Alfa Romeo Cuorerosso: Mein Alfisti-Herz schlägt höher!

Manchmal braucht es nur einen einzigen Blick, um zu wissen: Da ist sie noch, diese ganz besondere automobile Leidenschaft. Dieses Gefühl, das sich nicht in technischen Daten, Reichweiten oder Bildschirmgrößen ausdrücken lässt. Sondern in Formen, Proportionen und einer Ausstrahlung, die einen unmittelbar berührt.

Ich gebe zu, nach den jüngsten Designentwicklungen bei Ferrari und insbesondere dem für mich bitteren Jaguar-Desaster hatte ich durchaus Sorge, was uns als Nächstes erwarten würde. Wenn selbst traditionsreiche Sportwagenhersteller ihre Identität aufs Spiel setzen, fragt man sich irgendwann unweigerlich, welche Marke als Nächstes ihre Seele verliert.

Und dann kommt Alfa Romeo.

Mit dem Cuorerosso präsentieren die Italiener auf dem Pariser Autosalon 2026 ein Konzeptfahrzeug, bei dem mein Alfisti-Herz tatsächlich wieder höherschlägt. Nicht etwa, weil Alfa Romeo seine Vergangenheit kopiert. Sondern weil die Marke offenbar verstanden hat, dass Fortschritt und Tradition keine Gegensätze sein müssen.

Und dafür gibt es von mir zunächst einmal ein ziemlich begeistertes Grazie mille!

Cuorerosso: Ein rotes Herz für die Zukunft von Alfa Romeo

Vom 12. bis 18. Oktober 2026 steht Paris im Zeichen automobiler Neuheiten. Alfa Romeo nutzt die internationale Bühne, um mit dem Cuorerosso einen Ausblick auf die künftige Designphilosophie der Marke zu geben.

Der Name bedeutet übersetzt „Rotes Herz“. Und treffender hätte man diese Studie wohl kaum nennen können.

Dabei handelt es sich ausdrücklich nicht um den Vorboten eines konkreten Serienmodells. Cuorerosso versteht sich vielmehr als gestalterisches Manifest, das die Richtung zukünftiger Alfa-Romeo-Modelle vorgeben soll.

Die wesentlichen Zutaten sind erfreulich vertraut: italienische Eleganz, Sportlichkeit, Dynamik und vor allem Emotionen.

Schließlich baut Alfa Romeo seit 1910 Automobile, die mehr sein sollen als bloße Fortbewegungsmittel. Und genau das ist für mich einer der entscheidenden Unterschiede zwischen einem beliebigen Auto und einem Alfa Romeo.

Ein Alfa muss nicht jedem gefallen. Er muss etwas auslösen.

Italienische Skulptur statt beliebiger Zukunftsoptik

Schon die Entstehungsgeschichte des Cuorerosso verrät viel über die Herangehensweise der Designer.

Im Centro Stile Alfa Romeo begann man nicht damit, möglichst spektakuläre Scheinwerfer, Displays oder technische Spielereien zu entwerfen. Stattdessen entstand zunächst eine dreidimensionale Skulptur aus einem einzigen Block. Ohne Räder, ohne Verglasung, ohne Lichtsignaturen.

Erst nach und nach wurden die eigentlichen Proportionen und Formen herausgearbeitet.

Das Ergebnis ist eine Karosserie, deren Flächen beinahe wie flüssiges Metall ineinander übergehen. Klare Linien, kraftvolle Proportionen und eine fließende Silhouette sollen selbst im Stand Bewegung vermitteln.

Alfa Romeo spricht in diesem Zusammenhang von Bellezza Necessaria, der Schönheit des Notwendigen.

Dahinter steckt eine Philosophie, die ich ausgesprochen sympathisch finde: Jedes Gestaltungselement soll einen Zweck erfüllen. Keine überflüssigen Verzierungen, keine aufgesetzte Extravaganz, sondern eine Formensprache, bei der Ästhetik und Funktion zusammengehören.

Und genau hier liegt für mich der entscheidende Punkt.

Ein Automobil darf modern sein. Es darf provozieren, neue Wege gehen und mit Konventionen brechen. Aber es sollte dabei nicht seine Herkunft verleugnen.

Beim Cuorerosso habe ich erfreulicherweise nicht das Gefühl, dass Alfa Romeo verzweifelt versucht, eine völlig andere Marke zu werden.

Telefonwählscheiben, Quadrifoglio und ganz viel Tradition

Besonders schön finde ich, wie selbstverständlich Alfa Romeo seine Geschichte in die Zukunft überträgt.

Die geschmiedeten Leichtmetallräder greifen beispielsweise das legendäre Telefonwählscheiben-Design auf. Drei Speichen tragen insgesamt sechs kreisförmige Elemente, die dem traditionellen Erscheinungsbild eine moderne Interpretation verleihen.

