Erste Sitzprobe im Pick-up Mitsubishi L200
Manche Comebacks freuen mich ganz besonders. Und die Rückkehr des Mitsubishi L200 gehört definitiv dazu. Erst Mitte September hatte ich über seine Rückkehr nach Deutschland berichtet und meine Begeisterung darüber zum Ausdruck gebracht. Nun durfte ich erstmals selbst im neuen L200 Platz nehmen. Und dabei begegnete mir nicht nur die Neuauflage eines echten Klassikers, sondern gleich ein Stück Automobilgeschichte.

Denn neben dem neuen Modell stand das erste 1993 in Deutschland verkaufte Exemplar des Mitsubishi L200. Zwei Generationen, mehrere Jahrzehnte dazwischen und doch derselbe Grundgedanke: Ein Pick-up muss nicht jedem gefallen. Er muss vor allem etwas können.
Ein Comeback mit Charakter
2027 feiert Mitsubishi sein 50-jähriges Jubiläum in Deutschland. Passend dazu präsentiert sich die Marke mit einer besonders vielfältigen Modellpalette und besinnt sich mit dem L200 einmal mehr auf ihre Wurzeln.
Nach dem Outlander kehrt damit ein weiteres Modell zurück, auf das wir hierzulande eine ganze Weile verzichten mussten. Wobei der neue L200 streng genommen gar nicht mehr so neu ist. Bereits seit 2023 läuft er in Thailand vom Band. Nach sieben Jahren Abstinenz findet der robuste Japaner nun endlich wieder seinen Weg nach Deutschland.

Und das ist gut so. Denn gerade in einer Zeit, in der sich gefühlt jedes zweite Fahrzeug als SUV inszeniert, empfinde ich einen echten Pick-up als ausgesprochen erfrischend.
Ein Pick-up darf ruhig noch Pick-up sein
Schon optisch macht der neue Mitsubishi L200 keinen Hehl aus seinen Ambitionen. Die markante Front mit ihrem selbstbewussten Kühlergrill, die hoch angesetzte Motorhaube und die kantigen Proportionen verleihen ihm einen ausgesprochen kraftvollen Auftritt. Große Radhäuser, eine stattliche Bodenfreiheit und die lange Ladefläche unterstreichen seinen Nutzfahrzeugcharakter.
Hier wird nicht versucht, Robustheit durch eine möglichst elegante Silhouette zu kaschieren. Im Gegenteil. Der L200 zeigt ganz offen, wofür er gebaut wurde.

Und genau das mag ich an ihm. Er darf groß, rustikal, praktisch und ein bisschen ungehobelt sein. Ein Arbeitstier mit Charakter, das nicht krampfhaft versucht, ein Lifestyle-SUV zu werden.
Mit 5,32 Metern Länge ist der ausschließlich als Doppelkabiner erhältliche Fünfsitzer alles andere als kompakt. Seine Ladefläche misst 1.555 Millimeter in der Länge und 1.135 Millimeter zwischen den Radkästen. Damit findet eine Europalette ebenso Platz wie weiteres Arbeitsmaterial.
28 Millimeter Bodenfreiheit und die weiterhin eingesetzte Leiterrahmenkonstruktion machen deutlich, dass Mitsubishi es mit den klassischen Tugenden des L200 ernst meint.
Das ausgestellte Fahrzeug in der hochwertigen Ausstattung Diamant Top präsentierte sich zudem mit attraktivem Zubehör. Eine elektrische Ladeflächenabdeckung mit Unterteilung, ein Bügel hinter der Fahrgastzelle, robuste Gummifußmatten, All-Terrain-Reifen und demontierbare seitliche Trittbretter verliehen ihm einen noch aufregenderen Auftritt.
Einsteigen, wohlfühlen, loslegen
Auch im Innenraum bleibt der Mitsubishi L200 seinen bodenständigen Tugenden treu. Und das meine ich durchaus positiv.

In der Doppelkabine finden fünf Personen Platz, wobei das Raumangebot im Fond klassengerecht ausfällt. Auf dem elektrisch einstellbaren Fahrersitz der Ausstattung Diamant Top lässt sich schnell eine angenehme Sitzposition finden. Schade nur, dass sich der Beifahrersitz nicht in der Höhe verstellen lässt.
Hinter dem Lenkrad blickt man auf klassische Rundinstrumente mit zentralem Display. Das acht Zoll große Infotainmentsystem dürfte hinsichtlich seiner Grafik und Auflösung gerne etwas moderner ausfallen. Dank Apple CarPlay und Android Auto lässt sich darüber allerdings im Alltag hinwegsehen.
Viel wichtiger ist mir ohnehin etwas anderes: die Bedienung.
Echte Drehregler, physische Tasten, solide Kippschalter für die Zweizonen-Klimaautomatik und sogar eine klassische Handbremse. Herrlich! Keine endlosen Untermenüs, keine Suche nach versteckten Funktionen. Einsteigen, zurechtfinden, fertig.

