VW Touareg – 262 kultivierte Diesel-PS.

Die Veränderungen an Karosserie und Innenraum beim aktuellen VW Touareg sind nur gering, und so fährt der Jahrgang 2017 optisch fast unverändert gegenüber dem Vorgängermodell vor. Dafür hat mein Testwagen in Sachen Leistung nochmal zugelegt, schafft mit den 262 PS im 3-Liter-V6-Turbodiesel 225 km/h Spitze und sprintet in 7,3 Sekunden auf 100. Dabei bleibt er stets leise und unterstreicht so den Komfortanspruch, der innen von Climatronic, tollen Ledersitzen, hochwertigen Materialien und üppigen Platzverhältnissen sowie zahlreichen Assistenzsystemen hoch gehalten wird. Allerdings musst Du für den von mir gefahrenen Touareg auch fast 88.000 Euro hinblättern.

Da muss ich schon zweimal hinschauen, um die Änderungen am aktuellen Modell zu den Fahrzeugen der vergangenen Jahre zu erkennen. Da ist zuerst mal der neue Kühlergrill, der jetzt vier statt zwei verchromte Streben aufweist und dann auch gleich den Blick auf die neuen Scheinwerfer lenkt. Darunter wurde auch die Frontschürze modifiziert, eine Chromleiste in deren unterem Bereich zeiht sich dann über den Seitenschweller bis in die Heckschürze.

Und auch am Heck halten sich die Veränderungen in Grenzen. Hier sind es vor allem die modifizierten Rückleuchten, der bei meinem Testwagen vergrößerte Dachkantenspoiler und die Schürze, an der besonders die beiden dicken Auspuffrohre auffallen, die in der Form dem Unterfahrschutz angepasst und vor allem der Motorleistung angepasst sind.

Nach Veränderungen muss ich auch im Innenraum recht lange suchen, und wenn ich dann welche finde, sind sie meist der gewählten Ausstattungslinie geschuldet. So erfreue ich mich auch im aktuellen Modell der bekannten gefälligen Cockpit-Optik, ob hier nun Holz oder Alu besser gefällt, entscheidet Dein persönlicher Geschmack.

Daran, dass am Armaturenbrett und auch am oberen Teil der Türen ein Kunststoff verarbeitet wurde, der nicht nur hochwertig aussieht sondern sich auch sehr fein und weich angreift und auch überall zu den Insassen hin weich abgepolstert ist, brauchte man nichts zu ändern. Gute alte Bekannte treffe ich auch in den Sitzen wieder, im aktuellen Fall kommt zur straffen Polsterung und guten Ausformung auch noch ein besonders weiches Leder, das in den Sitzflächen und Lehnen nicht nur gelocht ist (neben einer Sitzheizung gibt es auch eine Sitzlüftung) sondern auch noch im Rautenmuster auffällig mit farblich kontrastierenden Nähten bestückt sind.

Kaum eine Veränderung ist auch von den Hebeln und Schalter zu berichten, neu ist z.B. der Schalter für die Lenkradheizung. Alles ist wie gehabt modern gestaltet, gut erreich- und greifbar sowie ausreichend groß, die Bedienung wirft keine Fragen auf, allerdings kann man sich erst mal gut eine halbe Stunde mit der Steuerung mittels Touchscreen befassen, bis man alles kennengelernt hat, was man da so alles einstellen kann, von der Lüftung über Radio, Klimasteuerung, Telefon und Co. sowie sonstige Fahrzeugeinstellungen und das Navi. Letzteres macht selbst bei eher kurzen Strecken drei Vorschläge und die Route wird neben dem großen Bildschirm auch auf dem Display zwischen den Rundinstrumenten angezeigt.

Dieses Display zeigt auch die Verkehrszeichen der Schildererkennung an. Damit habe ich schon mal eines der Fahrerassistenzsysteme erwähnt, die im aktuellen Modell zahlreich zum Einsatz kommen. Dabei sind Licht- und Regensensor schon ein „alter Hut“, und aus anderen VW-Modellen ist auch die Intelligente Fernlichtautomatik bereits hinlänglich bekannt.

Damit hat der Touareg neben einem sehr guten Fahrlicht auch ein weit nach außen, nach oben und in die Weite strahlendes Fernlicht das die anderen Verkehrsteilnehmer nicht blendet und dazu gesellt sich noch ein tolles Kurvenlicht. Die Fernlichtautomatik im Touareg erkennt sogar die von der Seite kommenden Autos, wenn auch nicht sofort, aber dann doch gut, lässt sich aber von vielen Verkehrsschildern auch schon mal in die Irre führen und blendet dort Bereiche aus oder geht ggf. sogar ganz aus. Dass die Fernlichtautomatik erst jenseits der Tempo 60 hochfährt ist zu spät.