Dabei dient die Gestaltung keineswegs ausschließlich der Optik. Spezielle Öffnungen und Vertiefungen sollen das Gewicht reduzieren und gleichzeitig die aerodynamische Effizienz verbessern.

Auch das berühmte vierblättrige Kleeblatt darf selbstverständlich nicht fehlen.

Das Quadrifoglio steht seit rund einem Jahrhundert für die sportlichen Ambitionen von Alfa Romeo und ziert seit den 1960er-Jahren auch besonders leistungsstarke Serienmodelle.

Dass dieses Symbol beim Cuorerosso weiterhin eine zentrale Rolle spielt, gefällt mir außerordentlich gut.

Denn Tradition ist keine Last, die man möglichst schnell loswerden muss. Sie ist etwas, worauf eine Marke stolz sein darf.

Ein Cockpit, das den Fahrer wieder in den Mittelpunkt stellt

Auch im Innenraum verfolgt Alfa Romeo einen Ansatz, der mich aufhorchen lässt.

Während zahlreiche Hersteller ihre Cockpits mittlerweile zu rollenden Bildschirmflächen verwandeln, soll beim Cuorerosso wieder der Mensch am Lenkrad im Mittelpunkt stehen.

Bis zu vier Personen finden in den konturierten Einzelsitzen Platz. Eine verlängerte Mittelkonsole, fließende Türverkleidungen und hochwertige Materialien schaffen eine sportliche, beinahe skulpturale Atmosphäre.

Die schmale Armaturentafel erinnert an den faszinierenden Alfa Romeo 33 Stradale und dessen historischen Vorgänger aus den 1960er-Jahren.

Auch bei den digitalen Instrumenten bleibt die Vergangenheit präsent. Das sogenannte Cannocchiale Vivente interpretiert die klassischen, tief eingefassten Rundinstrumente neu. Im Modus Immersivo zeigt das System zwei getrennte Anzeigeelemente, während Concentrato die Darstellung zu einer einzigen Einheit zusammenführt.

Eine schöne Idee, die klassische Gestaltung mit moderner Technik verbindet. Noch interessanter finde ich allerdings, dass Alfa Romeo die Informationsflut bewusst reduzieren möchte.

Je sportlicher der gewählte Fahrmodus, desto weniger Ablenkung auf den Anzeigen. Neben CRUISE und SPORT steht dafür auch der Modus QUADRIFOGLIO bereit.

Gerade bei sportlicher Fahrweise möchte ich mich schließlich auf die Straße konzentrieren und nicht auf ein digitales Feuerwerk hinter dem Lenkrad.

Endlich Technik, die nicht alles besser wissen möchte

Natürlich kommt auch Alfa Romeo an der Digitalisierung nicht vorbei. Und das muss die Marke auch gar nicht.

Entscheidend ist vielmehr, wie die Technik eingesetzt wird.

Die elektronische Steer-by-Wire-Lenkung ermöglicht eine neue Interpretation des klassischen Dreispeichenlenkrads. Gleichzeitig sollen mechanische Bedienelemente mit spürbarer und akustischer Rückmeldung eine möglichst unmittelbare Verbindung zwischen Fahrer und Fahrzeug schaffen.

Auf dem Mitteltunnel befindet sich zudem das sogenannte Magma-Display.

Hier kombiniert Alfa Romeo einen Touchscreen mit echten Drehreglern und Kippschaltern. Bei der Aktivierung beginnt die von Lava inspirierte Oberfläche rot zu leuchten und vermittelt den Eindruck pulsierender Energie.

Das klingt zunächst reichlich theatralisch. Aber wir sprechen hier schließlich von einer italienischen Sportwagenmarke. Ein bisschen Drama darf da durchaus sein.

Viel wichtiger ist mir, dass die Bedienung nicht ausschließlich über digitale Menüs erfolgen soll.

Denn bei aller Begeisterung für technische Innovationen: Ein gutes Cockpit muss in erster Linie funktionieren. Und zwar intuitiv.

Elektrifizierung ja – aber bitte mit Emotionen

Besonders spannend ist die technische Ausrichtung des Cuorerosso.

Denn Alfa Romeo legt sich mit dem Konzept keineswegs ausschließlich auf den batterieelektrischen Antrieb fest.

Stattdessen soll die zugrunde liegende Plattform unterschiedliche Antriebstechnologien ermöglichen. Neben vollelektrischen Varianten sind auch Mildhybrid-, Vollhybrid- und Plug-in-Hybridlösungen vorgesehen.

Die Architektur bietet Möglichkeiten für Fahrzeuge mit einer Karosserielänge von bis zu 4,70 Metern. Auch besonders leistungsstarke Quadrifoglio-Modelle sind denkbar.

