Seat Ibiza ST 1.2 TSI

Der Ibiza zählt unangefochten zum Zugpferd der Marke und kann auf eine über 30jährige Erfolgsgeschichte zurückblicken. In den vergangenen Jahren wuchs die Familie sowohl um individuelle als auch praktische Karosserievarianten. So wurden der klassischen Fünftürer-Variante ein schnittiger Dreitürer, ein sportlicher Cupra wie aber auch eine praktische Kombiversion zur Seite gestellt. Mit einem Längenzuwachs von fast 18 Zentimetern spielt Letztere ganz klar ihre Vorteile beim Kofferraum aus und kann mit einem Ladevolumen von 430 bis 1.164 Liter aufwarten – nicht zu vergessen, wir reisen auch im Seat Ibiza ST in einem Kleinwagen. Was der noch so alles drauf hat, erfährst Du in meinem Test.

Seat Ibiza ST 01Auch wenn das Facelift schon wieder einige Monate hinter uns liegt, so steht der Ibiza mit seiner spanisch-rassigen Linienführung, genannt „Arrow Design“, frisch und modern da. Die Kombivariante steht der fünftürigen Ausführung, zumindest was die Front- und Seitenansicht anbelangt, in nichts nach und übernimmt deren schnittiges Design.

Das Heck wirkt dagegen teils etwas aufgeblasen und gerade im Vergleich zum Seat Leon ST ist der Abschluss hier nicht so perfekt gelungen, fügt sich nicht ganz so stimmig ein. Letzten Endes ist das aber „nur“ unsere persönliche Meinung.

Die Heckklappe wird, wie von Seat mittlerweile gewohnt, über das große Marken-Logo geöffnet. Das Ladeabteil ist mit 430 Litern überraschend großzügig geschnitten und zudem auch sehr gut nutzbar. Die angenehm niedrige Ladekante kommt uns gerade beim Be- und Entladen von schweren Gegenständen sehr entgegen.

Mit wenigen Handgriffen kann ich den Stauraum flexibel meinen jeweiligen Bedürfnissen anpassen und auf maximal 1.164 Liter vergrößern. So können nicht nur die Rücksitzlehnen im Verhältnis 60:40 – ausgenommen die Basisvariante, diese verfügt über eine durchgängige Rückbank – umgelegt werden, auch die Sitzflächen kann ich zuvor senkrecht nach vorn klappen. Erst dann erreiche ich auch eine nahezu ebene Ladefläche. Die Kopfstützen müssen allerdings entfernt werden, finden aber ihren Platz in speziellen Vorrichtungen.

Seat Ibiza ST 02Wenn auch der Klappmechanismus nicht unbedingt mit besonderer Cleverness aufwartet, die ich von dem ein oder anderen Mitbewerber kenne, so hat Seat aber tolle praktische Features ins Zubehörprogramm gepackt. Von Netzen, Trägern, Dachboxen oder weiteren Vorrichtungen und zusätzlichen Verstaumöglichkeiten, wie beispielsweise die in meinem Testwagen unter der Gepäckraumabdeckung verbaute Ablage.

Das zusätzliche Fach hatte in meinem Fall nur so seine Tücken beim Ein- und Ausbau. An sich einfach aufgebaut, wird zunächst die Ablage wie die Jalousie in die jeweiligen Arretierungen eingehakt und dann die Kofferraumabdeckung darüber platziert. Vereinzeltes Haken und Klemmen erschwerte diesen Vorgang jedoch.

Reibungslos öffnen und schließen ließ sich wiederum das Handschuhfach und gibt obendrein ein Stauvolumen von 10,7 Litern preis. Weiterer Kleinkram kann außerdem in den diversen Ablagen, verteilt im Innenraum, untergebracht werden.

Und wie sieht es mit dem Platzangebot für die Insassen aus? Vorn nehme ich mit 1,80 Meter Körpergröße auf jeden Fall sehr bequem Platz, Kleinwagenatmosphäre kommt hier so schnell nicht auf.

Seat Ibiza ST 03Die zweite Reihe erreiche ich durch weit öffnende Türen mühelos und dank der Sitzaushöhlungen in den Rückenlehnen der Vordersitze kann ich auch hier noch gut sitzen, aber die Großzügigkeit geht leider verloren. Bei aufrechter Sitzposition schrumpft dann auch der Abstand zum Dach. Ich sitze eben nicht im Leon ST, sondern in einer ganzen Fahrzeugklasse kleiner. Darf man nicht vergessen.

So gar nicht von einem Kleinwagen gewohnt bin ich die toll ausgeformten Sitze, die zudem groß dimensioniert sind und sowohl besten Langstreckenkomfort als auch sportlichen Seitenhalt bieten. Die optimale Sitzposition ist schnell gefunden, lässt sich doch auch das Lenkrad in Höhe und Weite verstellen.

