Renault Kadjar – Viel Platz schick verpackt.

Der Markt der SUV ist hart umkämpft, gut für Renault, dass man mit Nissan einen kompetenten Partner in diesem Bereich hat. Und so sollte es eigentlich auch nicht verwundern, dass unter der französischen Hülle bewährte Technik aus Japan steckt. Sehen kann man das nicht, und schaden tut es auch nicht.

Renault Kadjar 01Die neue Formensprache von Renault kann durchwegs gefallen, und so steht auch der neue Kadjar dynamisch, schwungvoll und eigenständig vor mir, wer würde da auf die Idee kommen, dass da der Nissan Qashqai drunter steckt? Die Scheinwerfer mit dem LED-Tagfahrlicht greifen geschickt die Linien der Chromverzierung im Kühler wieder auf. Und der wellige Schwung in der Frontschürze setzt sich nahtlos in der Motorhaube fort, aus der er in die A-Säulen ebenso weiterläuft wie sich auch die Radhäuser vorne wie hinten diesem Schwung hingeben.

Die dunklen Kunststoffteile, die sich von der Frontschürze über die Radläufe und Seitenschweller bis in die Heckschürze ziehen und hier im integrierten Unterfahrschutz enden, fallen leider bei der dunkelblauen Lackierung nicht so auf. Dafür stechen hier die Chromleisten am Schweller und rund um die Seitenfenster besonders hervor.

So gerät dann auch das Heck – wie schon beim Clio – zum gefälligen Hingucker. Die dreidimensionalen Rückleuchten schwingen sich bis in die dicken Backen der hinteren Radläufe und so steht der Kadjar trotz seiner Höhe bullig da. Wenn man sich jetzt noch getraut hätte einen dicken Doppelrohrauspuff aus der Heckschürze schauen zu lassen …

Renault Kadjar 02Innen tauchen die Linien des Tagfahrlichts am Armaturenbrett wie im Lenkrad in Form zarter Chrombänder wieder auf, das dicke Lederlenkrad ist unten ganz dezent abgeflacht und vor allem die Haltegriffe in den Türverkleidungen und der an der Mittelkonsole für den Beifahrer stechen mit ihrem Lederbezug und den weißen Nähten optisch hervor und harmonieren bestens mit den Seitenwangen der Sitze in der selben Aufmachung (Textilleder).

Und so sieht das Gestühl nicht nur schick aus, es bietet gut ausgeformt auch ausreichend Seitenhalt, ist vielfältig zu verstellen, allerdings gibt es für die Lehne nur einen grobrastrigen Hebel, ein Drehrad wäre sicher besser, aber die Beifahrersitzlehne kann nach vorne geklappt werden, und das geht einfach mittels Hebel besser.

Soweit ist innen alles modern gemacht, an Schaltern und Drehknöpfen tauchen silberne Applikationen in Form von zarten Leisten auf, in beiden Sonnenblenden sind unbeleuchtete Make-up-Spiegel, auch das Handschuhfach ist unbeleuchtet.

Renault Kadjar 03Die Instrumente sind gut ablesbar, per Menü kann die gewünschte Darstellung ausgewählt werden. In verschiedenen Farben, mit digitaler Anzeige für die Geschwindigkeit und dem Drehzahlmesser außenrum im Kreis, oder mit einer gewohnten, runden Tachoskala.

Mit dem R-LINK hast Du nicht nur Zugriff auf Verkehrsinfos über TomTom, im R-Link Store kannst Du Dir auch jede Menge Apps runter laden und auch vom heimischen Rechner aus verwalten.

Kein Grund gleich wieder auszusteigen, obwohl das – wie auch der Einstieg – vorne wie hinten recht bequem gelingt, hinten stören allenfalls die B-Säule und auch die recht dick geratene Türverkleidung etwas. Vorne ist der Platz üppig, hinter einem 1,80 m großen Fahrer sitzt man auch mit 1,80 m Körpergröße noch sehr gut. Optisch sind die Rücksitze wie die Vordersitze aufgemacht, allerdings nicht so stark ausgeformt, der Seitenhalt ist also etwas weniger gegeben, der Mittelsitz ist mehr eine Notlösung. Die Kopfstützen hinten können nicht ausgezogen werden, nach der ersten Raste hat man sie sofort in der Hand. Schön ist, dass auch hinten die Lampen in der Decke mit einem Positionslicht am Ein-Aus-Schalter versehen sind, wie vorne übrigens auch.

