Suzuki Baleno – Das Drei-Muskel-Tier.

Und diese Drei beziehen sich auf den in meinem Testwagen verbauten Dreizylinder-Benzindirekteinspritzer mit 111 PS, die den Baleno richtig flott machen. Schade, dass vor allem die kaum ausgeformten Sitze mit ihrem fehlenden Seitenhalt den Kurvenspaß doch merklich trüben, wie auch die zu komfortable Federung und die ungenau Lenkung. Wer den kleinen Flitzer nur als Stadtauto nutzt, wird sich daran nicht stören und auch die Automatik vollauf genießen, bei der schnellen Kurvenhatz ist die aber etwas träge wenn man schnell nach dem Gaswegnehmen wieder vollen Schub braucht. Da machen dann die Wippen am Lenkrad wieder Sinn, mit denen man schnell mal zurückschalten kann. Apropos schnell, mit AT wird er 190 km/h flott, mit dem Handschalter sind sogar 200 drin. Wer in den Genuss des 1 Liter-Dreizylinders kommen will, muss aber die Comfort-Ausstattung wählen und mindestens 17.990,- Euro ausgeben.

Auch wenn das gediegene dunkle Silbergrau nicht unbedingt die peppigste Farbe für den Suzuki Baleno darstellt, so kann er doch auch dann noch sein dynamisches Blechkleid gelungen zur Schau stellen, wobei für mich das Heck ganz klar seine Schokoladenseite bildet.

Doch fange ich vorne an, wo eine breite chromglänzende Zierleiste den geschwungenen Kühlergrill flankiert und in den Scheinwerfern weiter läuft, die die schwungvolle Linie der Kotflügel betonen, gerne aber ein wenig breiter verlaufen dürften, so wirkt die Front ein wenig schmalbrüstig. Schick entwickeln sich dagegen aus der tief nach unten gezogenen Spoilerlippe die vorderen Radläufe.

Markante Sicken in der Motorhaube leiten zur schwungvollen Seitenlinie über, auch hier entwickelt sich aus einer Falte in den Türen der hintere Radlauf. Zusammen mit der coupéhaften Dachlinie ergibt sich eine tolle Dynamik, die mit dem Dachkantenspoiler in das sehr gelungene Heck übergeht.

Hier wird durch die breit ausgestellten Kotflügel und vor allem die Chromzierleiste unterhalb des Heckfensters zwischen den Rücklichtern die Breite des Fahrzeugs betont und zugleich zu einem kleinen Heckspoiler mutiert ist, so steht er satt auf der Straße. Auch die beiden Katzenaugen im unteren Teil der Heckschürze betonen die Breite, jetzt fehlt einfach nur noch ein schickes, dickes Auspuffrohr sowie einen Tick breitere Reifen und die Heckansicht wäre für mich perfekt. Wieso ich mir soviel Sportlichkeit bei dem „kleinen“ Baleno wünsche? Na warte mal ab, bis ich damit gefahren bin …

Also nix wie rein in den kleinen Flitzer. Der Ein- und Ausstieg gelingt vorne sehr gut und bevor ich den Blick so richtig schweifen lasse, begutachte ich erst mal die Sitze. Die Größe passt, die Lehnenverstellung könnte besser mit einem Drehrad erfolgen und eine Lordosenstütze hat der Kleine leider auch nicht. Und ich saß mit meinen 1.80 immer ein wenig zu hoch, die Sitzhöhenverstellung geht aber nicht weiter runter.

Schade, und dabei bin ich noch keinen Meter gefahren. Aber da greife ich jetzt einfach mal vor und leider komme ich aus dem Meckern über die Sitze nicht raus. Okay, okay, für ein kleines Stadtauto würde es schon gehen, aber der flotte Baleno ist einfach mehr und verlangt nach besserer Ausformung und damit mehr Seitenhalt. Und neben ausgeprägteren Seitenwangen hätte ich mir – wenigsten als Option – ein etwas sportlicheres Design gewünscht, das sich dann auch gerne entsprechend über das gesamte Innenleben gezogen hätte, so meinetwegen in einer Sport-Variante über der Top-Version Comfort – und dann auch gleich mit einem sportlicheren Fahrwerk.

So wie das Lenkrad, schick gemacht, mit Leder bezogen, dazu kleine Chromapplikationen und die schönen Tasten für die Radiofernbedienung etc. Auch das Armaturenbrett ist so ansprechend gestaltet, der Kunststoff fühlt sich gut an, glänzt aber etwas speckig und ist bretthart. Schön in die beiden mittleren Luftausströmer integriert zeigt sich der große Touchscreen über den die wichtigsten Dinge einfach zu steuern und einstellen sind. So reduzieren sich die Schalter auf ein Minimum.

