Der Fiat 124 Spider, einfach zum Verlieben!

Da stand er nun, extra angereist aus Italien. Und ich wusste sofort, das hier wird mehr als nur ein aufregender Urlaubsflirt, das hier war Liebe auf den ersten Blick. Doch leider musste er nun nach einer wunderschönen Zeit wieder zurück in die Heimat, entsprechend groß ist jetzt der Trennungsschmerz. Man sagt, es hilft sich diesen von der Seele zu schreiben. So versuche ich das einmal und lasse meine gemeinsame Zeit mit dem Fiat 124 Spider Revue passieren.

Spät am Abend war der Fiat 124 Spider in strömenden Regen angereist, so verschob ich das richtige Kennenlernen auf den nächsten Tag, tappte ich doch ehrlich gesagt im ersten Moment auch etwas im Dunkeln, hielt er sich im Innenraum mit der Beleuchtung doch sehr zurück und schien im Kofferraum zunächst gänzlich darauf zu verzichten. Nur wer weiß, wo er bei Nacht Hand anlegen muss, kann eine kleine Leuchte mit einem Schalterklick anknipsen. Aber wie heißt es so schön, im Dunkeln ist gut munkeln.

Und da war er nun, der nächste Tag, die Sonne strahlte mit voller Kraft und sollte sich bis zu unserer Trennung für diese Wochen nicht mehr verabschieden. Was mein Vorhaben – erst bei Regen das Verdeck zu schließen – zu einem einfachen machte. Doch dazu komme ich gleich …

Der Fiat 124 Spider paart diesen gewissen Italo-Charme auf ganz besondere Weise mit der Leidenschaft eines reinrassigen Roadsters und transportiert zugleich die wunderschönen Gene des Ur-Spiders aus den sechziger Jahren auf moderne Art und Weise in die Neuzeit.

Womit Fiat kurz gesagt, der perfekte Wurf gelungen ist. Während sich andere Mitbewerber gerne „überzeichnet“ oder auch mal „verweichlicht“ präsentieren, setzt der Spider auf klassische Roadster-Tugenden. Angefangen bei diesen unglaublich sinnlichen Proportionen – die mich immer und immer wieder ins Schwärmen geraten lassen – bis hin zum Verdeck.

Denn ganz zu meiner Freude, verzichtet Fiat nicht nur auf ein Stahlklappdach, selbst von einer elektrischen Betätigung des Stoffverdecks haben die Italiener abgesehen und mich damit mehr als beeindruckt. So öffnete ich das Softtop ganz bequem per Hand von meinem Fahrersitz aus und musste lediglich den Verdeckhebel entriegeln, das Dach nach hinten schubsen und einrasten lassen. Das alles war in gerade mal zwei Sekunden passiert und der Kraftaufwand war minimal. Das Verdeck schloss dabei bündig ab und machte somit glücklicherweise ein lästiges Aufziehen einer Persenning unnötig. Und während andere noch überlegen „ach soll ich die Kapuze lüften“, ist es hier schon längst passiert.

Da erinnere ich mich an eine Parkplatzbegegnung mit einem 911er Cabrio. Während hier gerade mal die Abdeckung nach oben gefahren war, stand ich schon offen da – was nicht nur bei dem Porsche-Fahrer für Staunen sorgte. Immer wieder durfte ich miterleben, wie die Leute im ersten Moment erstaunt zu mir blickten „was per Hand …?!“ aber bevor sie sich versahen, war ich auch schon los und konnte deren Begeisterung mit auf den Weg nehmen.

Geschlossen zu fahren wäre für mich wahrlich eine Sünde gewesen und so trotzte ich selbst einem kurzen Regenschauer (mit entsprechender Geschwindigkeit ist das auch mit dem Spider kein Problem). Dennoch war mein Verdeck in reger Bewegung, lasse ich nur ungern das Fahrzeug offen alleine stehen. Und beim 124 Spider muss man sich wirklich keine Gedanken darüber machen ob oder ob nicht, geht der Vorgang einfach so rasch und pfiffig vonstatten … Denn selbst um das Verdeck wieder zu schließen, musste ich nicht aussteigen.

