Daten-Update: Honda e Prototype

Klimawandel, Verkehrswende, alternative Antriebe, Infrastrukur, Carsharing, Statussymbol, autonomes Fahren… diese Begriffe fallen unweigerlich, wenn wir über die Mobilität, dem Auto von morgen sprechen. Ich persönlich sehe im Wasserstoff, der Brennstoffzelle, den Antrieb der Zukunft, dennoch kann man sich aktuell dem Thema Elektroantrieb nicht verweigern. Das die Klimabilanz eines Elektroautos nicht automatisch besser ist als die eines benzinangetriebenen Fahrzeugs, das die Ladezeiten und -möglichkeiten sowie die Kosten der Batterie wie auch deren Rohstoffabhänigkeit als derzeitige Nachteile zu verzeichnen sind, ist Fakt, soll an dieser Stelle aber nicht das Thema sein. Denn zum Thema, möchte ich den neuen Honda e machen, den ich mir nun als Prototyp ganz genau ansehen durfte und jetzt bereits sagen kann, dieses Konzeptfahrzeug wird so – mit den Kameras als Außenspiegel, den versenkten Türgriffen und den zahlreichen weiteren Technik-Features; übrigens alles serienmäßig – bereits Ende des Jahres in Produktion gehen und ab März 2020 den Weg auf unsere Straßen finden.

Die von Honda verfolgte Elektromobilitätsstrategie sieht vor, dass alle in Europa verkauften Neufahrzeuge bis 2025 mit einem Hybrid-, Plug-in-Hybrid- oder Elektroantrieb ausgestattet sind.

Offiziell noch als Konzeptfahrzeug deklariert, bekam ich mit dem Honda e Prototype – bei dem es sich tatsächlich um ein Einzelstück handelt – zweifelsohne ein sehr seriennahes Fahrzeug zu sehen.

Das endgültige Serienmodell wird erstmals auf der IAA im September 2019 zu sehen sein.

Rein als Elektrofahrzeug konzipiert, basiert der Honda e Prototype auf einer völlig neuen Plattform und kommt als viertüriger Kleinwagen auf eine Außenlänge von ca. 3,90 Meter, ist ungefähr 1,77 Meter breit und somit kürzer als ein Opel Corsa-e, Peugeot e-208 oder Mini Electric, die ebenfalls in den Startlöchern stehen und in den kommenden Monaten in den Handel rollen.

Ich teile die Meinung mit Honda, Elektromobilität macht für den urbanen Verkehr am meisten Sinn und in der City bin ich mit einem kompakten Fahrzeug am besten aufgehoben. Diesen vernünftigen Ansatz paart Honda mit einer Optik, die nicht nur designorientierte Kunden begeistert. Schlicht und doch emotional, retro und doch modern, kantig und doch weich, trifft das Honda e Design bei mir genau ins Schwarze.

Apropos, einen markanten Kontrast setzen die schwarzen Karosserieteile an Front und Heck, die wahlweise auf knallige oder dezente Farben treffen.

Die bündig angebrachten, ausfahrbaren Türgriffe werden ebenso den Weg ins Serienmodell finden, wie die Außenkameras, die statt der herkömmlichen Seitenspiegel verbaut werden. Wohlgemerkt stets ohne Aufpreis!

Die Kameras sind beim Honda Modell klein gehalten und ragen nicht einmal über die Radhäuser hinaus. Der Verzicht auf klassische Außenspiegel und das kompakte Format des Außenspiegel-Kamerasystems reduziert den Luftwiderstand erheblich und die Gehäuse sind so geformt, dass sich keine Wassertropfen auf der Linse bilden können, der Blick bleibt stets klar.

Die Kameras übertragen ihre gestochen scharfen Bilder in Echtzeit auf zwei, jeweils links und rechts im Armaturenbrett integrierte sechs Zoll große Farbmonitore. Darüber hinaus kannst Du das Sichtfeld deutlich erweitern und zwischen den Einstellungen „Normalansicht“ und „Weitwinkelansicht“ wählen. Tote Winkel konnten somit reduziert werden und eingeblendete Hilfslinien helfen Dir das Fahrzeug spielerisch zu rangieren.