Renault Kadjar 10Ein Zug an der Lehne und die Rücksitze klappen schwungvoll nach vorne, die Sitzfläche bleibt aber wie sie ist, dadurch steigt die Ladefläche nach vorne hin ein wenig an. Die Ladekante ist recht hoch, danach geht es aber praktisch eben weiter, zumindest wenn der Zwischenboden drin ist, unter dem (er kann geteilt herausgenommen werden, ist aber leider nur bis max. 50 kg belastbar) kommt ein rund 12 cm hohes Fach zum Vorschein, unter dem eher lapprigen Boden darunter gibt es statt des Reserverades ein Reifenreparaturset und den Abschlepphaken, außerdem kleine Fächer links und rechts.

Die Rücksitze können auch bequem mit zwei Hebeln vom Kofferraum aus vorgeklappt werden. Und so gehen von 472 bis 1.478 Liter rein, dank der vorklappbaren Beifahrersitzlehne auch richtig lange Gegenstände. Die Heckklappe schwingt weit hoch, erst weit jenseits der 1,90 m kann man sich hier stoßen. Wobei aber die Verkleidung schön abgerundet ist, erst das Schloss kann dann ggf. weh tun. Die Ladekante ist gut geschützt, wie auch die Stoßstange darunter, die aus schwarzem Kunststoff besteht.

Renault Kadjar 04Das Fahrwerk des Renault Kadjar ist deutlich auf Komfort ausgelegt. So hat er auch mit den meisten Straßenschäden kein Problem, sie werden allenfalls akustisch wahr genommen, selbst auf Kopfsteinpflaster benimmt er sich tadellos, allerdings kann es hier zum Dröhnen kommen. Entsprechend legt er sich in flott gefahrenen Kurven auch mehr zur Seite. Die Lenkung arbeitet schön direkt und ausreichend straff. Man fühlt sich auf Anhieb im Fahrzeug wohl.

Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass er nicht wirklich für den flotten Kurvenritt gemacht ist. Hierzu gibt die Lenkung zu wenig Rückmeldung und Gefühl her, ESP sorgt aber stets für einen sicheren Kurs und der Grenzbereich ist groß. Recht straff fällt die Lenkung beim Rangieren aus.

Auch eine Form von Komfort: Die Scheibenwaschanlage spritzt das Wasser nicht einfach auf die Scheibe sondern versprüht es ganz fein und direkt am Wischerblatt. Das Fahrlicht schaltet sich wie der Scheibenwischer automatisch ein, für meine Begriffe aber bei schlechter Witterung etwas zu spät.

Renault Kadjar 05Übersichtlichkeit und gute Rundumsicht ist auch eine Art von Komfort. Hier kann der Kadjar mit seiner erhöhten Sitzposition punkten und auch mit den Dachsäulen, die sind halbwegs dünn bis zur C-Säule, dann kommt nach einem kleinen Fensterchen eine dicke D-Säule, das Heckfenster ist insgesamt recht klein und da auch die hinteren Kopfstützen etwas im Weg stehen, ist der Blick nach schräg hinten bzw. nach hinten raus etwas eingeschränkt. Im City-Paket sind für 590,- Euro aber neben elektrisch anklappbaren Außenspiegeln auch eine Einparkhilfe vorne und hinten enthalten, die das Thema schnell entschärfen.

Einen dicken Pluspunkt holt sich der Kadjar mit der elektronischen Parkbremse, einfach nur anhalten oder wieder losfahren, die Bremse zieht sich automatisch an und löst sich auch selbsttätig wieder.

Überhaupt kann man beim Thema Bremsen nicht meckern. ABS, elektronische Bremskraftverteilung und Bremsassistent sorgen mit den Scheibenbremsen rundum für zuverlässige Bremsleistungen, schnelles Ansprechverhalten und gute Dosierbarkeit. Bei einer Vollbremsung legt er sich mächtig ins Zeug und taucht vorne tief ein, da kann sich dann auch schon mal das gesamte Fahrzeug schütteln, es bleibt aber sauber in der Spur, auch auf nasser oder ungleichmäßiger Fahrbahn. Automatisch werden dabei die Warnblinker aktiviert. Aus Tempo 100 heraus steht der Kadjar nach 35,5 Metern, ein Nachlassen war auch nach der zehnten Vollbremsung nicht festzustellen.

Renault Kadjar 06Aus dem Motorenangebot von einem Benziner und zwei Dieseln für den Renault Kadjar war mein Testwagen mit dem TCe 130 Reihen-Vierzylinder Benzinmotor mit Direkteinspritzung und Turbolader ausgestattet, der seine 96 kW / 130 PS bei 5.500 U/min zur Verfügung stellt und dazu ein maximales Drehmoment von 205 Nm bei 2.000 Touren abgibt.

