VW Tiguan Allspace im Test

Über fünf Millionen VW Tiguan liefen seit Einführung im Jahr 2007 weltweit vom Band, ein Erfolg auf den die Wolfsburger wahrlich stolz sein können. Die Tiguan-Baureihe nimmt im SUV-Portfolio von Volkswagen die Rolle des Kompaktmodells ein und rangiert aktuell zwischen dem T-ROC und dem Touareg. Zum ausführlichen Fahrbericht der zweiten Generation Tiguan die im Jahr 2016 eingeführt wurde, geht es hier entlang, wer den Unterschieden zum fast 22 Zentimeter längeren VW Tiguan Allspace, der auch als Siebensitzer erhältlich ist, auf den Grund gehen möchte, ist hier bereits richtig.

Der Allspace ist mehr als nur ein herkömmlicher Tiguan mit einem längeren Pürzel, wenn ich das mal so sagen darf. Die Langversion des Tiguan zeigt sogar leichte Unterschiede im Design auf und so ist er nicht nur von der Seite an seinem verlängerten Radstand und den veränderten Proportionen zu erkennen. Die Silhouette weist auch ein deutlich größeres Seitenfenster in der D-Säule auf und eine nach oben hin ansteigende Linienführung. Der Karosserieabschluss ist zudem länger. Wer genau hinsieht, wird an der Front darüber hinaus ein leicht verändertes Design der Motorhaube und des Kühlergrills erkennen.

In den USA wird der Tiguan sogar ausschließlich mit langem Radstand angeboten. Der VW Tiguan setzt mit 110 Millimeter mehr Radstand (entspricht 2.791 mm) und einer Gesamtlänge von 4,7 Meter auf mehr Raum für Passagiere und Gepäck sowie der Möglichkeit bis zu sieben Personen unterzubringen.

Zumindest, wenn die optional erhältliche dritte Sitzreihe im Bestellformular markiert ist. Bei der Konfiguration meines Testwagens war dies jedoch nicht der Fall und so kann ich Dir leider nicht davon berichten, wie viel Platz letztlich in der dritten Sitzreihe bereitsteht. Was die Fakten angeht: Wer die zusätzlichen Plätze im Siebensitzer nutzt, muss mit 230 Liter Kofferraum auskommen. Bei Nichtgebrauch verschwinden die Sitze vollständig im Ladeboden und das Ladevolumen beträgt 700 Liter. Im Fünfsitzer sind es 760 Liter und wer die Lehnen der zweiten Sitzreihe umklappt, der vergrößert das Stauvolumen auf bis zu 1.920 Liter bzw. 1.775 Liter beim Siebensitzer.

Und da ich die dritte Sitzreihe nicht an Bord habe, widme ich mich direkt der Rückbank. Hier komme ich als Großgewachsener mit 1.80 Meter sehr bequem rein, doch selbst Sitzriesen haben keine Probleme beim Ein- und Ausstieg und Platz genommen freue ich mich über ein luftiges Raumgefühl und selbst wenn die Sitzreihe ganz vorne steht, hab ich gerade so noch Platz, allerdings drücken die Knie unangenehm an die harten Klapptische, die an den Rückenlehnen der Vordersitze platziert sind.

Der Kofferraum ist dann natürlich enorm groß, allerdings entsteht ein unschöner Spalt der wie es aussieht nicht abgedeckt werden kann. In meinem Testfahrzeug fand ich zumindest keine entsprechende Lösung. Unter dem sehr soliden Ladeboden ist übrigens eine große Box mit zahlreichen Fächern und Ablagen untergebracht, seitlich befinden sich weitere Fächer.

Die Sitze der zweiten Sitzreihe kann ich mühelos auch vom Kofferraum aus umlegen. Hierzu ist einfach ein Zug an der Lehne nötig, sie klappt vor und steigt nur leicht an. Der riesige Spalt wird kleiner, wenn die Sitze zuvor wieder nach hinten gestellt sind, insgesamt ist die Rückbank um 18 Zentimeter längsverschiebbar. Doch auch in dieser Lücke kann einiges verschwinden.

Um die Sitze wieder aufzustellen, muss ich ebenfalls nur an der Schlaufe ziehen und die Lehne klappt nach hinten und kann in verschiedenen Stellungen arretiert werden, was den Sitzkomfort sogleich komfortabler macht.

Die Ladekante ist mit dem stabilen Boden eben und gut geschützt, die Stoßstange leider nicht. Die Ladehöhe ist für die Bauart aber noch angenehm niedrig.

Bauartbedingt ist der Einstieg natürlich etwas hoch, aber vorne wie hinten angenehm. Hinter dem unten abgeflachten und mit Leder ummantelten Multifunktionslenkrad angekommen, freue ich mich über sehr gut ausgeformte Sitze, die schön straff gepolstert und mit Alcantara an den Seitenwangen bezogen sind, moderne Stoffbahnen in der Mitte runden den Look gelungen ab. Die Verstellung mit dem Drehrad geht gut von der Hand.

Wer wie ich in den Genuss des Schiebedaches kommt, kann dies bis zur Hälfte öffnen, die Windverwirbelungen halten sich in Grenzen, doch bei Tempo 100 wird es laut. Als Ökotipp kommt dann auch wiederholt der Hinweis „Verdeck schließen“.

Für ein angenehmes Ambiente sorgt das sehr schöne helle Innenlicht, auch an den Dekorelementen und im Fußraum, den Türgriffen sowie am Glasdach ist der Wolfsburger schön illuminiert.

Das Infotainmentsystem Discover Pro inklusive Navi und Gestensteuerung ist absolut top und gestochen scharf, mit 2.230 Euro allerdings kein Schnäppchen, der empfehlenswerte Active Info Display ist da mit 510 Euro günstiger, aber auch nicht geschenkt, auch in den höheren Ausstattungen nicht.