Wer ganz oben in der Riege der SUV mitspielen will, muss nicht nur einen bequemen Ein- und Ausstieg und richtig viel Platz bieten, auch die verwendeten Materialien und deren Verarbeitung müssen top sein. Da macht auch der VW Touareg keine Ausnahme. Also öffnet auch die Heckklappe elektrisch und macht beim Aufschwingen einen deutlichen Lärm mit dem Piepsen, geschlossen wird lautlos. Gut ist, dass auch wenn das Auto abgeschlossen ist ein Tastendruck am Schlüssel reicht und die Klappe aufgeht, es muss nicht wie so oft das ganze Auto entriegelt werden. Und hat man sich für das Easy-Open-Paket entschieden, reicht sogar ein Fußwisch zum Öffnen.

Der Kofferraum ist schön glattflächig und auch hier sind Hebel, mit denen die Rücksitze bequem vorgeklappt werden können, dazu eine 12 Volt Steckdose und ein Hebel, um die Anhängerkupplung auszuklappen. Und wenn man schon eine Luftfederung hat, kann man sich das Beladen erleichtern und das Fahrzeugheck mit dem Niveaulift rauf und runter fahren.

Im Boden sind vier verchromte Verzurrösen, dazu Taschenhaken, zwei kleine Leuchten links und rechts und in der weit aufschwingenden Heckklappe ist eine rot-weiße Leuchte montiert die nach hinten absichert und den Ladebereich zusätzlich ausleuchtet. Und der fasst zwischen 580 und 1.642 Liter Gepäck. Nicht unerwähnt lassen möchte ich die Möglichkeit bis zu 3.500 kg an den Haken zu nehmen.

Was soll ich noch sagen? Auch das kenne ich schon vom letzten Touareg-Test: Wenn auch gegen Aufpreis, es war eine Luftfederung mit sportlicher Abstimmung im Rahmen des Fahrdynamikpaketes mit adaptivem Wankausgleich an Bord. Damit einher geht eine Tieferlegung um 25 mm und die Möglichkeit der elektronischen Dämpferregelung. Komfort, Normal und Sport stehen im Angebot und die Unterschiede sind deutlich spürbar.

Aber trotz sportlicher Grundabstimmung ist stets für einen guten Fahrkomfort gesorgt, selbst über grobe Schlaglöcher schwebt der Touareg in der Komforteinstellung förmlich dahin, hält alles bestens von den Insassen fern und den Wagen dennoch sauber auf Kurs, selbst wenn man in der Kurve von den Straßenschäden überrascht wird.

Auf der anderen Seite liegt er in der Sporteinstellung auch jenseits der 160 sehr ruhig und satt auf der Straße, bis dahin bleiben Wind- und Abrollgeräusche praktisch völlig außen vor. Erst ab 160 werden dann die Windgeräusche langsam mehr, der Motor ist nur als dezentes Hintergrundbrummen zu vernehmen.

So richtig schnell will der Touareg aber auch unter Sport nicht durch die Kurven gescheucht werden, obwohl er dann richtig straff federt. Aber das doch große SUV wirkt ein wenig träge, untersteuert deutlich und schwenkt bei plötzlichen Lenkbewegungen spürbar nach, das ESP greift ggf. massiv ein. Die Lenkung arbeitet ausreichend direkt und gibt eine gute Rückmeldung. Im Slalomtest legt er sich unter Komfort deutlicher in die Kurven und reagiert etwas indifferenter auf die Lenkung während es im Sportmodus deutlich zackiger um die Pylonen geht und die Karosserieneigungen deutlich reduziert sind.

Im Gelände macht der Touareg durchaus eine gute Figur, obwohl ich eher nicht zu den Zeitgenossen gehöre, die mit einem fast 90.000 Euro-Auto durch Dick und Dünn gehen. Und wenn, dann gibt es vom Touareg eine spezielle Offroad-Version „Terrain Tech“ mit Differenzialsperre an der Hinterachse, Zentraldifferenzial und erhöhter Bodenfreiheit, den bekannten 4Motion-Allrad-Antrieb haben alle Touareg immer an Bord.

Und in weiten Teilen gab es auch schon vorher umfangreiche Fahrerassistenzsysteme, klar dass man dafür heute noch etwas tiefer in die Tasche greifen muss, kostet doch das Fahrerassistenzpaket jetzt 3.610,- Euro extra. Dann sind unter anderem eine Automatische Distanzregelung ACC, Front Assist mit City-Notbremsfunktion, eine Parkdistanzkontrolle, ein Spurhalte- und Spurwechselassistent, eine Verkehrszeichenerkennung und ein proaktives Insassenschutzsystem an Bord. Außerdem gab es bei meinem Testwagen nicht nur eine Rückfahrkamera sondern auch eine 360° Umgebungsansicht.

