Nissan Qashqai – Fit für die nächste Runde.

Auch wenn schon der neue Qashqai mit den Hufen scharrt, so ist der „Alte“ noch längst kein alter Hut. Eben noch aktuelles Modell, ist mein Testwagen auch morgen noch auf der Höhe der Zeit. Die Verwandlung vom Vorgänger auf das derzeit aktuelle Modell war ohne Frage größer als es der nächste Schritt zum künftigen Qashqai sein wird, denn diesmal bleibt die Silhouette praktisch unverändert. Mehr Dynamik erhält die Front durch eine überarbeitete Schürze, die sie mit dem Kühler mehr verschmelzen lässt. Ansonsten wird die Front ein wenig „verspielter“ und kantiger, was der Optik meines Testwagens aber keinen Abbruch tut.

Innen fällt die Kosmetik auch nur dezent aus, einzig das künftig unten abgeflachte Lenkrad würde auch meinem aktuellen Modell gut gestanden haben. Konzentriere ich mich also wieder auf das gefahrene Modell. Obwohl, ein kurzer Blick voraus sei noch drin: Dank neuer Oberfläche wird das Infotainment-System NissanConnect inklusive Satelliten-Navigation und Digitalradio-Empfang (DAB) noch bedienfreundlicher und für die Ohren gibt es das BOSE Soundsystem mit sieben Lautsprechern.

Die Sitze selbst sind so gut ausgeformt und angenehm straff gepolstert, man setzt sich allerdings etwas ein, das merke ich vor allem am Blick in den Rückspiegel. Verstellt werden die Sitze manuell, geht soweit alles prima, für die Lehne hätte ich aber lieber ein Drehrad statt Hebel gehabt, Fahrer- und Beifahrersitz verfügen über eine Lordorsenstütze.

Zum Schutz wurde beim Beifahrer im Kniebereich der Kunststoff weicher ausgeführt, beim Fahrer ist der jedoch bretthart.

Am Armaturenbrett gibt es einen schönen Materialmix aus einem haptisch wie optisch gelungenen Kunststoff sowie einer Reihe von silbergrauen Aluapplikationen und die vor allem auf der Beifahrerseite schick integrierten Einlagen in Klavierlack, die bis in die Türen reichen.

Das Einsteigen hinten wird im Fußbereich leider etwas beengt, erst bleiben die Füße an der B-Säule und dann am Unterbau der Sitzbank hängen, dann aber ist der Platz auch hinter einem 1,80 m Fahrer für den 1,80 m großen Mitfahrer sehr gut, der Kopfraum ist dann nach 5 cm zu Ende.

Ein Zug und die Rücksitzlehnen fallen 1/3 zu 2/3 nach vorne und es ergibt sich eine ebene, solide Ladefläche, der kleine Spalt ist nicht weiter störend. Den stabilen Boden kann ich zweifach umklappen oder herausnehmen, darunter ist ein 12 cm hohes Fach über die gesamte Größe des Kofferraums. Darunter steckt unter einem weiteren Boden statt des Reserverades ein Styroporblock mit Reifenreparaturset, Warndreieck und Verbandskasten. Je nach Konfiguration passen 430 bis 1.585 Liter rein, die Zuladung reicht bis 495 kg.

Abgesehen davon, dass man etwas höher sitzt, fährt sich der Qashqai wie ein Pkw. entsprechend gut ist der Fahrkomfort, nur grobe Querrillen werden auch grob nach innen weitergegeben und auf Kopfsteinpflaster gebärdet er sich etwas ruppig, da vibriert und knistert es an verschiedenen Ecken.

Das Fahrwerk ist straff genug, um das Eintauchen der Front bei einer Vollbremsung gering zu halten und bei schnellen Kurvenfahrten die Seitenneigung auf ein Minimalmaß zu reduzieren. Dabei reagiert er sehr gut auf die angenehm straffe und direkte Lenkung und vor allem bei 4WD reagiert er noch exakter und liegt sehr ruhig in der Kurve, auch wenn dann schnell beschleunigt wird. Aber auch nur mit 2WD – also Vorderradantrieb – bringt er die Kraft gut auf die Straße. Der Allradantrieb wird an einem Schalter bedient, eine Stufe bedeutet 4WD, eine weitere 4WD Lock, da kann man leicht mal ohne hinzusehen eins zu weit rutschen.