Er eignet sich wirklich als idealer Begleiter für Familien, Freizeitbegeisterte, Hundebesitzer und, und, und. Allerdings setzt der Tiguan Allspace ein wohlig gefülltes Portemonnaie voraus.

Zwar verwöhnt der VW Tiguan Allspace gegenüber dem klassischen Tiguan nicht nur mit mehr Raum, er punktet auch mit einem erweiterten serienmäßigen Ausstattungsumfang, doch wie schnell man von der 31.300 Euro Basisversion entfernt ist, zeigt mein Testwagen auf.

Auf den muss ich eigentlich gar nicht näher eingehen, da Volkswagen aktuell auf Seiten der Benziner lediglich den 150 PS starken TSI mit Sechsgang-Getriebe aufführt.

Die von mir gefahrene 132 kW / 180 PS Variante und der 162 kW / 220 PS starke Benziner wurden aktuell aus dem Sortiment genommen, stattdessen kannst Du zwischen drei TDI-Aggregaten wählen, die ein Leistungsspektrum von 110 kW bis 176 kW (150 bis 240 PS) abdecken. Während die beiden 150-PS-Versionen alternativ mit Allradantrieb erhältlich sind, werden die stärkeren Motoren von Haus aus als 4MOTION ausgeliefert. Gleiches gilt auch für das automatische Doppelkupplungsgetriebe.

Wirklich schade, denn der 180-PS-Benziner versteht sich prächtig mit dem Allspace. Der Motor läuft sehr leise, wird nur wenn voll gefordert kerniger.

Auch auf Eco steht die Power bereit, man merkt kaum, dass er dann schwächer unterwegs wäre, beim Getriebe geht er auch bis auf 7.000 Touren und die Segelfunktion hilft Sprit zu sparen. Nur in meinem Fall hat die Schaltfunktion immer mal wieder auf D geschaltet. Der Verbrauch lag dann 0,1 Liter unter der in der Normaleinstellung erfahrene Wert, hier waren es 7,6 Liter.

Ab einem gewissen Tempo erinnerte mich das Fahrzeug z.B. daran dass das Schiebedach noch geöffnet und die Klimaanlage aktiviert ist oder gab mir den Verbrauchstipp das ich schon die Geschwindigkeit von 100 km/h überschritten habe oder das Fenster noch geöffnet ist.

Ganz gelassen und ohne hektische Sprints kam ich mit 7,3 Liter aus.

Mit der Normaleinstellung ist man eigentlich sehr gut bedient, nur wenn man es eilig hat lohnt es sich auf Sport zu wechseln, lässt er sich sonst beim Kickdown doch etwas zu lange Zeit. Und auch schon im Normal-Modus lässt er hohe Kurvengeschwindigkeiten zu und bleibt dabei sehr neutral, die Karosserieneigungen sind gering und auch die Reaktion auf die Lenkung ist gut.

Unter Sport reagiert er spürbar besser aufs Gas, vor allen Dingen da er auch ständig höher dreht und einen Gang weiter herunterfährt. Gehe ich dann voll aufs Gas, ist er spontaner beim zurückschalten. Die Schaltvorgänge sind dann zwar spürbar, aber halten sich dennoch zurück. Hier kann ich ebenfalls auf manuell gehen, aber auch hier greift letztlich die Automatik ein. Akustisch ist er nun etwas mehr zu vernehmen, aber nicht brüllend laut. Und da ich mich trotz aktiviertem Sport-Modus an die Tempolimits halte, kam ich mit 8,2 Liter aus.

Und dann hat der VW Tiguan Allspace auch noch den Komfort-Modus in petto, in dieser Einstellung fährt das SUV wirklich sehr fein, ist sehr leise und absolut entspannend zu fahren.

Jetzt bin ich doch etwas näher auf meine Motorisierung eingegangen und ganz von den Preisen abgekommen. Der VW Tiguan Allspace ist in den drei Ausstattungsversionen Trendline, Comfortline und Highline erhältlich.

Im VW Tiguan Allspace stets verbaut, das proaktive Insassenschutzsystem, die Multikollisionsbremse, der Spurhalteassistent, das Umfeldbeobachtungssystem „Front Assist“ inklusive City-Notbremsfunktion und die Fußgängererkennung. In meinem Test voll überzeugen, konnte auch das Fahrerassistenzpaket Plus mit all seinen Helferlein – in der Comfortline für 2.215 Euro, in der Highline für 1.060 Euro zu haben.

Doch Achtung, wer sich die Version Highline gönnt, im Moment nur mit den drei Dieselaggregaten in Verbindung mit DSG-Getriebe und Allrad erhältlich und mit 44.240,- bis 48.610,- Euro gelistet, erhält kein vollausgestattetes Topmodell.

Die dritte Sitzreihe wäre wie bereits erwähnt mit 750 Euro einzuberechnen, doch auch das Active Info Display, das Head-up-Display, die Design-Pakete, die Car-Vernetzung, das Panorama-Dach, der Anhängerrangierassistent, das Fahrerassistenzpaket Plus, eine Rückfahrkamera, die Fahrwerksregelung, die Progressivlenkung, die Metalliclackierung, das Navigationssystem Discover Pro, das Soundsystem DYNAUDIO Excite Surround oder beispielsweise das Reifendruckkontrollsystem müssen auch hier noch extra geordert werden und treiben die Preise rasant in die Höhe. Und 60.000 Euro sind für einen „Tiguan“ doch ein sehr stolzer Preis.

Stand: März 2019; Test und Fotos: CARWALK – Der Autoblog

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