abgedeckt werden und auch kleineres Ladegut nicht verschwindet.

Größere Gepäckstücke lassen sich im Handumdrehen mittels Verzurrösen sichern, zudem kannst Du über die Schienen an den Seitenwänden beispielsweise Netze einspannen. Ausklappbare Haken und eine 12-Volt-Steckdose finde ich ebenfalls dort vor. Zudem ist das Gepäckabteil gut ausgeleuchtet.

Aber auch der Transport von langen Gegenständen stellt kein Problem dar, bis 2,90 Meter Fläche lassen sich durch Umlegen der Lehne des Beifahrersitzes erreichen. Im gesamten Innenraum finden sich darüber hinaus im Boden eingearbeitete Fächer und weitere Ablagen, zusätzlich befinden sich unter den Vordersitzen Schubfächer.

Sieben Sitze an der Zahl hat der SEAT Alhambra zu bieten, besonders gerne nehme ich auf dem sportlich ausgeformten Fahrersitz Platz, auch hier weiß die FR-Line die praktischen Vorzüge eines Familienautos mit dem sportlichen Anspruch zu vereinbaren. Glattleder trifft auf Alcantara und sorgt für eine sehr hochwertige Optik. Beim Aussehen allein belässt es der Alhambra nicht und bietet mir einen guten Sitzkomfort, wunderbar straff gepolstert, auch für mich als Großgewachsenen groß dimensioniert und ermöglichen durch die zahlreichen Verstellmöglichkeiten eine sehr angenehme Sitzposition. Für ein Familienauto absolut perfekte Sitze, da der SEAT Alhambra allerdings eine unerwartete Kurvenperformance bereit hält, wünschte ich mir noch mehr Seitenhalt.

Das Navigationssystem entspricht modernem Standard und präsentiert sich wie auch das Infotainmentsystem sehr intuitiv. Die Bedienung über den Touchscreen geht mittels Gestensteuerung problemlos von der Hand. Mit 6,5 Zoll Größe kann dieser aber nicht mit dem bis zu 10 Zoll großen Monitor oder den modernsten Hightech-Spielerein mithalten, wie sie beispielsweise im neuen SEAT Leon zu finden sind.

MP3 Funktion, Bluetooth-Funktion, USB-Anschluss und SD-Karten-Zugang sind wiederum in meinem Fahrzeug ebenso verbaut wie SEAT Full Link mit MirrorLink. Das heißt, der Alhambra ist kompatibel mit Android Smartphones oder aber auch Apple CarPlay fähig. Funktionen und Apps Deines Smartphones kannst Du so bequem über das Infotainment-System bedienen. Wird die entsprechende Bedienoberfläche Deines Handys auf den Touchscreen im Fahrzeug gespiegelt.

Und hier kommt die SEAT Connect-App ins Spiel. Mit „Feed to speech“ bietet Dir SEAT die Vorlesefunktion und wandelt eingehende Nachrichten, sei es eine SMS, eine Mail oder aber auch ein Post von Facebook oder Twitter in Sprache um und liest sie Dir vor. Möchtest Du darauf reagieren, kannst Du Antworten per Spracheingabe diktieren.

Ich hatte es bereits erwähnt, der SEAT Alhambra weiß mit einer sportlichen Performance zu überraschen und während ich bereits den mittlerweile leider nicht mehr erhältlichen Diesel inklusive Allrad-Antrieb erfahren durfte, muss ich sagen, auch der Benziner kann mit einem feinen Fahrwerk aufwarten, wenn er auch nicht als 4Drive erhältlich ist.

Das Fahrwerk ist angenehm straff gefedert, was mir als sportlich ambitioniertem Fahrer sehr zusagt, komfortverwöhnten Kunden stoßen bei schlecht ausgebauten Straßen dagegen die groben Schlaglöcher auf. Diese sollten sich dann eher für die Variante Style entscheiden, ist hier kein Sportfahrwerk verbaut.

Wenn die Familie nicht an Bord ist, erfreue ich mich als Fahrer über das tolle Kurvenverhalten, mit geringer Karosserieneigung geht es stets sicher und wunderbar flott auch durch die engste Kehre. Bei Nässe wünschte ich mir natürlich den Allradantrieb, doch aktuell bietet der spanische Hersteller den SEAT Alhambra nur noch in der frontangetriebenen Benzinervariante an.

Der wiederum auch mit einer sehr feinen Lenkung ausgestattet ist, die ebenfalls straff abgestimmt ist und meinem sportlichen Anspruch entspricht.

