Kia Sportage MJ 2019 im Test

Ein Facelift als völlig neues Modell abzutun, kommt in der Automobilbranche nur zu oft vor. Umso erfrischender, dass die Koreaner darauf verzichten und das Modelljahr 2019 ganz klar als Facelift positionieren. Dabei zeigt der „neue“ Kia Sportage auf, auch mit kleinen Änderungen erreicht man durchaus eine große Wirkung. Was alles anders und vor allen Dingen besser geworden ist, erfährst Du in meinem Fahrbericht.

Je nach Motorisierung und Ausstattungsvariante ist der Kia Sportage mit Front- oder Allradantrieb verfügbar, insgesamt stehen Dir fünf Motoren zur Wahl. Zum Modelljahr 2019 überarbeitet, steckt die größte Neuheit zweifelsohne unter der Motorhaube. Wird der Kia Sportage am 1. August als erster Kia mit einem Diesel-Mildhybridantrieb auf 48-Volt-Basis vorfahren.

Neu im Portfolio für das Modelljahr 2019 ist darüber hinaus ein 1.6 CRDi, der den bisherigen 1,7-Liter-Selbstzünder ablöst. Angeboten wird das neue Aggregat in den Leistungsstufen 85 kW oder 100 kW, dies entspricht 115 PS bzw. 136 PS.

Bei den Benzinern kannst Du zwischen einem 1,6-Liter-Direkteinspritzer mit 132 PS und ein 177 PS starken 1.6 Turbo wählen. Während die Diesel mit einem NOx-Speicherkatalysator und einen SCR-Katalysator ausgestattet sind, fahren die Ottomotoren künftig mit einem Ottopartikelfilter vor. Womit den Koreanern bei allen angebotenen Motoren schon jetzt eine Umstellung auf die Abgasnorm Euro 6d-Temp möglich war, wird diese erst ab September 2019 für alle Neuwagen zur Pflicht.

Das neue Topmodell Kia Sportage 2.0 CRDi EcoDynamics+ kommt auf eine Leistung von 185 PS beziehungsweise leistet 136 kW und hält 400 Nm Drehmoment bereit. Unterstützt durch einen Elektroantrieb – zusammengesetzt aus einer 48-Volt-Batterie und einen 12 kW starken Startergenerator – reduziert das neue Aggregat die CO2-Emissionen gegenüber dem bisherigen 2.0 CRDi je nach Ausführung um bis zu zehn Prozent, der Ausstoß liegt bestenfalls bei 138 g/km mit Schaltgetriebe oder 149 g/km in Kombination mit der Automatik.

Anders als bei 12-Volt-Start-Stopp-Systemen kann der Mildhybridantrieb im Kia Sportage den Verbrennungsmotor auch im Fahrbetrieb abschalten, ist die Batterie ausreichend geladen etwa beim Ausrollen oder Bremsen ab unter 30 km/h. Das senkt den Verbrauch ebenso, wie der Einsatz beim sanften Beschleunigen.

Wer den Kia Sportage dagegen tritt, bekommt vom System zusätzliches Drehmoment bereit gestellt. Zum Geschoss wird das SUV aber auch dann nicht. Und so schafft der Sportage den Sprint von null auf Tempo 100 unverändert in 9,5 Sekunden. Die Topspeed von 201 km/h ist aber ebenso ausreichend und wird unabhängig vom Getriebe erreicht.

Kia hat auf eine effektive Geräusch- und Vibrationsdämmung Wert gelegt. Wer im Diesel Platz nimmt, muss sich schon am Drehzahlmesser oder dem Tankdeckel vergewissern, wirklich im Dieselmodell Platz genommen zu haben, denn davon zu hören, ist nichts.

Während der allradangetriebene 1.6 T-GDI und der 1.6 CRDi ebenfalls als AWD mit dem 7-Stufen-DCT zu haben ist, steht einzig dem Mild-Hybrid die neue Achtgang-Automatik zur Wahl. Der Aufpreis für beide Getriebealternativen zum angenehm geführten Sechsgang-Handschalter beträgt zweitausend Euro.

Kia Motors gibt den kombinierten Verbrauch entsprechend mit 5,2 Liter für den 2.0 CRDI mit Handschalter und mit 5,8 Liter in Verbindung mit der sehr feinen Achtgang-Automatik an. Der Topdiesel ist dabei stets an den Allradantrieb gekoppelt.

Im Zuge der Überarbeitung hat man es nicht allein beim neuen Antriebsportfolio belassen, der Modelljahrwechsel hat auch Optimierungen im Bereich Fahrwerk zur Folge. Vom Konzept her zwar beibehalten, doch im Detail überarbeitet, haben die Modifizierungen zur Folge, dass sich das SUV insgesamt noch agiler anfühlt – gerade in der GT Line – aber auf der anderen Seite ein angenehm komfortables Fahrverhalten an den Tag legt.

Da der Sportage gerne auch als Zugpferd eingesetzt wird, dürfte die auf bis zu 2,2 Tonnen erhöhte Anhängelast für den ein oder anderen durchaus eine erwähnenswerte Verbesserung darstellen, zudem ist das SUV serienmäßig mit einer Gespannstabilisierung ausgestattet.

