Getestet: Subaru Impreza 2.0ie

1993 führte Subaru den ersten Impreza in den deutschen Markt ein, markentypisches Alleinstellungsmerkmal im Segment, unter der Haube steckte ein Boxermotor, gepaart mit einem Allradantrieb. Im Rallyesport legt der Impreza im gleichen Jahr den Grundstein für eine eindrucksvolle Erfolgsgeschichte. Der Subaru Impreza erlangt Kultstatus in der Rallye-Gemeinde. Mit dem Impreza STI bzw. WRX STI bringen die Japaner in den folgenden Jahren pures Rallye-Feeling sogar auf die Straße. Mittlerweile zählt die Impreza-Geschichte stolze fünf Generationen und so hebt sich auch das aktuelle Modelljahr mit seiner Antriebskombination im hart umkämpften Kompaktwagensegment von seinen Mitbewerbern ab. Nun ergänzt Subaru dieses Paket um eine Mildhybrid-Technologie. Doch reicht das allein aus?

Die Motoren präsentieren sich seit der fünften Generation Impreza umfassend überarbeitet. Du kannst zwischen zwei Vierzylinder-Boxermotoren auswählen, der Diesel entfiel im aktuellen Modell.

Die Version mit 1,6 Liter Hubraum kommt auf 84 kW/114 PS und ein maximales Drehmoment von 150 Nm bei 3.600 U/min. Mit 2,0 Liter Hubraum leistet das größere Aggregat ab dem Modelljahr 2021 110 kW/150 PS. Neben der minimalen Leistungsreduzierung sticht im aktuellen Modelljahr das neue Mildhybrid-System vor. Der Subaru Impreza e-Boxer erhält elektrische Unterstützung. Der 12,3 kW/16,7 PS starke Elektromotor verbessert das Ansprechverhalten und senkt zugleich den Kraftstoffverbrauch.

Der e-Boxer zieht seine Energie aus der 13,5 kWh großen Lithium-Ionen-Batterie. Diese generiert durch Rekuperation und überschüssigem Drehmoment Strom. Ein externes Laden ist nicht möglich, handelt es sich um einen Mild-Hybrid.

Auf das Zusammenspiel zwischen Benzin- und Elektromotor nehme ich im Test keinen Einfluss, regelt das System die Funktionsweise automatisch. Elektrisch und lokal emissionsfrei legt der Subaru Impreza bis zu 1,6 Kilometer zurück. Maximal sind im elektrischen Betrieb 40 km/h möglich. Bei zunehmenden Tempo schaltet sich der Benzinmotor hinzu. Bei höheren Geschwindigkeiten übernimmt dieser den alleinigen Vortrieb. Währenddessen lädt der Impreza die Batterie auf. Über ein Display informiert mich Subaru über die Energieströme im Antriebssystem. Setzt das Auto zusätzlich beim Verzögern kinetische Energie frei.

Die Werte für den kombinierten Verbrauch gibt Subaru mit 6,3 Liter auf 100 Kilometer an. Diese hat der Hersteller nach dem WLTP-Messverfahren ermittelt und in NEFZ-Werte korreliert. Die CO2-Emissionen betragen 143 g/km. Soweit die Theorie. In der Praxis zeigen die Tests auf, der Durchschnittsverbrauch weicht mit mindestens acht Liter ab. Und das bei der bewusst entschleunigten Fahrweise. Im Alltäglichen fließen sogar gut und gern ein halber bis ganzer Liter mehr und bei flotter Fahrt locker über elf Liter durch die Spritleitungen. Für die Performance die er letztlich bietet, zu hoch.

Ein Mildhybrid spielt seine Vorteile in der Stadt aus. Dort unterwegs, verzeichnet der Subaru Impreza laut Hersteller einen Verbrauch von 7,2 Liter. Mit dieser Ansage verspricht Subaru dank neuem Hybridstrang eine Reduzierung von 1,7 Liter. Und tatsächlich bewegen wir das Auto im reinen Stadtverkehr bei voller Batterie mit 7 ½ Litern.

Für den Standardspurt von 0-100 genehmigt sich mein Testwagen mit der stärkeren Maschine 10 Sekunden und wird maximal 192 Stundenkilometer schnell.