Gerade diese Einfachheit empfinde ich inzwischen als ausgesprochen wohltuend. Nicht jedes Auto braucht riesige Bildschirme und möglichst viel Elektronik, um zu überzeugen.
Auch die Verarbeitung und Materialauswahl hinterlassen einen guten Eindruck. Alles wirkt solide, zweckmäßig und darauf ausgelegt, einen harten Arbeitsalltag problemlos wegzustecken. Lediglich die Hochglanzflächen auf der Mittelkonsole und in den Türverkleidungen stehen im Kontrast zum robusten Charakter.
Ein echtes Arbeitstier statt Blender
Seine wahren Stärken spielt der Mitsubishi L200 ohnehin dort aus, wo andere Fahrzeuge längst an ihre Grenzen stoßen.

Bis zu eine Tonne Zuladung und eine gebremste Anhängelast von 3.500 Kilogramm machen ihn zum vielseitigen Begleiter für Handwerker, Kommunen, Gewerbetreibende und alle, die regelmäßig schwere Lasten bewegen müssen.
Ein serienmäßiger Anhänger-Stabilitäts-Assistent greift bei einem aufschaukelnden Gespann über die Bremsen und die Motorsteuerung ein.
Unter der markanten Motorhaube arbeitet ein 2,4-Liter-Bi-Turbo-Diesel mit 204 PS und kräftigen 470 Nm Drehmoment. Dazu gesellt sich ein 75 Liter großer Kraftstofftank.
Je nach Ausstattung kommen unterschiedliche Allradsysteme zum Einsatz. Während die Einstiegsversion Diamant mit zuschaltbarem Easy Select 4WD, Hinterachs-Differenzialsperre und Sechsgang-Schaltgetriebe vorfährt, bietet der Diamant Top das aufwendigere Super Select 4WD-II-System mit sieben Fahrmodi und Sechsstufen-Automatik.
Der rund zwei Tonnen schwere Pick-up beschleunigt in knapp 13 Sekunden auf Tempo 100 und erreicht maximal 180 km/h.

Wobei ich mir ziemlich sicher bin: Wer sich für einen L200 entscheidet, dürfte seine Prioritäten ohnehin ganz woanders setzen.
Mitsubishi L200 – Ab 39.990 Euro
Der Einstieg in die L200-Welt gelingt ab 39.990 Euro. Dafür bietet Mitsubishi mit der Ausstattung Diamant unter anderem eine manuelle Klimaanlage, beheiz- und anklappbare Außenspiegel, eine Bergabfahrhilfe und den bereits erwähnten Anhänger-Stabilitäts-Assistenten. Robuste Stahlfelgen passen zum bodenständigen Auftritt.
Deutlich umfangreicher ausgestattet präsentiert sich der Diamant Top für 52.990 Euro. Neben der Automatik und dem permanenten Allradsystem gehören unter anderem LED-Scheinwerfer, Kunstledersitze, eine Zweizonen-Klimaautomatik, induktives Smartphone-Laden, 18-Zoll-Leichtmetallfelgen sowie eine 360-Grad-Kamera zum Paket.
Hinzu kommt das Mitsubishi Garantiepaket mit fünf Jahren Herstellergarantie, die unter bestimmten Voraussetzungen auf bis zu acht Jahre beziehungsweise 160.000 Kilometer verlängert werden kann.

Mein erster Eindruck: Schön, dass Du wieder da bist!
Natürlich ersetzt eine erste Sitzprobe keinen ausführlichen Fahrtest. Wie sich der neue Mitsubishi L200 auf der Straße, mit schwerem Anhänger oder abseits befestigter Wege schlägt, bleibt noch herauszufinden.
Aber eines steht für mich bereits fest: Mitsubishi hat gut daran getan, diese Legende zurück nach Deutschland zu holen.
Mir gefällt, dass der L200 seinen ursprünglichen Charakter bewahrt. Dass er nicht versucht, mit aller Gewalt modern, luxuriös oder besonders elegant zu sein. Dass man in ihm Platz nimmt und sofort versteht, was ihn ausmacht.
Ein ehrlicher Pick-up, der anpacken kann, statt nur danach auszusehen.
Und manchmal ist genau das die schönste Form eines Comebacks.
Stand: Oktober 2026; Test: Lexi Lind; Fotos: Lexi Lind/Mitsubishi