Hat sich Fiat doch einen cleveren Federmechanismus einfallen lassen, der mir beim Hochziehen des Verdecks entgegenkommt. Zusätzlich sorgten die automatisch um 140 mm abgesenkten Scheiben für Erleichterung, womit das Softtop ebenso schnell wieder geschlossen war. Nach einer elektrischen Verdeckbetätigung sehnt man sich hier wirklich nicht mehr! Im Gegenteil, ich würde diese Konstruktion jeder Elektronik vorziehen.

Ich muss zugeben, es war nicht meine erste Begegnung mit dem Fiat 124 Spider, bereits im vergangenen Jahr wusste ich nach einem kurzen ersten Kennenlernen, hier hat es gefunkt, doch dass es weit mehr als nur eine Schwärmerei ist, weiß ich nun nach diesem intensiven Kennenlernen. Wenn auch nicht gänzlich ohne Macken, so verzeihe ich ihm diese kleinen Schönheitsfehler.

Die schwache Beleuchtung habe ich ja bereits erwähnt, doch dann gibt es auch im knackigen Cockpit noch den ein oder anderen kleinen Makel, sei es beispielsweise die unschöne und antiquierte Handbremse auf Seite des Beifahrers oder die gänzlich fehlenden Ablagen. So suche ich im Spider ein Handschuhfach ebenso vergebens wie Fächer in den Türen. Einzig eine sehr kleine Ablage mit Deckel in der Mittelkonsole – in der mein Smartphone immerhin Platz findet – und ein verschließbares Fach zwischen den Sitzen finde ich vor. Und auch die Sonnenblenden aus unübersehbarem Hartplastik machen nicht wirklich viel her, verfügen aber über Spiegel auf beiden Seiten.

Aber ganz ehrlich, konnten diese kleine Macken meine Begeisterung wirklich schmälern? Du erahnst es wahrscheinlich schon, nein, konnten sie nicht und waren bei einem Blick über diese wunderschön lang geformte Motorhaube ohnehin gleich vergessen.

So erfreute ich mich doch viel lieber darüber, in den Fiat 124 Spider wie in einen Maßanzug zu schlüpfen. Natürlich ist der Einstieg sehr tief, doch genau das erwarte ich doch auch bei einem Roadster, wie sollte ich ihm das denn vorwerfen? Gleiches gilt für die knackig schöne Cockpit-Atmosphäre, dennoch saß ich mit meinen schmal geschnittenen 1,80 Meter in dem für mich perfekt ausgeformten Gestühl keineswegs beengt.

Wenn man allerdings so nah am Boden sitzt, blenden einen in der Nacht die anderen Verkehrsteilnehmer doch sehr, ein automatisch abblendbarer Innenspiegel wäre hier ein durchaus lohnenswertes Feature gewesen, auch hier ist Handarbeit angesagt – aber gut, den einen Hebel umgelegt und fertig.

Mir persönlich sagte die reduzierte Cockpit-Gestaltung sehr zu, vermittelte mir auch diese den rassigen Roadster-Flair. Ebenso das handliche Sportlenkrad und der wunderbar kurze Schalthebel. Wenn auch an der ein oder anderen Ecke Hartplastik zu erkennen war, schaffte Fiat mit großzügig verbauten angreiffreundlichen Soft-Touch-Materialien einen Ort zum Wohlfühlen.

Im Grunde auf mich, den Fahrer, zugeschnitten, rückte einzig der viel zu groß geratene Handbremshebel und der sieben Zoll große Touchscreen Richtung Beifahrer ab. Ansonsten fand ich am optionalen Infotainmentsystem großen Gefallen. Konnte ich mich hierüber perfekt mit meinem 124 Spider vernetzen und sogar in die weiten Welten des Internets hätte ich eintauchen oder aber auf meine sozialen Netzwerke zugreifen können.

Vielmehr nutzte ich jedoch die enorme Anzahl von digitalen Radiosendern und die Möglichkeit ganz bequem auf meine Musikbibliothek zugreifen zu können. Womit ich zu einem wirklich sehr lohnenswerten Extra überleiten möchte, denn was wäre Musik ohne die richtige Anlage im Auto?

Und mit dem für sehr faire 700,- Euro erhältlichen Bose Premium-Soundsystem ist purer Hörgenuss garantiert, fährt die Anlage mit einem Subwoofer und neun Lautsprechern auf, befinden sich darunter tatsächlich zwei Hochtöner und vier in die Kopfstützen integrierte Boxen. Auf diese greift nebenbei bemerkt auch die Bluetooth-Freisprechanlage zu, womit mir selbst Telefonate im geöffneten Zustand auf der Autobahn bequem möglich waren.