Eine Handschaltung steht alternativ nicht zur Wahl, die Motoren sind beide ausschließlich an das stufenlose Lineartronic-Getriebe gekoppelt. Zwar ebenfalls überarbeitet, nimmt das Getriebe dem Motor spürbar den Elan und sorgt für eine zu hohe Geräuschkulisse. Positiv hervorzuheben, Subaru simuliert die sieben Vorwärtsgänge. Der für stufenlose Getriebe charakterisierende und sonst so nervige Gummibandeffekt hält sich im Subaru Impreza somit erfreulicherweise in Grenzen. Zudem kannst Du im manuellen Modus mittels Schaltwippen am Lenkrad auch selbst ins Schaltgeschehen eingreifen, beim sportlichen Ritt durchaus empfehlenswert. Doch dem CVT steht keine sportliche Gangart, trotz lautem Aufheulen bei beherztem Tritt aufs Gaspedal bleibt der erwartete Vortrieb aus.

Die Getriebeart fordert einfach eine sehr entschleunigte Fahrweise, entspanntes Beschleunigen und ein sanftes Dahingleiten liegt der Motor-/Getriebe-Kombi dagegen sehr und schon fühle ich mich wieder wohl im Impreza. Doch Fan von stufenlosen Getriebelösungen werde ich einfach nicht.

Für die Japaner markentypisch und für Fans von Subaru ein absolutes Muss, im Segment der Kompakten allerdings eine Seltenheit und für manch Interessenten auch ein kleines Manko, ist der Impreza ausschließlich mit Allradantrieb unterwegs.

Den Subaru BRZ mal ausgenommen, setzt der Automobilbauer bei seinen Modellen stets auf den permanenten Allradantrieb Symmetrical AWD. Der Impreza ist dennoch ein reinrassiges Fahrzeug für die Straße und keineswegs für den Einsatz abseits der asphaltierten Piste gedacht.

Wer in seinem Fahrzeug auch ein Zugpferd sucht, wird sich über den Allrad freuen, doch letztlich bremst die zulässige Anhängelast von maximal 1.070 Kilo (gebremst) die Euphorie doch rasch ein.

Dem Allradantrieb jedoch sei Dank, liegt der Impreza sehr gut auf der Straße, mit Unter- oder Übersteuern hat er auch bei sehr flotter Kurvenjagd nicht zu kämpfen. Der niedrige Schwerpunkt (der Boxermotor trägt seinen entsprechenden Teil dazu bei) kommt mir hier ebenfalls zugute. Diese Tatsache beschert dem Subaru Impreza ein wunderbar ausgewogenes Fahrverhalten. Die verbaute elektronische Drehmomentverteilung Active Torque Vectoring optimiert die Traktion und Spurstabilität bei dynamischem Kurvenritt zusätzlich.

Basierend auf der Marken-Plattform „Subaru Global Platform verzeichnet der aktuelle Subaru Impreza gegenüber der vorherigen Modellgeneration laut Hersteller eine um 70 bis 100 Prozent steifere Karosserie und Aufhängung. Mit der Plattform gehen zudem wesentliche Optimierungen am Fahrwerk einher. Die direktere Lenkung gefällt und erlaubt mir ein präzises Handling.

So hervorragend das Fahrwerk auch ist, für mich leider die entscheidende Schwachstelle, die Motor-/Getriebe-Kombination.

Der Impreza ist nicht nur Äußerlich sehr ansprechend, auch im Innenraum hat der Subaru einen deutlichen Sprung nach vorn gemacht. Um letztlich mit dem modernen Flair mancher Mitbewerber mitzuhalten, fehlt ihm einfach noch was.

In punkto Konnektivität kann der Subaru Impreza mit einem rundum neu entwickelten Infotainmentsystem „Gen 3.1“ aufwarten. In Verbindung mit dem acht Zoll großen Touchscreen und Subaru Starlink kannst Du Dein Smartphone via Apple CarPlay und Android Auto vollständig ins Fahrzeug einbinden, auf diverse Apps zugreifen und zahlreiche Funktionen Deines Mobiltelefons über die Menüoberfläche des Fahrzeugs nutzen. Darüber hinaus ist eine Steuerung per Sprache möglich.

Das ausschließlich in der von mir gefahrenen Topausstattung verbaute Glasschiebedach sorgt für einen wunderbar lichtdurchfluteten Innenraum. An Kopffreiheit mangelt es mir mit meinen 1.80 Meter dennoch nicht. Ohnehin reise ich auch auf der Rückbank sehr bequem und fühle mich alles andere als beengt. Einzig auf dem harten Mittelplatz möchte ich nicht reisen müssen.

In der Ausstattung Sport kann ich den Fahrersitz elektrisch wunderbar auf mich einstellen, ist sowohl eine elektrische Verstellung in der Höhe wie auch in der Neigung möglich, nur eine Lordosenstütze habe ich vermisst. Zudem könnte der komfortabel ausgelegte Sitz mehr Seitenhalt aufweisen.