Damit ist man durchwegs ausreichend motorisiert und kann bei Bedarf 192 km/h Topspeed erreichen und in 10,1 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 sprinten. Dabei wird der Motor schön kernig ohne aufdringlich zu werden, ansonsten läuft das 1,2 Liter-Aggregat angenehm leise. Downsizing geglückt, man hat zu keiner Zeit das Gefühl so wenig Hubraum zu haben, niedertouriges Fahren ist ebenso möglich wie flottes Hochdrehen.

Mein Testwagen war mit Frontantrieb ausgerüstet, von der Kraftübertragung ist in der Lenkung kaum was zu spüren. Wenn Du willst, kannst Du aber auch den 4×4-Antrieb ordern, dann macht der Kadjar auch abseits befestigter Wege eine gute Figur – ausgereifter Nissan-Technik sei Dank.

Renault Kadjar 08Sowas habe ich – seit ich auch auf die Angaben des Bordcomputers in Sachen Verbrauch achte – auch noch nicht erlebt. Laut BC habe ich auf meiner Messstrecke bei normaler Fahrweise 6,5 Liter verbraucht, real getankt habe ich aber nur 5,7 Liter für 100 km, damit lag ich dann auch exakt auf dem Mixwert der Werksangabe. Der CO2-Ausstoß beträgt dann laut Werk 127 g/km.

Auf der Autobahn lag der Verbrauch bei durchschnittlich 130 km/h bei 8,9 Liter, reduziert man auf 120 km/h, sinkt der Verbrauch auf 6,7 Liter. Gut möglich, dass auch hier der Bordcomputer einen etwas zu hohen Wert angegeben hat.

Eine klare Sache ist das Sechsgang-Schaltgetriebe. Der Schalthebel gleitet angenehm straff und auf kurzen Wegen durch die Kulisse, und das fast ohne Ruckler. Die Abstimmung der Gänge passt gut zum Motor und auch die Anschlüsse passen, der Rückwärtsgang ist gegen versehentliches Einlegen gesichert. Ohne Beanstandung gehen auch die Start-Stopp-Automatik und die Schaltempfehlung durch, beim Anfahren am Berg hilft eine Berganfahrhilfe.

Renault Kadjar 07Neben den sechs Airbags (Front- und Seitenairbags vorne und durchgehende Vorhang-Kopfairbags) sind alle Sitze mit Kopfstützen (hinten nicht weit genug ausziehbar) und Dreipunktsicherheitsgurten mit Gurtstraffern und Gurtkraftbegrenzern (vorne und hinten außen) ausgestattet.

Die beiden hinteren Außensitze sind mit ISOFIX Kindersitzbefestigungen ausgerüstet. Diverse Helferlein wie Toter-Winkel-Warner, Spurhalteassistent, Einpark-Automatik, Verkehrszeichenerkennung etc. sind erst in höheren Ausstattungen serienmäßig enthalten.

Los geht es mit dem Renault Kadjar Life und dem 130 PS Benziner bei 19.990,- Euro, mein Testwagen, der Experience steht dann mit 23.790,- Euro in der Liste. Licht- und Regensensor, Klimaautomatik, elektrisch verstell- und beheizbare Außenspiegel, elektronische Parkbremse, Nebelscheinwerfer mit Kurvenlichtfunktion, 17 Zoll Alus, Dachreling in Matt-Chrom, getönte Scheiben hinten, Lendenwirbelstütze und Sitzhöhenverstellung für den Fahrer, Lederlenkrad und Keycard Handsfree gehören dann serienmäßig dazu.

Renault Kadjar 09Für die Einparkhilfe vorn und hinten im City-Paket kamen noch 590,- Euro hinzu, das Modularitätspaket mit höhenverstellbarem und umklappbarem Beifahrersitz, Stoff-Textilleder-Polsterung und variablem Kofferraumboden kostet ebenfalls 590,- Euro, Renault R-LINK 2 u.a. mit Bluetooth, Navigation, 7 Zoll Touchscreen etc. 890,- Euro und die Metallic-Lackierung für 590,- Euro machten meinen Kadjar dann 26.450,- Euro teuer.

Der Kadjar XMOD hat für 24.890,- Euro u.a. an Front- und Heckschürze eine Offroad-Optik und neben dem Fernlichtassistenten auch eine Verkehrszeichenerkennung und den Spurhalte-Warner an Bord. Das Topmodell BOSE EDITION startet bei 28.490,- Euro und verfügt dann auch über 19 Zoll Alus, Voll-LED-Scheinwerfer, Navi inkl. Renault R-Link 2 und natürlich das Bose Sound System.

Was die Dieselmotoren kosten, der Allrad-Antrieb, das Automatikgetriebe etc. liest Du am besten gleich beim Hersteller im Internet nach.

Stand: Juni 2016, Test und Fotos: CARWALK

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