Die Helligkeitsstufen der Innenmonitore passen sich automatisch an die Lichtverhältnisse an, die Sicht bei Nacht soll zudem erheblich besser sein, als bei herkömmlichen Außenspiegeln, ohne Blendungen oder Reflexionen.

Nur das beleuchtete Honda-Logo im Kühlergrill wird es nicht ins Serienmodell schaffen, der Gesetzgeber hat da leider (noch) was dagegen. Die Ausführung in Chrom dürfte dem tollen Auftritt aber kein Abbruch tun.

Im Innenraum setzt Honda auf Stoffe und Materialien, die man eher aus dem Wohnbereich als aus der Automobilbranche kennt. Mir gefällt die Entscheidung, schaffen die Japaner dadurch eine ganz besondere Atmosphäre. Das an den Armaturen verbaute Holz wirkt zudem täuschend echt und verleiht dem Cockpit in Verbindung mit den übrigen hochwertigen Stoffen einen großartigen Wohnzimmer-Wohlfühlflair.

Dieser trifft im Honda e auf eine moderne und benutzerfreundliche Bedienschnittstelle die auch optisch für Staunen sorgt. Und während ich zunächst davon ausging, hier lediglich die Ausführung eines Konzeptfahrzeuges zu sehen, versicherte Honda mir, so wird der Honda e in Serie gehen!

Die Armatur beherbergt neben den Monitoren für die Außenspiegelkameras gleich drei weitere Displays, vom Bildschirm für die Instrumenteneinheit direkt hinter dem Lenkrad bis hin zu den zwei Infotainment-Displays mit Dual-Touchscreen-Oberfläche rechts daneben. Die drei Screens scheinen förmlich zu einer beeindruckenden Einheit zu verschmelzen und verleihen dem Honda e trotz der schmalen Karosserie eine souveräne Breite.

Rückt der Blick nach rechts, hast Du Zugriff auf das Infoangebot den Elektroantrieb betreffend, die Kommunikations- und Entertainment-Einheit bzw. die Navigationsanzeige. Ganz nach Bedarf kannst Du die Inhalte zwischen diesen beiden Touchscreen-Monitoren tauschen und programmieren.

Honda setzt auch beim Rückspiegel auf eine virtuelle Lösung und so kannst Du Dir auch hier ein Bild der digitalen Rückfahrkamera anzeigen lassen. Ein Gimmick, das ebenfalls den Weg ins Serienmodell findet.

Wie kompakt der Honda e auch daherkommt, die Verantwortlichen haben wirklich bestmögliche Raumverhältnisse geschaffen. So sitze ich nicht nur vorne sehr angenehm, die durchgehende Sitzbank lädt auch hinten zum Verweilen ein. Trotz meiner 1.80 Meter fühle ich mich auf der Rückbank sehr gut aufgehoben, selbst wenn der Fahrersitz auf meine langen Beine eingestellt ist. Hier holt Honda wirklich alles aus der kurzen Gesamtlänge heraus.

Die Batterien finden im Wagenboden ihren Platz, der Motor wurde im Heck platziert, so ist der Kofferraum verständlicherweise kein Raumwunder. Doch Daten zum Kofferraumvolumen liegen leider noch nicht vor.

Mit genauen Fakten die Motorleistung betreffend kann ich ebenfalls nicht dienen, Honda spricht von ÜBER 100 PS und ÜBER 300 Newtonmeter Drehmoment. Nach neuer WLTP-Norm sollen MEHR als 200 Kilometer mit einer Batterieladung drin sein. Ob es sich dabei um mehr als ein PS, Newtonmeter oder Kilometer handelt, bleibt abzuwarten. Die Worte ÜBER und MEHR sind in diesem Fall doch sehr dehnbare Begriffe.