Während andere Mitbewerber mittlerweile sogar im Kompaktwagensegment auf eine sensorgesteuerte Heckklappenöffnung setzt, muss ich im Subaru Impreza doch tatsächlich noch per Hand die Heckklappe öffnen und schließen, die Option dies eine Automatik übernehmen zu lassen gibt es nicht.

Ist der Kofferraum geöffnet, freue ich mich über die angenehm niedrige Ladekante, mit meiner Körpergröße kann ich auch noch aufrecht unter der geöffneten Kofferraumklappe stehen und das Ladeabteil ist auf den ersten Blick gut nutzbar.

Allerdings stößt mir beim Ausladen dann doch eine Stufe auf und durch umlegen der Rücksitzlehnen entsteht gleich eine weitere störende Hürde. Der Impreza bietet mir zwar ein weiteres Ablagefach unter dem Ladeboden, doch fehlt es mir an den gewissen Raffinessen, wie beispielsweise einer Ablage für die abgenommene Laderaumabdeckung. Das Ladevolumen ist mit 340 bis 1.173 Liter ausreichend, doch hervorstechen kann der Subaru Impreza auch damit nicht.

Subaru setzt in punkto Sicherheit auf das kamerabasierte System Eyesight, dieses kombiniert das Notbremssystem mit Kollisionswarner, den Anfahr-Kollisionswarner, eine adaptive Abstands- und Geschwindigkeitsregelung, den Spurleitassistent sowie den aktiven Spurhalteassistent miteinander und arbeitet rein optisch. Rechts und links vom Rückspiegel platzierte Kameralinsen erzeugen zusammen ein stereoskopisches Bild. Das Kamerasystem erfasst nicht nur andere Automobile, auch Motorräder, Fahrradfahrer und Fußgänger werden erkannt.

Neben dem bereits mehrfach ausgezeichneten Eyesight-System, das gegenüber anderen Assistenzsystemen mit unterschiedlichen Sensoren deutliche Kostenvorteile einfährt und durch die Platzierung der Kameras im Fahrzeuginneren eine günstigere Kaskoeinstufung bei den Versicherungen erreicht, kann der Subaru Impreza im aktuellen Modelljahr auch mit einem radargestützten Spurwechsel-, Totwinkel- und Querverkehrassistenten aufwarten.

Der neue Subaru Impreza e-Boxer erzielt fünf von fünf Sternen im EuroNCAP Crashtest.

Subaru spendiert dem Impreza LED-Scheinwerfer mit dynamischem Kurvenlicht, LED-Fernlicht und integrierte C-förmige LED-Tagfahrleuchten. Die LED-Bremslichter an den Rückleuchten greifen diese „C“-Form wieder auf. Die LED-Technik reicht bis hin zu der Nebelschlussleuchte.

Zwei Motorisierungen, drei Ausstattungslinien: die Preisliste startet mit der Einstiegsversion „Trend“ in Verbindung mit dem 1,6-Liter-Boxermotor bei 22.990 Euro. Mit einer Klimaautomatik, einer Sitzheizung vorn, beheizbaren Außenspiegeln und dem 6,5 Zoll großen Touchscreen inkl. Digitalradio DAB+, USB und Smartphone-Einbindung via Apple CarPlay und Android Auto ist der Subaru Impreza bereits sehr vorbildlich ausgestattet.

Den 2,0ie gibt es ab 29.990 Euro. Alternativ zur Ausstattung Trend, ist der kleine Benziner als Exclusive und der Mildhybrid als Platinum erhältlich. Die Preise veranschlagt Subaru mit 27.990 und 32.990 Euro.

Wer wie ich in der Topausstattung Platz nimmt, reist sowohl vorne wie hinten auf der Lederbezogenem Gestühl und kommt in den Genuss eines elektrischen Glasschiebedaches.

In Anbetracht der Ausstattung und den Komponenten Allradantrieb und stufenlose Automatik gibt es den Subaru Impreza wirklich zu sehr fairen Preisen, im Segment zweifelsohne alternativlos.

Unabhängig von Deiner Wahl, Subaru gewährt auf alle Modelle zudem eine Fünf-Jahres-Garantie bis 160.000 Kilometer Laufleistung inkl. europaweitem Mobilitätsschutz „Assistance“, eine Zwölf-Jahres-Garantie gegen Durchrostung, eine Drei-Jahres-Garantie gegen Oberflächenkorrosion, einen Schutzbrief sowie eine Zwei-Jahres-Garantie auf Original-Zubehör und -Ersatzteile.

Stand: März 2022; Test und Fotos: Lexi Lind; Innenraumfoto: Subaru

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