Ein Facelift kommt natürlich nicht ohne optische Veränderungen aus, doch auch hier zeigt der Kia Sportage auf, es brauchte nicht viel um eine große Wirkung zu erzielen.

Selbstbewusst und charakterstark stand die vierte Generation von Beginn an da, doch nun haben die Designer den Auftritt unter anderem durch ein neugestalteten Frontstoßfänger, eine zusätzliche Chromleiste, Nebelscheinwerfer und Hauptscheinwerfer im neuen Design perfektioniert. Je nach Ausstattung stechen hier besonders die neuen LED-Lichter hervor. Apropos auffallen, meine Wahl würde auf die GT Line entfallen, die unter anderem auf einen markanteren Kühlergrill – der ohnehin neu designt ist – und serienmäßige LED-Nebelscheinwerfer setzt.

Lasse ich den Blick weiter zur Seitenansicht Richtung Heck wandern, fallen im direkten Vergleich neue Leichtmetallfelgen und eine Chromzierleiste unterhalb der Türen auf, die nun nicht mehr nur die sportliche GT Line kennzeichnet, sondern auch bei der Platinum Edition verbaut ist.

Komme ich zum Abschluss des Kia Sportage MY2019, kann das SUV hier zweifelsohne die markanteste Veränderung verzeichnen. Werden die neugestalteten Rückleuchten künftig durch eine optische Lichtleiste miteinander verbunden und zeigen abhängig von der gewählten Line in der LED-Version eine neue C-förmige Lichtsignatur. Darüber hinaus, sind die Reflektoren im modifizierten Stoßfänger nicht mehr neben den Rücklichtern platziert, sondern blockförmig übereinander.

Beim GT Line sorgt der Unterfahrschutz rundum sowie die Auspuffanlage mit Doppelendrohr für einen noch satteren Stand.

Last but not least, wäre noch die neue Chromleiste und die überarbeitete Farbpalette zu erwähnen. Spendieren die Koreaner dem neuen Modelljahr gleich fünf neue Metallicfarben, darunter auch das von mir abgelichtete Blau. Und das muss ein SUV erstmal tragen können. In meinen Augen, ist der Kia Sportage einer der wenigen Offroader, die in diesem Lack richtig gut aussehen.

Die optischen Retuschen haben zur Folge, dass der Kia Sportage in der GT Line um 15 Millimeter auf 4.495 mm angewachsen ist, bei allen anderen Ausführungen sind es lediglich 5 Millimeter. Wie bei einem Facelift erwartet, bleiben die übrigen Werte unverändert.

So fasst das Gepäckabteil auch im neuen Modelljahr bis zu 503 Liter, zumindest bei den Modellen mit Frontantrieb. Die Allradvarianten kommen auf ein Fassungsvermögen von 480 Liter und die 48-Volt-Batterie nimmt dem Kofferraum beim Mild-Hybrid weitere 41 Liter. Durch einfaches Umklappen der Rücksitzlehnen im Verhältnis 60:40 kann der Stauraum stets vergrößert werden und wächst bestenfalls auf bis zu 1.492 Liter an.

Sensorgesteuerte elektrische Heckklappen haben mittlerweile fast alle im Portfolio, doch Kia verfolgt eine etwas andere Lösung, die bei mir absolut punkten konnte. Wie oft, stand ich schon vor den Fahrzeugen und war wie wild mit dem Fuß unter dem Heckstoßfänger am wedeln und nichts passierte. Beim Kia Sportage reicht es aus, wenn Du mit dem Schlüssel in der Tasche ein paar Sekunden einfach hinter dem Fahrzeug stehst.

Auch im Innenraum hat Kia zum Modelljahr 2019 nur kleinere Modifikationen vorgenommen, die aber ebenso ihre Wirkung nicht verfehlen. So hat das, mir bereits aus dem neuen Kia Ceed bekannte Lenkrad, nun auch den Weg in den Kia Sportage gefunden. Eine Entscheidung die ich sehr begrüße, hat es mir das unglaublich wertige und schicke Multifunktionslenkrad sehr angetan. In der Sportausführung GT Line präsentiert sich dieses unten abgeflacht sogar noch gelungener und ist in Kombination mit dem DCT- oder Automatikgetriebe mit Schaltwippen versehen.

Nimmst Du in der Version GT Line Platz, kannst Du Dich zudem für die neue Lederausstattung entscheiden, kontrastieren hier die roten Ziernähte wunderbar mit der schwarzen Ausführung.

Lediglich die Sitzauflagen könnten für Insassen mit langen Beinen an den Oberschenkeln etwas länger ausgeführt sein, doch abgesehen davon kann das Gestühl mit tollem Seitenhalt und einem guten Sitzkomfort aufwarten.

Überarbeitet wurde in allen Kia Sportage auch die Instrumenteneinheit und der jetzt rahmenlose 8-Zoll-Touchscreen, was so ein Rahmen doch ausmachen kann.