2. Juli 2019: Honda reicht ein Daten-Update nach! Und gibt einen etwas konkreteren Ausblick auf das Serienfahrzeug.

Laut Honda produziert der Elektromotor des neuen Honda e rund 150 PS (110 kW) und ein Drehmoment von über 300 Nm. Der besonders kompakte und leichte 35,5-kWh-Akku lässt sich per Schnellladefunktion in 30 Minuten auf 80 Prozent aufladen und ermöglicht eine Reichweite von über 200 km. Die Worte „rund“ und „über“ lassen jedoch vermuten, dass es sich hierbei noch nicht um die finalen Werte handelt.

Per „One-Pedal-Driving“ kannst Du den Honda e allein mit dem Fahrpedal beschleunigen und verzögern. Wird das Fahrpedal gedrückt, beschleunigt der Honda e wie gewohnt; beim Lösen des Pedals erfolgt eine automatische regenerative Bremsung.

Die Reichweitendebatte, auch so eine Sache. Honda möchte der Diskussion bewusst entgehen und konzipiert das Fahrzeug als reines Stadtfahrzeug, den Langstreckeneinsatz sucht der Honda e Fahrer nur in seltenen Fällen.

Und auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen, Elektromobilität macht in der Stadt am meisten Sinn und daher sehe ich hier überhaupt kein Nachtteil für den Honda e, wenn auch die vorherig genannten Mitbewerber 300 Kilometer und mehr realisieren können.

Wenn der ca. 35 kWh große Akku leer ist, kann der Honda e bis zu 50 Kilowatt ziehen und ist schnellladefähig. Das heißt, an einer entsprechenden Gleichstromsäule kannst Du über die CCS-Steckdose die Batterie in einer halben Stunde bis zu 80 Prozent wieder aufladen. Wie viel Strom Du an einer AC-Wechselstromsäule ziehen kannst, konnte uns Honda zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht verraten.

Der Ladeanschluss ist mittig unter der schwarzen Klappe auf der Motorhaube platziert, öffnest Du diese, kannst Du den Ladestecker bequem von beiden Fahrzeugseiten aus erreichen. Eine LED-Leuchte unter einer transparenten Glasabdeckung zeigt Dir den aktuellen Ladestand an.

Zu den Fahreigenschaften kann man bei einer ersten Sitzprobe natürlich keine Äußerungen tätigen, der Honda e verspricht aber zumindest mit seinem Hinterradantrieb in Kombination mit dem Elektroantrieb ein sportliches Feeling. Zudem soll der Wendekreis bei unter neun Metern liegen, im Großstadtdschungel ist diese Wendigkeit ein absoluter Traum.

Nur am Preis könnte es letztlich scheitern. Eine konkrete Aussage gibt es von Honda zwar noch nicht, aber fest steht, mit Angeboten unter 30.000 Euro ist nicht zu rechnen. Denn während andere Bewerber „nackte“ Basismodelle anbieten, setzt Honda von vorneherein auf vorbildlich ausgestattete Modelle. So wird es zwei Ausstattungslinien geben, die zugegeben jede Menge attraktive Features zu bieten haben, letztlich spielt der Honda e aber im Segment der Kleinwagen mit. So ist es fraglich, ob der Kunde für ein Fahrzeug dieser Größenordnung 35.000 bis 40.000 Euro hinlegen wird.

Sollte Dich diese Preisvorstellung dennoch nicht abschrecken, kannst Du über dieses Online-Reservierungsportal gegen eine Gebühr von 800 Euro Dir eine Bestell-Option sichern und es somit über 240 Deutschen gleich tun, die den Honda e bereits in diesen Tagen reserviert haben. 5000 Fahrzeuge plant Honda insgesamt für Europa ein, 1500 davon sollen auf unseren deutschen Markt entfallen. Und solltest Du es Dir zu einem späteren Zeitpunkt doch noch anders überlegen, erstattet Dir Honda Deine Anzahlung.

Stand: Juni 2019; Test und Fotos: CARWALK – Der Autoblog

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