Während der Fahrt konnte ich mich außerdem mittels gut funktionierender Spracherkennung durch das Menü manövrieren oder mir aber eingehende SMS vorlesen lassen.

Ich persönlich würde den Spider in jedem Fall um den optional erhältlichen Getränkehalter aufrüsten, wünschte ich mir doch gerade bei den heißen Sommertemperaturen ein kühles Getränk an meiner Seite. Doch ist dieser nicht an Bord, wird es schwierig offene Getränke mit auf Reisen zu nehmen – sollte der Beifahrer nicht die Aufgabe des Getränkehalters übernehmen, sogar unmöglich.

Ablagefächer für den Innenraum gibt es auch nicht gegen Aufpreis, dafür habe ich aber erstaunlich viel im Kofferraum untergebracht. Wenn die 140 Liter zunächst auch nicht nach viel klingen, so war ich mit dem Fiat 124 Spider sowohl für den Großeinkauf, den ausgiebigen Badeausflug mit großer Kühltruhe oder aber mit entsprechendem Gepäck auch für den Kurzurlaub bestens gerüstet. Und wenn ihr wüsstet, wie viel Gepäck ich für so einen Trip mitnehme!

Dabei konnte ich das Ladeabteil bis oben hin voll machen, denn ob das Dach nun offen oder geschlossen war, der Stauraum blieb unabhängig davon bestehen. Zwar sind die Gepäckstücke von oben einzuladen und somit etwas höher zu wuchten, doch da das Fahrzeug selbst an seiner höchsten!! Stelle gerade mal auf 1.233 Millimeter kommt, relativiert sich die Höhe der Ladekante wieder. Nichts desto trotz musste ich das Gepäck weit von unten herausheben, was nicht unbedingt rückenfreundlich aber selbst mir Bandscheibengeschädigte nicht wirklich negativ aufgestoßen ist.

Jede Minute, die ich in „meinem“ Fiat 124 Spider Platz genommen hatte, fühlte sich an wie eine Auszeit vom Alltag und der täglichen Hektik. Umgehend setzte ein Lächeln ein, dass sich mit jedem gefahrenen Kilometer in ein breites Grinsen ausweitete.

Breit und flach, wie er bereits optisch dicht über dem Asphalt kauert, so satt ist auch seine Straßenlage.

Gerade wenn ich den Roadster mit seiner ausgewogenen Front-Heck-Gewichtsverteilung und dem sehr niedrigen Fahrzeugschwerpunkt durch die engste Kurve gejagt habe. Kam auch hier wieder dieses pure Roadsterfeeling auf. Gerade der geübte Fahrer findet bei deaktiviertem ESP großen Gefallen am Spiel mit dem Heck und erlebt Kurvenfahrten besonders intensiv. Teuren Sportwagen zeigten der Fiat 124 Spider und ich gerne mal, wo der Hammer hängt.

Dank der elektrischen Servolenkung, die meine Lenkbefehle wunderbar direkt und sehr exakt umgesetzt hatte und dieser wirklich grandiosen Straßenlage, setzte der Fiat 124 Spider in punkto Handlichkeit und Performance auf 100% Fahrspaß, die Rückmeldung die er mir gab, war großartig.

Wenn der Spider auch knackig straff daher kam, so verzichtete er völlig auf brutale Härte und federte Straßenunebenheiten überraschend gut weg. Womit einer glücklichen Beziehung doch wirklich nichts mehr im Wege steht.

Und wie schön es auch war, den sportlichen Ritt anzutreten, so habe ich mir nur zu gern bei entspannter Fahrweise den Wind um die Nase wehen lassen. Apropos, der von Haus aus und dezent verbaute Schutz aus Kunststoff hat mir störenden Wind selbst bei höherem Tempo erfolgreich vom Hals gehalten. Bei kühleren Nächten heizte mir zudem die dreistufige Sitzheizung ordentlich ein.
Letztlich suchte ich stets das Date auf der Landstraße und gierte förmlich nach jedem Umweg, um nicht aussteigen zu müssen. Konnte ich doch gerade hier das gemütliche Cruisen mit der Kurvenhatz perfekt vereinen und das Frischluft-Feeling pur genießen.