Zwei Motoren hat VW derzeit für den Touareg im Angebot. Beides Diesel, 6-Zylinder mit drei Litern Hubraum, der kleinere leistet 150 kW / 204 PS und macht das Wolfsburger SUV 206 km/h schnell, eigentlich ausreichend. Mein Testwagen war mit dem 193 kW /262 PS starken Commonrail-Turbodiesel mit 580 Nm Drehmoment zwischen 1.750 und 2.500 U/min. ausgestattet, der nicht nur in 7,3 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 sprintet sondern auch 225 km/h schnell wird.

Klar, dass ich damit souverän unterwegs bin, und schon im Stand weist ein leicht kerniges Brummen auf diese Leistung hin. Das war’s dann aber auch. Selbst wenn ich das Fahrwerk auf sportlich gestellt habe bleibt der Motor sonst immer unauffällig leise. Ausgesprochen zurückhaltend gibt VW mit 6,8 Litern auch den Mixverbrauch an.

Davon wollte in meinen Tests aber selbst der Bordcomputer nichts wissen. Auf meiner gewohnten Strecke hat der bei normaler Fahrweise mit Fahrwerksmodi auf Komfort und „D“ 9 Liter errechnet. Und bei einer Überprüfung durch zweimaliges Betanken bis an den Rand des Einfüllstutzens wurden aus 9,2 Litern des Bordcomputers echte 9,9 Liter. Somit sind auch die angegebenen 180 g/km CO2-Ausstoß nicht realistisch.

Wenn Du die gebotene Leistung des 262 PS-Diesels wirklich ausnutzen möchtest, solltest Du mit locker noch mal 2 bis 4 Litern mehr rechnen. Und das kann trotzdem richtig Spaß machen, denn stets kommt ein 8-Gang-Automatikgetriebe mit Tiptronic zum Einsatz, die ihre Arbeit zur vollen Zufriedenheit verrichtet. Nicht nur unter „D“ vollziehen sich die Schaltvorgänge sehr sanft und ausreichend schnell, nur beim Kickdown lässt sie sich dann etwas Zeit.

Da hilft es dann auf „S“ zu gehen, dann geht alles deutlich sportlicher vonstatten. Sie reizt dann die Drehzahl schneller und höher aus, hält die Drehzahl ggf. hoch um nach einer kurzzeitigen Gaswegnahme sofort wieder vollen Schub zu liefern und reagiert deutlich spontaner aufs Gas.

Wer will, kann zu jeder Zeit entweder an den Wippen am Lenkrad oder auch am Wählhebel manuell die Gänge wählen, und auch das geschieht schnell und sanft. Zieht man eine etwas längere Zeit an der +-Wippe, wird der manuelle Modus wieder deaktiviert. Braucht man aber gar nicht, denn spätestens wenn man richtig fest Gas gibt greift die Automatik dann doch wieder selbst ein. So hab ich diese Möglichkeit meist nur gewählt, um bei Bergabfahrten die Motorbremse zu nutzen und mich ansonsten an der gut funktionierenden Automatik erfreut.

Der Touareg ist mit einer Start-Stopp-Automatik versehen, die aber nicht immer ganz zufriedenstellen kann. Rollt man nur noch langsam, geht der Motor schon aus, muss man dann nur leicht von der Bremse, springt er sofort wieder an und bleibt das dann auch.

Die Möglichkeiten Deinen VW Touareg individuell auszurüsten sind vielfältig, darum beschränke ich mich hier mal ausschließlich auf meinen Testwagen. Der Touareg V6 TDi BlueMotion Technology 3.0 mit 193 kW / 262 PS und 8-Gang-Automatik startet bei 57.325,- Euro.

Dazu kommt dann mit 1.350,- Euro die Metallic-Lackierung, gefolgt von der Diebstahlwarnanlage inkl Abschleppschutz für 455,- Euro, Anhängerkupplung mit elektrischer Entriegelung 925,- Euro, Fahrdynamikpaket 3.195,- Euro, Fahrerassistenzpaket 3.610,- Euro, el. Heckklappe 560,- Euro, Climatronic 770,- Euro, Keyless-Access 1.160,- Euro, Umgebungsansicht inkl. Rückfahrkamera 1.210,- Euro, Technikpaket für Sondermodelle 3.365,- Euro und die Executive-Edition 11.225,- Euro – insgesamt kommt mein Testwagen so auf einen Preis von 87.716,- Euro.

Stand: Mai 2017, Test und Fotos: CARWALK – Der Autoblog

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