Ab nach hinten, auch hier komme ich gut rein, ich sitze aber etwas steil und als 1,80 m Mensch hinter einem 1,80 m großen Fahrer ist der Knieraum zwar noch okay, der Kopfraum ist aber zu Ende und ich komme mit dem Kopf sehr nahe an den Dachholm, die Tür könnte hinten etwas weiter aufgehen. Der Mittelsitz ist nicht unbequem, aber für drei nebeneinander wird es hinten recht eng. Die hinteren Sitze sind noch weniger ausgeformt als vorne und bieten entsprechend wenig Seitenhalt, den gibt dann die Tür und der Sitznachbar.

Bleibe ich gleich hier und lege mal die Rücksitze um. Dazu reicht ein Zug am Griff, die Lehne klappt 1/3 zu 2/3 geteilt vor, die Sitzfläche bleibt wo sie ist, dadurch steigt die Ladefläche etwas nach vorne hin an. Die Rückwand der Sitzlehne ist sehr lapprig verkleidet, wenn man hier etwas kantiges und schweres drüber schieben will gibt es bestimmt schnell Beschädigungen.

Jetzt noch nach ganz hinten. Die Heckklappe öffnet schön weit, aber bei 1,85 m Größe kann man sich am vorstehenden Schloss anstoßen. Die Ladekante ist sehr hoch aber gut geschützt, die Stoßstange nicht. Ein klappbarer stabiler Boden kann raus genommen werden, was den Kofferraum zwar deutlich vergrößert, aber dann geht es noch deutlich weiter runter.

Unten ist nochmals ein Boden, aber statt des Reserverades steckt hier ein Reparaturset, das Warndreieck, der Verbandskasten etc. Links und rechts sind nochmals kleine Fächer, die Ladeöffnung ist nicht sehr groß und wird durch die Gepäckraumabdeckung weiter eingeschränkt. So fasst der Baleno zwischen 355 und maximal 1.085 Liter Gepäck.

Jetzt will ich aber endlich mal zum Fahren kommen. Dabei will ich schon mal vorwegnehmen, dass mein Baleno mit dem Dreizylinder-Motor ganz schön flott wird.

Da passt dann das komfortable Fahrwerk nicht so gut, vor allem weil es zwar die meisten Unebenheiten ganz gut weg bügelt, gröbere Schlaglöcher oder Querrillen werden vor allem von der Hinterachse deutlich nach innen gegeben. Und wenn die dann in einer Kurve auftreten, dann muss man ihn gut festhalten, denn das macht den Kleinen ziemlich unruhig.

Auch reagiert der Baleno für flottes Fahren nicht exakt genug auf die Lenkung und gibt nur wenig Rückmeldung an den Fahrer. Zusammen mit der deutlichen Karosserieneigung und dem ausgeprägten Untersteuern, kann man den Suzuki nur mit Mut richtig flott um die Kurven treiben.

Der Suzuki Baleno in der von mir gefahrenen Version ist mit einem Lichtsensor ausgestattet. Fährt man bei strahlendem Sonnenschein und kommt durch einen Wald, so dass die Straße im Schatten liegt, macht er das Fahrlicht an. Prima. Kommt aber schlechtes Wetter mit Regen, dichten Wolken und trüber Sicht bleibt er oft zu lange beim Tagfahrlicht. Schlecht.

Fast schon nervig ist der Abstands- und Auffahrwarner. Auch wenn man noch recht weit vom Vordermann weg ist und der dann abbiegen will und langsamer wird, dann piepst er schnell laut. Oft erschrickt man förmlich, wenn er – obwohl man fast schon stehend – ganz langsam auf den Vordermann z.B. an der Ampel zurollt oder die Straße einen 90°-Knick macht und das System denkt, man fährt geradeaus auf die Hinweisschilder – jedes mal lautes Piepen. Da suche ich ganz schnell den entsprechenden Ausschalter.

Wer hätte das gedacht, es gibt zwar einen Vierzylinder-Benziner mit 90 PS, aber schon die Technischen Daten weisen den Dreizylinder Direkteinspritzer mit seinen 82 kW / 111 PS die bereits 500 Touren früher, also bei 5.500 U/min anliegen und mit einem deutlich höheren Drehmoment von 160 Nm bei 1.500 – 4.000 U/min als das stärkere Triebwerk aus. Und damit gibt sich der Baleno Boosterjet sehr sportlich, geht richtig gut ab, sogar mit der in meinem Testwagen verbauten 6-Stufen-Automatik. Und obwohl ich über die nicht wirklich meckern kann, hätte ich ihn lieber mit Handschalter genommen (auch wenn die keinen 6. Gang hat), und das nicht nur weil er dann mit 200 km/h Spitze 10 km/h schneller wäre, sondern weil er dann auch noch 170 Nm Drehmoment zur Verfügung hätte und unterm Strich auch noch sparsamer wäre.