Autobahnpassagen sind aber deshalb keineswegs ausgeschlossen, wird der 124 Spider immerhin 217 Stundenkilometer schnell und bleibt auch dann rein fahrwerksseitig gesehen angenehm ruhig, nur der Geräuschpegel wird bei geschlossenem Verdeck laut und brummig. Somit hätte ich das auch getestet gehabt, also schnell wieder runter von der Autobahn, Verdeck auf und einfach nur „la dolce vita“ (das süße Leben) genießen.

Immer wieder begeistert hat mich, wie Fiat es geschafft hat, ohne große PS-Zahlen unter der Haube für diesen unglaublichen Fahrspaß zu sorgen.

Natürlich ist der 124 Spider ein Leichtgewicht, doch das 140 PS wirklich so ein spritziges Fahrverhalten auf die Straße bringen …

Während ich den Spider in der Stadt ganz entspannt sogar im fünften Gang bewegt habe, entlockte ich nach passieren des Ortsschildes dem Italiener jegliche Reize und drehte ihn nur zu gern hoch. Nach einem wirklich klitzekleinen Turboloch schoss der Italiener nach vorn, das maximale Drehmoment von 240 Newtonmeter lag nun voll an und sorgte für großartigen Vorwärtsdrang. 7,5 Sekunden sagte die Uhr an, für den Sprint aus dem Stand heraus bis Tempo 100.

Die Gänge klackten nur so durch die kurz geführte Schaltkulisse, den wunderbar kurzen Schalthebel gab ich dabei nur selten aus der Hand, lag mein Arm auf der Mittelkonsole auch nur zu bequem auf.

All mein Glück wurde auch an der Zapfsäule nicht getrübt. Denn die von Fiat angegebenen 6,4 Liter sind keineswegs einfach nur so daher geredet. Selbst wenn ich der italienischen Rassigkeit nicht widerstehen konnte, gönnte sich der Fiat 124 Spider lediglich einen Liter mehr. Womit mich der Roadster ein weiteres mal überraschen und für sich einnehmen konnte.

An Traumautos mangelt es dem automobilen Markt keineswegs, doch meist ist es das liebe Geld, dass diese Träume auf brutale Weise wie eine Seifenblase zerplatzen lässt. Doch nicht so beim 124 Spider … hier wird sich manch einer die Augen reiben, kann das wirklich wahr sein … und ja, es kann! Erfüllt sich der Traum bereits ab 24.990 Euro.

Und selbst so gut bestückt wie mein Testwagen in der Topvariante Lusso ab 26.990 Euro und mit den enthaltenen Optionen nun mal war, hat er mit der Ghiaccio Weiß Dreischicht-Sonderlackierung, der Bose-Anlage, dem Fiat Connect 7“-Touchscreen, dem Premium- und Sicht-Paket nur knapp die 30.000 Euro Marke überschritten und war dann nahezu vollausgestattet.

Finden sich im Zubehörkatalog lediglich noch solch Features, wie der Getränkehalter, ein Gepäckträger für den Kofferraumdeckel oder silberne Außenspiegel-Abdeckkappen … allesamt Extras die den Preis nicht wesentlich in die Höhe treiben.

Ich wäre ja stark dafür, dass sich Fiat Gedanken darüber machen sollte, italienische Nummernschilder als Extra anbieten zu können. Ich weiß, das ist Illusion, aber unbestritten haben diese meinem Testwagen eine ganz besondere Note verliehen. Dann noch meine italienische Playlist mit Gianna Nannini, Eros Ramazzotti und Zucchero gestartet … und ich fühlte mich wie im Italien-Dauerurlaub.

Wer CARWALK – Der Autoblog verfolgt, der weiß ich begeistere mich für Autos aller Klassen und das gerne auch auf eine durchaus verrückte Art und Weise … aber der Fiat 124 Spider hat es mir schon besonders angetan und eines muss ich sagen, meine Erfahrung niederzuschreiben hat den Trennungsschmerz kein Stück gelindert. Aber wie hat die Schwedin Siw Malmkvist schon gesungen „Liebeskummer lohnt sich nicht, my Darling …“ Ich frag mich nur, wie mein Herz schon morgen darüber lachen soll?

Und da ich vom 124 Spider einfach nicht genug bekomme, hier noch eine weitere Bildergalerie (zum Vergrößern bitte anklicken):

Stand: August 2017; Test und Fotos: CARWALK – Der Autoblog

Tweet about this on TwitterPin on PinterestShare on Google+Share on FacebookEmail this to someone

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.