Raumwunder Fiat Multiplay

Fiat hat auf dem Pariser Autosalon 2026 mit dem Multiplay eine Studie vorgestellt, die gleich drei Fahrzeugkonzepte miteinander vereinen möchte. Van, SUV und Pick-up sollen künftig nicht mehr zwangsläufig drei unterschiedliche Fahrzeuge sein. Eine durchaus spannende Idee, die allerdings in einer Karosserie steckt, über deren Erscheinungsbild sich trefflich diskutieren lässt. Fiat Multiplay: Zwischen Raumwunder und fragwürdigem Schönheitsideal.

Dass der Name Multiplay unweigerlich Erinnerungen an den legendären Fiat Multipla weckt, kommt nicht von ungefähr. Und zumindest für mich haben die beiden noch etwas gemeinsam: eine durchaus fragwürdige Optik.

Schon der 1998 vorgestellte Multipla polarisierte mit seinem eigenwilligen Design, überzeugte allerdings mit einem außergewöhnlichen Raumkonzept. Und auch beim neuen Multiplay scheint Fiat mehr Wert auf Funktionalität als auf klassische Schönheitsideale zu legen.

Doch während man über die äußere Erscheinung geteilter Meinung sein darf, lohnt sich ein genauerer Blick auf die Ideen hinter der ungewöhnlichen Studie.

Drei Fahrzeugkonzepte in einem

Mit einer Länge von 4,45 Metern präsentiert sich der Fiat Multiplay vergleichsweise kompakt. Dennoch soll er das großzügige Raumangebot eines Vans, den Charakter eines SUV und die Transportmöglichkeiten eines Pick-ups miteinander verbinden.

Das technische Herzstück bildet die sogenannte „Metamorfosi“-Architektur. Dahinter verbirgt sich ein längs verschiebbares Heckmodul, mit dem sich das Fahrzeug innerhalb weniger Handgriffe verwandeln lässt.

Während der Multiplay in seiner geschlossenen Konfiguration als Familienfahrzeug mit sechs Sitzplätzen und einem zusätzlichen flexiblen Element dient, wird aus ihm bei Bedarf ein viersitziger Pick-up mit offener Ladefläche.

Ob Fahrräder, Sportausrüstung oder sperriges Transportgut: Statt für unterschiedliche Anforderungen mehrere Fahrzeuge zu benötigen, soll sich der Multiplay einfach an die jeweilige Situation anpassen.

Selbst der Heckspoiler übernimmt eine zusätzliche Funktion. Er lässt sich drehen und verwandelt sich in einen integrierten Fahrradträger, der bis zu zwei Fahrräder aufnehmen kann.

Ein Innenraum voller ungewöhnlicher Ideen

Auch im Innenraum haben sich die Fiat-Designer einiges einfallen lassen. Besonders interessant ist der sogenannte „Petsenger Seat“. Das multifunktionale Element kann unter anderem als Befestigungspunkt für einen Kindersitz, als Platz für ein Haustier, als Tisch oder als Ablage dienen.

An die tierischen Passagiere wurde sogar mit einer abnehmbaren Leine und einem faltbaren Napf in der Tür gedacht.

Ein weiteres ungewöhnliches Detail ist der „Sunseat“. Im Stand lässt sich der Beifahrersitz nach hinten drehen und verwandelt sich mithilfe des Armaturenbretts als Rückenlehne in eine kleine Chaiselongue. Gemeinsam mit dem großzügigen Panoramadach entsteht so ein Platz zum Entspannen.

Große Fensterflächen und ein luftiger Innenraum unterstreichen den Freizeitgedanken der Studie.

Passend dazu zeigt sich das Farbkonzept ausgesprochen sommerlich. Inspiriert von einer Wassermelone kombiniert Fiat eine leuchtend grüne Karosserie mit roten, rosafarbenen und türkisen Akzenten im Innenraum. Italienische Lebensfreude lässt grüßen.

Bei den Materialien setzt Fiat überwiegend auf Monomaterial-Textilien, die in einem nahtlosen 3D-Strickverfahren gefertigt werden. Wasserabweisende Oberflächen sollen insbesondere in den Bereichen für Kinder und Haustiere die Alltagstauglichkeit erhöhen.

Weniger digitale Ablenkung, mehr Lebensraum

Bemerkenswert ist auch der Umgang mit der Digitalisierung. Statt den Innenraum mit möglichst vielen Bildschirmen zu dominieren, integriert Fiat ein Display in das Armaturenbrett, das bei ausgeschaltetem Fahrzeug nahezu unsichtbar wird.

Ein Ansatz, den ich durchaus begrüße. Denn nicht jede freie Fläche eines modernen Automobils muss zwangsläufig mit einem Bildschirm gefüllt werden.

Vielmehr möchte Fiat den Innenraum wieder stärker als Lebensraum verstehen, in dem die Bedürfnisse der Passagiere im Mittelpunkt stehen.

Eine Studie mit Potenzial, aber ohne Serienpläne

So ungewöhnlich der Fiat Multiplay auch erscheinen mag, seine Grundidee hat durchaus ihren Reiz. Gerade für Familien, die ein möglichst vielseitiges Fahrzeug benötigen, könnten einige der vorgestellten Lösungen interessant sein.

Allerdings handelt es sich ausdrücklich um eine Konzeptstudie, die als Ideenlabor für zukünftige Fiat-Modelle dienen soll. Ein konkretes Serienfahrzeug ist derzeit nicht geplant.

Schade eigentlich, denn so manche technische und funktionale Idee hätte durchaus das Zeug für die Serie.

Und was das Design betrifft? Nun ja, vielleicht ist es tatsächlich eine kleine Tradition bei Fiat, dass ausgerechnet die Fahrzeuge mit den ungewöhnlichsten Raumkonzepten auch optisch für die größten Diskussionen sorgen.

Der Multipla hat es vorgemacht. Der Multiplay scheint dieses Erbe mit bemerkenswerter Konsequenz fortsetzen zu wollen.

Stand: Oktober 2026; Fotos: Fiat

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