Neu: Dacia Spring
Elektromobilität muss nicht immer größer, schwerer, stärker und teurer werden. Ganz im Gegenteil. Wenn es eine Fahrzeugklasse gibt, in der ein Elektroantrieb für mich besonders nachvollziehbar ist, dann sind es kleine Autos für Stadt, Pendelstrecke und Alltag. Und genau hier setzt Dacia mit der zweiten Generation des Spring an.
Der kleine Stromer wurde komplett neu entwickelt, wird künftig in Europa gebaut und startet bei 17.900 Euro. Damit bleibt Dacia seiner Linie treu: Elektromobilität soll nicht zum Luxusgut werden, sondern möglichst bezahlbar bleiben.

Und vielleicht ist genau das viel spannender als die nächste elektrische Leistungsexplosion.
Ein komplett neuer Spring
Auch wenn der Name bleibt, hat der neue Dacia Spring mit seinem Vorgänger technisch nicht mehr allzu viel gemeinsam. Er basiert auf der neuen Kleinwagenplattform RG-EV der Renault Group und bekommt deutlich veränderte Proportionen. Mit 3,855 Metern Länge bleibt er angenehm kompakt, ist gegenüber seinem Vorgänger aber breiter geworden und bietet entsprechend mehr Platz im Innenraum.
Produziert wird die zweite Generation nicht mehr in China, sondern im slowenischen Novo Mesto. Damit kommt der neue Spring künftig aus europäischer Fertigung.
Dass das Konzept grundsätzlich funktioniert, zeigen bereits die Zahlen der ersten Generation: Seit 2021 wurden in mehr als 40 Ländern über 210.000 Exemplare verkauft, allein 50.000 davon in Deutschland.
82 PS müssen in der Stadt eben auch mal reichen
Auch beim Antrieb widersteht Dacia erfreulicherweise der Versuchung, aus einem kleinen Elektroauto einen Ampel-Rennwagen zu machen. Der neue Spring leistet 60 kW beziehungsweise 82 PS und stellt 175 Nm Drehmoment zur Verfügung. Von null auf 100 km/h geht es in 12,1 Sekunden, bei 130 km/h ist Schluss. Nicht spektakulär. Muss es aber auch gar nicht sein.

Denn Dacia kennt das tatsächliche Nutzungsprofil seiner bisherigen Spring-Kunden ziemlich genau. Im Durchschnitt fahren diese gerade einmal 34 Kilometer am Tag – bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von ebenfalls 34 km/h. 75 Prozent laden ihr Fahrzeug zu Hause.
Und plötzlich wirken 82 PS und eine Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h gar nicht mehr so bescheiden, sondern ziemlich passend zum Einsatzzweck.
Kleine Batterie, ordentliche Reichweite
Interessant finde ich auch den Ansatz bei der Batterie. Statt immer größere Akkupakete in immer schwerere Fahrzeuge zu packen, begnügt sich der Spring mit einer LFP-Batterie mit 27,5 kWh nutzbarer Kapazität. Damit sollen nach WLTP bis zu 250 Kilometer möglich sein.
Serienmäßig lädt der Spring allerdings lediglich mit 3,7 kW AC. Von 15 auf 80 Prozent dauert es an der Haushaltssteckdose rund neun Stunden. Wer etwas mehr Flexibilität möchte, bekommt optional das Power-Paket mit 11-kW-AC- und 50-kW-DC-Lader. An der Wallbox sind dann für 15 bis 80 Prozent 1 Stunde und 55 Minuten nötig, am Schnelllader 28 Minuten.
50 kW Ladeleistung klingen in Zeiten dreistelliger Ladewerte natürlich nicht nach großer weiter Welt. Bei einer Batterie dieser Größe relativiert sich das allerdings schnell.
Leichtgewicht statt Elektro-Dickschiff
Fast noch spannender als die Leistungsdaten ist für mich das Gewicht. Der neue Spring bringt ab 1.212 Kilogramm auf die Waage und gehört damit zu den leichtesten Elektroautos seines Segments. Den kombinierten WLTP-Verbrauch gibt Dacia mit lediglich 12,7 kWh auf 100 Kilometer an.

Genau hier liegt für mich der Charme dieses Konzepts: Ein kleines Elektroauto braucht keinen riesigen Akku, wenn es leicht und effizient bleibt. Und ein Fahrzeug, das überwiegend durch Stadt und Umland fährt, muss auch keine 500 oder 600 Kilometer Reichweite mitschleppen.
Elektromobilität dort einzusetzen, wo ihre Stärken tatsächlich zum Nutzungsprofil passen – damit kann ich deutlich mehr anfangen.
Klein draußen, erstaunlich groß hinten
Trotz seiner kompakten Abmessungen soll der Spring beim Platzangebot ordentlich zulegen. Der Kofferraum fasst bis zu 337 Liter, bei umgeklappter Rücksitzbank werden daraus 1.283 Liter. Die Rückbank lässt sich im Verhältnis 50:50 teilen.
Dazu gibt es weiterhin eine Besonderheit, die in dieser Fahrzeugklasse alles andere als selbstverständlich ist: einen optionalen Frunk unter der Motorhaube. Der fasst zwar lediglich 18 Liter, reicht damit aber beispielsweise für das Ladekabel.
Typisch Dacia sind außerdem wieder die kleinen praktischen Ideen. Über die YouClip-Befestigungspunkte lassen sich beispielsweise Smartphone-Halter, Taschen, Becherhalter oder sogar eine kleine Taschenlampe im Fahrzeug befestigen. Mit dem optionalen Power-Paket kommt außerdem eine V2L-Funktion hinzu, über die sich externe elektrische Geräte wie E-Bike-Akkus oder eine Kaffeemaschine mit Strom versorgen lassen.

Ab 17.900 Euro
Bei der Modellpalette macht Dacia es angenehm übersichtlich. Zur Wahl stehen lediglich Expression und Journey. Beide bekommen denselben 82-PS-Antrieb, dieselbe 27,5-kWh-Batterie und serienmäßig den 3,7-kW-AC-Lader.
Der Expression startet bei 17.900 Euro und bringt unter anderem Klimaanlage, elektrische Fensterheber vorne, Parksensoren hinten, elektrische Parkbremse, ein digitales 7-Zoll-Kombiinstrument und Media Control mit.
Beim Journey kommen unter anderem 16-Zoll-Räder, Keycard Handsfree, Rückfahrkamera sowie Media Nav Live mit 10,1-Zoll-Touchscreen, Navigation und vernetzten Diensten hinzu.
Und damit macht der neue Dacia Spring für mich vor allem eines richtig: Er versucht gar nicht erst, ein Elektroauto für jede denkbare Lebenssituation zu sein. Für regelmäßige 800-Kilometer-Etappen würde ich mir definitiv etwas anderes aussuchen. Für den täglichen Weg zur Arbeit, Einkaufen, Stadtverkehr und die vielen kurzen Strecken unseres Alltags? Genau dort kann ein kleines, leichtes Elektroauto seine Vorteile ausspielen.
Vielleicht brauchen wir bei der Elektromobilität eben nicht immer mehr. Manchmal wäre weniger Auto schlicht die cleverere Lösung.
Stand: September 2026; Fotos: Dacia