Und jetzt wird es für Alfisti richtig interessant.

Alfa Romeo bringt sogar einen 2,9-Liter-V6 in Kombination mit Vollhybridtechnik als mögliche Antriebslösung ins Spiel.

Dazu könnten Q4-Allradantrieb, Automatikgetriebe und eine Kardanwelle aus Kohlefaser kommen.

Allein diese Vorstellung lässt mein Herz noch ein bisschen höher schlagen.

Allerdings ist hier eine wichtige Unterscheidung angebracht: Alfa Romeo präsentiert damit noch keinen konkreten Serienantrieb. Es handelt sich um ein denkbares technisches Konzept.

Auch konkrete Leistungsdaten, Beschleunigungswerte oder Reichweiten nennt der Hersteller bislang nicht.

Zu den sportlichen Komponenten der Studie gehören immerhin bereits ein Luftfahrwerk und eine Keramikbremsanlage von Brembo.

Ob und in welcher Form diese Technologien später tatsächlich in Serienfahrzeugen auftauchen, bleibt abzuwarten.

Liquid Ink Red: Wenn die Karosserie zu glühen beginnt

Ein Alfa Romeo und die Farbe Rot. Diese Verbindung braucht eigentlich keine große Erklärung.

Beim Cuorerosso gehen die Italiener allerdings noch einen Schritt weiter.

Die neu entwickelte Lackierung Liquid Ink Red kombiniert eine feine Aluminiumbasis mit einer transparenten Farbschicht. Je nach Lichteinfall und Betrachtungswinkel verändert sich dadurch die Wirkung der Oberfläche.

Mal erscheint die Karosserie in einem intensiven, beinahe glühenden Rot, mal wirken die Flächen tiefdunkel bis nahezu schwarz.

Der Eindruck erinnert an flüssiges Metall oder glühende Lava.

Auch der Innenraum greift dieses Thema auf. Rote Lichtakzente treffen auf Nubukleder, recycelte Kohlefaser sowie metallische Oberflächen in Titan-, Anthrazit- und Stahltönen.

Die Materialien sollen dabei nicht einfach nur luxuriös wirken, sondern gezielt dort eingesetzt werden, wo ihre Qualität tatsächlich wahrgenommen wird.

So stammt das von Hand veredelte Nubukleder beispielsweise von der italienischen Manufaktur Poltrona Frau. Ergänzend verwendet Alfa Romeo ein recyceltes Leder, das zu 60 Prozent aus Reststoffen der industriellen Lederverarbeitung besteht.

Weitere interessante Details sind die nach hinten öffnenden Türen und eine eigens entwickelte Tasche, die in die Beifahrerseite der Armaturentafel integriert ist und sich beim Aussteigen mitnehmen lässt.

Man merkt: Hier haben sich Designer Gedanken gemacht, die über den nächsten möglichst großen Touchscreen hinausgehen.

Alfa Romeo Cuorerosso: Bitte bewahrt Euch dieses Herz!

Natürlich dürfen wir bei aller Begeisterung eines nicht vergessen: Der Cuorerosso ist zunächst eine Konzeptstudie.

Wie viel von dieser Formensprache tatsächlich in künftigen Serienmodellen ankommen wird, steht noch nicht fest. Ebenso wenig wissen wir, welche der vorgestellten Technologien später Realität werden.

Und selbstverständlich muss sich ein Alfa Romeo am Ende auch daran messen lassen, wie er fährt. An seiner Lenkung, seinem Fahrwerk, seiner Dynamik und vor allem an dem Gefühl, das er hinter dem Lenkrad vermittelt.

Doch genau diese Emotionen stellt die Marke mit dem Cuorerosso wieder so deutlich in den Vordergrund, dass ich mich tatsächlich freue.

Nach den für mich teilweise erschreckenden Designexperimenten anderer traditionsreicher Hersteller tut es einfach gut, eine Zukunftsvision zu sehen, die ihre eigene Geschichte nicht verleugnet.

Alfa Romeo beweist mit diesem Konzept zumindest, dass man den Blick nach vorne richten kann, ohne dabei seine Wurzeln zu vergessen.

Und ganz gleich, welche Antriebstechnologie künftig unter einer solchen Karosserie steckt: Ein Alfa Romeo sollte immer ein Alfa Romeo bleiben.

Denn ein Auto kann noch so fortschrittlich, effizient und technisch perfekt sein. Wenn es keine Emotionen weckt, fehlt ihm etwas Entscheidendes.

Das Herz.

Und beim Cuorerosso scheint es endlich wieder mit voller Leidenschaft zu schlagen.

Stand: Oktober 2026; Fotos: Alfa Romeo

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