SEAT hat das Motorenprogramm in der Vergangenheit radikal ausgedünnt, der bis April noch erhältliche 2.0 TDI ist ebenfalls nicht mehr im Sortiment des SEAT Alhambra aufgeführt und so entfällt die Motorenwahl lediglich auf den ebenfalls 110 kW/150 PS starken 1.4 TSI.

Der Benzinmotor sorgt zweifelsohne für ausreichenden Vortrieb, mit der Spritzigkeit des Diesel kann er jedoch nicht mithalten und auf Seiten des Verbrauches zieht er natürlich auch den Kürzeren.

Zwar habe ich den WLTP-Durchschnittsverbrauch von SEAT nicht verfehlt und pendelte mich bei rund acht ½ Liter ein. Doch der Diesel begnügte sich trotz Allradantrieb mit zwei bis zwei ½ Liter weniger Sprit. Auf der Autobahn sowie im Stadtverkehr habe ich nochmals ein bis ein ½ Liter mehr verbraucht, auf der Landstraße erreichte ich bei gemütlicher Gangart durchaus auch die sechs Liter, womit ich in dieser Kategorie den Verbrauchswert vom Autohersteller ebenfalls erreicht habe.

Drehe ich die Gänge aus und setze auf das maximale Drehmoment von 240 Nm bewahrt sich das Aggregat zwar seine Laufkultur und beginnt keinesfalls störend in Erscheinung zu drehen, doch Beschleunigungsstürme brechen auch dann nicht aus. Doch ehrlich gesagt, muss der Alhambra diese auch nicht auslösen. Stattdessen vermittelt er ein sehr harmonisches Gesamtbild, gerade in Verbindung mit dem DSG-Getriebe und seinen sechs Gängen.

9,9 Sekunden vergehen für den Sprint von 0-100 km/h. Die Topspeed ist bei 198 Stundenkilometer erreicht, aber auch dann bleibt der SEAT Alhambra sehr neutral und vermittelt ein sicheres Fahrgefühl.

Der SEAT Alhambra hat auch in Sachen Sicherheit einiges zu bieten. So konnte ich mich während der Testfahrten von der Zuverlässigkeit des Totwinkel- und Spurhalteassistenten, dem Querverkehrswarner beim Rückwärts ausparken, dem Fernlichtassistent, der Müdigkeitserkennung, dem Umfeldbeobachtungssystem „Front Assist“ mit City-Notbremsfunktion oder aber auch der Verkehrszeichenerkennung überzeugen. Nicht getestet habe ich Gott sei Dank die serienmäßige Multikollisionsbremse. Diese leitet im Falle eines Unfalls, bei dem man als Fahrer nicht mehr selbst eingreifen kann, eine automatische Bremsung ein, um Folgekollisionen zu vermeiden.

Bei mir persönlich nicht in Gebrauch, im SEAT Alhambra verfügbar, der Parklenkassistent, dieser unterstützt Dich beim Ein- und Ausparken aus Querlücken.

Ein wirklich feines Auto, der SEAT Alhambra, der in der Einstiegsvariante Style mit 34.994,96,- Euro in der Preisliste aufgeführt ist. Richtig, nicht nur bei den Motoren hat SEAT den Rotstift angesetzt, auch bei den Ausstattungen hat der Autohersteller Streichungen vorgenommen, die in der Vergangenheit aufgeführte Basisversion Reference gibt es nicht mehr.

Die alternative Ausstattung XCELLENCE startet mit zahlreichen Extras, wie den Bi-Xenon-Scheinwerfern, 17-Zoll-Felgen, dem schlüssellosen Schließ- und Startsystem, dem Sportfahrwerk und den Sport-Komfortsitzen oder aber der Ultraschall-Einparkhilfe rundum bei 37.773,11 Euro

Ab 39.396,13 Euro gibt es dann meine favorisierte FR-Line, die zudem auf 18-Zöller, Außenspiegel in Atom Grau, einen Kühlergrill im FR-Line Design, Sitzmittelbahnen in Alcantara, einer Scheinwerfer-Reinigungsanlage und beheizbaren Scheibenwaschdüsen und Vordersitze setzt. Wer sich zudem für das DSG-Getriebe entscheidet, muss einen Aufpreis von um die zweitausend Euro mit einberechnen.

Unter den Sonderausstattungen findest Du außerdem verschiedene Business-Pakete, Sitz-Pakete, ein Gepäckraum-Paket, Radio-, Navigations- und Multimediasysteme sowie weitere Extras, wie beispielsweise das Panorama-Glasschiebedach für 1.116,13 Euro.

Stand: Juli 2020; Test und Fotos: CARWALK – Der Autoblog

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