So bin ich mit dem 998 cm³ kleinen, wassergekühlten Dreizylinder Turbomotor mit 12 Ventilen und 2 obenliegenden Nockenwellen und Direkteinspritzung im normalen Mix gefahren und auf 5,1 Liter je 100 km gekommen. Durch Nachtanken habe ich dabei 5,5 Liter ermittelt.

Laut Werk sollen im Mix 4,7 l/100 km (CO2-Ausstoß 109 g/km) möglich sein, mit etwas gedämpfterem Gasfuß habe ich laut Bordcomputer 4,8 Liter verbraucht, da lag ich ja dann nah dran. Wesentlich mehr Spaß macht er aber, wenn man ihm auch mal die Sporen gibt, denn der kleine Dreizylinder liefert dann nicht nur einen sehr guten Vortrieb (man fühlt sich zudem deutlich schneller als die 11,4 Sekunden der Werksangabe von 0 auf 100) und einen prima Durchzug, sondern auch einen sehr schönen animierend-kernigen Sound, und der macht richtig Spaß, da hab ich ihm dann gewisse Vibrationen gerne verziehen.

So entwickelt der Baleno 1.0 Boosterjet auch bei 130 noch ordentlich Schub und der geht weiter bis 170, erst dann wird er etwas zurückhaltender und auch recht laut – neben viel Windgeräuschen. Mit 190 km/h ist die Spitze der Automatik angeben – da wundert es einen dann nicht mehr, dass der Tacho bis 220 reicht.

Komme ich noch mal auf die verbaute Automatik zurück. Die 6 Stufen werden sanft und ausreichend schnell durchgeschaltet, nur die Motorbremswirkung ist nahe Null, auch wenn man hier manuell zurückschaltet (geht prima mit den Schaltwippen am Lenkrad) muss man ganz schön weit zurück gehen, damit die Bremswirkung einsetzt und auch dann wird er recht laut und heult regelrecht auf. Etwas zu langsam ist sie, wenn man in der Kurve schnell wieder Gas braucht, da lässt sie sich recht viel Zeit mit dem Zurückschalten.

Aber das kann man ja mit den beleuchteten Wippen selber tun, auch dann führt sie die Schaltbefehle sanft und schnell genug aus. Leider greift die Automatik aber oft selbst wieder ins Geschehen ein und so kehre ich dann doch wieder ganz zur Automatik zurück.

Der Suzuki Baleno geht als 1.2 Dualjet mit 90 PS Vierzylinder als Basic bei 13.790,- Euro los, der 111 PS Dreizylinder ist immer nur als Comfort zu haben, kostet mit Handschalter 17.990,- und als AT 19.490,- Euro.

Die Ausstattung ist dann wirklich umfangreich: Klimaautomatik mit Pollenfilter, rundum elektrische Fensterheber, adaptiver Tempomat, Sitzheizung vorne, 60-40 geteilt umklappbare Rücksitze, zweifach verstellbares Lederlenkrad, Mittelarmlehne vorne, Leselampen vorne, Sonnenblenden mit Schminkspiegeln, farbiges LCD Multifunktionsdisplay, Zentralverriegelung mit Fernbedienung und Keyless Start (schlüsselloses Einsteigen und Starten mit Starterknopf), Start-Stopp-System, Außenspiegel elektrisch verstell- und beheizbar mit integrierten Blinkern, Tippblinker, Xenon-Scheinwerfer, Nebellampen, Lichtsensor, LED Tagfahrlicht und Rückleuchten, hinten stärker abgedunkelte Scheiben, Chromzierleisten an der unteren Seitenfensterkante, Kühlergrill und Heckklappe sowie in den Türgriffen, 16 Zoll Alus mit 185er Reifen, Audiosystem mit Smartphone-Anbindung inkl. Navi, Bluetooth und Lenkradfernbedienung, USB-Anschluss und 6 Lautsprechern.

Die Metallic-Lackierung kostet 450,- Euro extra, dann sind noch eine Einparkhilfe vorne für 214,10 Euro und hinten für 163,81 Euro (zzgl. Montage), Seitenschutzleisten für 131,95 Euro sowie Radlaufleisten und Seitenschwellerset für 326,48 Euro (ebenfalls zzgl. Montage) im Angebot.

Fahrerassistenzsysteme (z.B. Toter Winkel Warner, Querverkehrswarner, Spurhalter, Verkehrsschildererkennung …) finden sich, falls Du so was suchst, auch nicht in der Aufpreisliste.

Stand: September 2017, Test und Fotos: CARWALK – Der Autoblog

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