Beim klar strukturierten Cockpit macht Seat zwischen den einzelnen Karosserieversionen keinen Unterschied, die einzelnen Ausstattungslinien differieren dagegen optisch. Eine solide und vorbildliche Verarbeitung sowie eine gute Funktionalität kann ich aber allen Varianten attestieren.

Einzig die Audioeinheit lässt sich etwas altertümlich nicht zusätzlich per Lenkradfernbedienung steuern, sondern über eine Bedieneinheit am schlecht einsehbaren Lenkradhebel.

Seat Ibiza ST 04Die Motorenpalette im Ibiza ST reicht von 60 bis 150 PS, hier reiht sich der 1.2 TSI mit 105 PS ein und erfreut sich bei der Käuferschicht größter Beliebtheit.

Der Turbobenziner kann mit seiner Leistung von 77 kW und einem maximalen Drehmoment von 175 Newtonmetern mit guten Fahrleistungen aufwarten. Stehen doch letztere bereits ab 1.550 Umdrehungen zur Verfügung.

Wenn auch im alltäglichen ausreichend kultiviert, hält es der Motor im geforderten Zustand nicht unbedingt mit Zurückhaltung.

Mit zunehmendem Tempo mischen sich außerdem Windgeräusche hinzu, der Seat Ibiza ST 1.2 TSI wird – für ein Kleinwagen ausreichend – 190 Stundenkilometer schnell und legt den Sprint von Null auf Tempo 100 in 10,2 Sekunden zurück.

4,9 Liter verbraucht der 1.2 TSI bestenfalls im Schnitt, was einem vorbildlichen CO2-Wert von 113 Gramm/km entspricht. Das Start-Stop-System reduziert somit den Verbrauch um weitere 0,2 Liter, ob das jedoch den Aufpreis von 400,- Euro wert ist, muss jeder für sich entscheiden.

Seat Ibiza ST 05Seat hat wunderbar knackige Sechsgang-Getriebe im Sortiment, der 1.2 TSI muss sich allerdings mit einem aber ebenso exakt geführten Fünfgang-Schaltgetriebe begnügen. Dem steht wiederum für 1.400,- Euro ein Doppelkupplungsgetriebe mit sieben Schaltstufen gegenüber.

Unabhängig von der Karosserie, kann Seat mit einer tollen Fahrwerksauslegung punkten. Ob die agile Dämpferabstimmung, der gebotene Komfort oder die sportlich ausgelegte elektrohydraulische Servolenkung, hier passt alles perfekt zusammen.

Die Ibiza-Modelle ab 77 kW/105 PS Leistung sind serienmäßig mit einer elektronischen Differenzialsperre XDS ausgestattet. Enge Kehren können wir dank dieses Features auch mit sehr hohem Tempo durchfahren, ohne an Souveränität und Straßenhaftung zu verlieren. Denn wird das kurveninnere Rad der Vorderachse bei der Kurvenhatz zu sehr entlastet, erkennt dies das System und bremst es entsprechend mit einem kurzen Impuls ab.

Um das vorhandene Potential des Spaniers allerdings voll und ganz auszureizen, fehlt es dem Motor aber dann doch manchmal an der nötigen Kraft. Was aber keineswegs die versprochene „auto emocion“ schmälert.

Seat Ibiza ST 06Für 12.490,- Euro ist der Seat Ibiza bereits zu haben, die von mir gefahrene 1.2 TSI Motorisierung schließt allerdings die Einstiegsvariante Reference aus. Und so sind vom Kunden für den Style mindestens 17.480,- Euro zu entrichten.

Legst Du Wert auf Sportlichkeit, möchte ich Dir das Niveau „FR“ ab 18.855,- Euro ans Herz legen. Dieses beinhaltet zusätzlich zu den Ausstattungsfeatures im Style – darunter beispielsweise elektrisch verstell- und beheizbare Außenspiegel, elektrische Fensterheber rundum, ein Bordcomputer, Nebellampen mit Abbiegelicht-Funktion, eine Klimaanlage oder die silberne Dachreling – auch ein Dreispeichenlederlenkrad im FR-Look, eine Geschwindigkeitsregelanlage, die Coming-home-Lichtfunktion, LED-Rückleuchten, Sportsitze wie auch ein entsprechendes Fahrwerk.

Auf Wunsch kann der ST um weitere Annehmlichkeiten ergänzt werden, die in der Preisliste als Einzelposten aufgeführt oder in preislich attraktiven Paketen zusammengeschnürt sind.

Stand: März 2015; Test: CARWALK; Fotos: Seat

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