Zu den elektronischen Helferlein im Qashqai gehört neben einer Verkehrsschildererkennung auch eine sehr gut arbeitende Fernlichtautomatik, nur von der Seite kommende Fahrzeuge werden nicht erkannt und wenn ein vorausfahrendes oder entgegenkommendes Fahrzeug ziemlich funzelige Lichter hat, dann erkennt sie das nicht als Auto, moderne helle Lichter werden gut erkannt und ein Irreleiten durch reflektierende Verkehrsschilder gibt es auch nicht. Künftig wird hier sogar ein adaptives Lichtsystem die Sicherheit bei Nachtfahrten erhöhen.

Und gerade in dem Bereich der Assistenzsysteme wird der Qashqai künftig noch einen großen Schritt nach vorne machen. Zur „Nissan Intelligent Mobility“-Strategie gehört etwa das ProPILOT Fahrerassistenzsystem, das die automatische Steuerung von Lenkung, Beschleunigung und Bremsen im einspurigen Autobahnverkehr ermöglicht.

Außerdem wurde der Intelligente Autonome Notbrems-Assistent um eine Fußgängererkennung ergänzt, ist erstmals der Querverkehrs-Warner, eine Intelligente Müdigkeitserkennung, der Intelligente Einpark-Assistent, der Intelligente Around View Monitor für 360-Grad-Rundumsicht und der Totwinkel-Assistent im Angebot.

Mein Testwagen war mit dem 1.6 dCi mit 96 kW/130 PS bei 4.000 U/min ausgestattet, was sehr gut harmoniert und seine 320 Nm maximales Drehmoment bei niedrigen 1.750 Touren sorgen in Verbindung mit dem passend abgestuften Sechsgang-Handschalter für ein allzeit flottes Vorankommen. Dabei läuft der Diesel sehr ruhig und sehr angenehm, zieht gut durch und auch bei 180 ist noch richtig Druck zu spüren, die Laufruhe geht auch jenseits der 130 nicht verloren.

Aus dem Stand heraus geht es in 10,5 Sekunden auf Tempo 100 und die Höchstgeschwindigkeit ist bei 190 km/h erreicht. Wesentlich beeindruckender und vor allem angenehmer ist der stets gute Durchzug, da erübrigt sich häufig der Griff zum Schalthebel. Dabei macht der durch die Bank Spaß, der Schalthebel gleitet auf kurzen Wegen angenehm knackig durch die Kulisse, ordentlich straff und sauber geführt, nur über den Leerlauf ist ein ganz kleiner Holperer spürbar – geschenkt.

Und trotz der guten Leistungsausbeute kommt auch beim Tanken keine Reue auf. Ich habe im Mix auf meiner Normstrecke 5,2 Liter bei normalflotter Fahrweise verbraucht, ein Wert, der nur knapp über der Werksangabe liegt. Und so wenig verbraucht der Qashqai 1.6 dCi mit 130 PS auch bei Tempo 120 auf der Autobahn, 10 km/h mehr und der Verbrauch steigt schon auf 6,2 Liter Diesel auf 100 km. Der Vierzylinder-Diesel mit Start-Stopp-System erfüllt die Abgasnorm Euro 6 und stößt 133 g/km CO2 aus.

Die N-CONNECTA Ausstattung macht den Nissan Qashqai 1.6 dCi mit 130 PS 32.150,- Euro teuer, oder besser gesagt preiswert, denn dann ist die gebotene Serienausstattung richtig umfangreich und beinhaltet neben dem LED-Tagfahrlicht auch eine Radio-CD-Kombination, Lenkradfernbedienung auch für Bordcomputer und Bluetooth, elektrische Fensterheber rundum, elektrische Außenspiegel, 2-Zonen-Klimaautomatik…

… Sitzheizung vorne, Lederlenkrad, Flexi-Board im Kofferraum, 18 Zoll Alufelgen, Intelligent Key mit Start-Stopp-Knopf, abgedunkelte hintere Seiten- und Heckscheibe, Nissan Connect Navi mit Around-View-Monitor und Rückfahrkamera, sechs Lautsprecher und 7 Zoll Touchscreen, automatisch abblendender Innenspiegel, Nebelscheinwerfer, Allradantrieb, Sechsgang-Schaltgetriebe und Regensensor, um mal nur die wichtigsten Dinge zu nennen.

Wie viel das ist, zeigt ein Blick auf die Extras, lediglich die Metallic-Lackierung für 580,- Euro taucht da nämlich auf. Den Einstieg bildet der Qashqai 1.6 dCi Acenta übrigens mit 27.890,- Euro.

Stand: April 2017, Test und Fotos: CARWALK – Der Autoblog

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