Zum Modelljahr 2019 präsentiert sich auch das Infotainmentangebot überarbeitet. Bereits das Einstiegsmodell ist mit einem 7-Zoll-Touchscreen bestückt, die höheren Ausstattungslinien legen sogar ein Zoll drauf. Unabhängig von der Display-Größe ermöglicht Dir Kia via Android Auto und Apple CarPlay, Apps und Funktionen Deines Smartphones (Kompatibilität vorausgesetzt) ganz bequem über den Fahrzeugtouchscreen zu steuern, die Funktionen Navigation, Sprachsteuerung, Text- und Spracherkennung oder Musikstreaming zu nutzen. Je nach Ausführung lassen sich entsprechende Handys auch bereits kabellos über die induktive Ladestation aufladen.

Mit einem „5 Sterne“-Ergebnis hat die vierte Generation Kia Sportage bereits aufgezeigt, wie sicher sie ist. Auf dieses Sicherheitsniveau baut das Facelift und kann abhängig von der Ausstattung mit einem Frontkollisionswarner inklusive Notbremsassistent und Fußgängererkennung – aktiv in einem Geschwindigkeitsbereich bis zu 60 Stundenkilometern, einem aktiven Spurhalteassistent, dem Spurwechselassistent, Querverkehrwarner, der Verkehrszeichenerkennung und dem Fernlichtassistent auffahren.

Im Modelljahr 2019 wurde dieser Umfang um einen Müdigkeitswarner, eine adaptive Geschwindigkeitsregelanlage mit einer tollen Stop-and-go-Funktion, die Dich auch nervige Staus entspannt meistern lässt, sowie eine Rundumsichtkamera ergänzt. Mit der Entscheidung für die Rundumsichtkamera, entschied man sich bei Kia gegen den Parkassistenten. Eine Veränderung, die ich ebenfalls sehr begrüße.

Wer sich jetzt in der Preisliste umsieht, dem fällt vielleicht auf, die bisherige Basisvariante Attract ist nicht mehr aufgeführt. War die Nachfrage einfach zu gering, sodass man sich bei Kia dafür entschied, gleich mit dem Edition 7 einzusteigen. So geht es für 22.490 Euro mit dem frontangetriebenen und handgeschaltenen Kia Sportage 1.6 GDI Edition 7 los.

Dabei fährt das Basismodell mit einer Klimaanlage, 16-Zoll-Leichtmetallfelgen, elektrischen Fensterhebern rundum, einer Zentralverriegelung mit Funkfernbedienung, Lederlenkrad, höhenverstellbaren Fahrersitz und dem neuen Audiosystem inklusive 7-Zoll-Touchscreen und Smartphone-Integration, Rückfahrkamera, Bluetooth-Freisprecheinrichtung, Geschwindigkeitsregelanlage, Dämmerungssensor und beheizbaren Außenspiegel vor. Das liest sich nun wirklich nicht nach Einstiegsmodell.

Wenn auch die bisherige Basisvariante aus dem Angebot genommen wurde, mangelt es Kia nicht an Auswahl. So stellt Dir der koreanische Autohersteller vier weitere Ausführungen zur Wahl: Sei es Vision oder Spirit, zu Preisen ab 25.490 bzw. 29.990 Euro, die GT Line, die ab 35.690 Euro mehr als nur sportliche Akzente draufsetzt oder die vollausgestattete Platinum Edition, die ab 41.290 Euro scheinbar keine Wünsche mehr offen lässt.

Gerätst Du hier mittels Sitzventilatoren auch im Sommer nicht ins Schwitzen, genießt den Blick dank Panoramadach auch gen Himmel und musst Deine vollgepackten Einkaufstaschen bei Beladen des Fahrzeugs nicht vorher abstellen, ist die sensorgesteuerte elektrische Heckklappe hier ebenfalls serienmäßig.

Der völlig neue Mildhybrid-Diesel startet als Handschalter in der Spirit-Variante bei 38.490 Euro und ist als GT Line für 39.690 Euro erhältlich. Mit der zweitausend Euro teuren Automatik wird das Aggregat zudem in der Platinum Edition für 45.490 Euro angeboten, in dieser Kombination nimmt der Kia Sportage zugleich die Rolle des Topmodells ein.

Wirklich kein Update nötig, hat die in der Automobilbranche einzigartige Herstellergarantie. Gilt bei Kia bereits seit 2010 das 7-Jahre-Versprechen (max. 150.000 km). In den ersten drei Jahren gilt diese Garantie sogar ohne Kilometerbegrenzung, darüber hinaus gibt Kia zwölf Jahre Garantie gegen Durchrostung (ebenfalls ohne Kilometerbegrenzung) sowie fünf Jahre, maximal 150.000 km, auf den Lack.

Last but not least legen die Koreaner noch ein 7-Jahre-Kia-Navigationskarten-Update und zwei Jahre Mobilitätsgarantie oben drauf.

Weiterer Clou, die Garantien sind an das Fahrzeug gebunden und werden somit beim Wiederverkauf an den neuen Halter übertragen.

Stand: Juli 2018; Test und Fotos: CARWALK – Der Autoblog

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