Nissan Micra – Bleibt alles anders

Wer erinnert sich nicht an den niedlichen kleinen Nissan Micra, mit dem der Hersteller in den ersten beiden Generationen absolute Rekordzahlen einfuhr. Mit dem vergangenen Modell hatte es Nissan schon schwerer, wollte man unterschiedlichen Märkten mit nur einem Fahrzeug entsprechen. Doch jetzt stehen die Zeichen wieder voll auf Angriff, hat Nissan den Micra völlig neu erfunden. Was bleibt ist einzig der Name.

Warum ich bei bei meiner ersten Ausfahrt mit dem neuen Micra stets den grandiosen Song „Bleibt alles anders“ von Herbert Grönemeyer im Ohr hatte, erfährst Du – und natürlich einiges mehr über den Micra – in meinem Fahrbericht.

„Stillstand ist der Tod, geh voran, bleibt alles anders“

Diese Textzeile haben sich die Designer sehr zu Herzen genommen und den Kleinwagen radikal geändert. Understatement oder gar niedlich sein war gestern. Einzigartigkeit gilt heute. Hebt sich der neue Micra mit all seinen scharfen Linien und Kanten deutlich von den Mitbewerbern ab.

Die Neuauflage ist spürbar mehr Auto, der Längenzuwachs von stolzen 17 Zentimetern gegenüber der vierten Generation lassen sich nicht leugnen und so katapultieren ihn Größe und Proportionen nun mitten rein in die Welt der reinrassigen Kleinwagen – bewegte sich der Micra bis dato eher am Rand hin zum A-Segment. Breiter und niedriger geschnitten, hat der Micra auch einen richtig satten Stand.

Ich bin Fan von Modellen, die mit Konventionen brechen und Nissan hat bereits mit dem Juke bewiesen, wie erfolgreich man sich so in hart umkämpften Segmenten abheben kann.

Apropos, wer auch Mut zur Farbe beweisen möchte, wird schnell in der zur Wahl stehenden Lackpalette fündig. Aber auch wer sich für ein „dezentes“ Anthrazit entscheidet, kann auf farbliche Kontraste setzen, wie Du in der Bildergalerie sehen kannst.

„Genug ist zu wenig – oder es wird so wie es war“

Die Personalisierungs- bzw. Folierungsmöglichkeiten sind dabei sehr umfangreich. Letztere reicht beispielsweise von einer zurückhaltenden Akzentfolierung, über eine Teilfolierung, bis hin zu einer Vollfolierung mit farblich kontrastierender Fronthaube und Dachpartie.

Nicht selten genug geht dann aber der Pepp im Innenraum verloren. Doch nicht so beim neuen Nissan Micra.

„Verträum Dich in deinem Traum“

Ob in Energy Orange, Power Blue oder Inspiration Red, die Applikationen in Kunststoff oder Leder sowie die farblich abgesetzten Sitzbezüge und Türverkleidungen heben die ohnehin gelungene Cockpitgestaltung richtig toll hervor.

Und auch was die Materialauswahl und deren Verarbeitung anbelangt, überrascht mich Nissan. Allesamt als Soft-Touch ausgeführt, begeistert mich vor allen Dingen die großflächig in Leder gehüllte Armatureneinheit, ist diese derart hochwertig ausgeführt – so in einem Kleinwagen noch nicht gesehen.

„Thron über Konvention das Leben kommt von vorn“

Und auch das serienmäßige Infotainment-System inkl. sieben Zoll Touchscreen ist im B-Segment nicht die Regel. Zwar steht Dir derzeit nur Apple CarPlay zur Verfügung, doch Anfang nächsten Jahres erweitert Nissan das Angebot entsprechend um Android. Diese Funktion kannst Du Dir dann aber mittels einfachem Update auch in Dein bereits jetzt erworbenes Fahrzeug holen.

Absolut einzigartig im Segment und eines meiner persönlichen Highlights, das Bose Personal Sound-System. Mit sechs Boxen bis hin zu den in den Kopfstützen integrierten Lautsprechern ist mir ein grandioses Klangerlebnis sicher. Im Topmodell schon serienmäßig, ist es darüber hinaus für die Versionen Acenta und N-Connecta optional verfügbar.

Bei der Außenlänge von jetzt vier Meter verspricht der neue Micra natürlich auch mehr Raum im Inneren. Über die in der C-Säule „versteckten“ Griffe öffne ich die hinteren Türen. Vorsicht sei dem geraten, der auf den Rücksitzen auch Platz nehmen muss, stößt man sich hier schnell den Kopf am dynamischen Dachverlauf.

Und während auch Großgewachsenen eine großzügige Beinfreiheit geboten wird, birgt das Dach auch beim Sitz einen erheblichen Nachteil, wölbt sich dieses einfach zu stark nach unten. Mit 1,80 Meter kann ich hier nicht mehr bequem aufrecht sitzen.

Da fühle ich mich doch auf den vorderen Sitzen deutlich wohler, komme ich hier nicht nur in den Genuss des Raumgewinns, ich nehme auch auf einem tollen Gestühl Platz. Zwar könnte auch hier die Beinauflage etwas länger sein, aber was die Polsterung und die Ausformung der Seitenwangen angeht, für einen Kleinwagen wirklich ordentlich.

Das gilt auch für das schick unten abgeflachte Multifunktionslenkrad, kann das serienmäßige Volant sowohl in der Höhe wie auch in der Weite verstellt werden, was mir sehr entgegenkommt.

Was den Kofferraum anbelangt, lässt der Nissan Micra rein größentechnisch mit 300 bis 1.004 Liter zahlreiche Mitbewerber hinter sich. Doch in punkto Vielseitigkeit besteht Nachbesserungsbedarf. Gerade über einen doppelten Ladeboden würde ich mich und vor allen Dingen mein geschädigter Rücken freuen.

„Tanz den Tanz auf dünnem Eis“

Die Optik lässt zweifelsohne ein rassiges Fahrverhalten erwarten. Letztlich sollte man sich aber bewusst sein, doch „nur“ in einem Kleinwagen zu sitzen. Dafür macht der Nissan Micra seine Sache aber gut und erlaubt mir durchaus, die Kurven auch sportlicher zu nehmen.

„Zwing das wahre Geschick“

Die Verantwortlichen haben eine schöne Abstimmung gefunden, die sich als agil und zugleich angenehm komfortabel erweist.

„Stehst unter einem hellen Stern, einem hellen Stern“

An den Start geht der Hersteller mit drei Motoren, den Einstieg stellt der 1,0-Liter-Sauger mit 54 kW/73 PS dar, gefolgt von zwei Triebwerken jeweils mit 66 kW/90 PS. Während auf den 1,5-Liter-Diesel nur einer kleiner Anteil entfallen wird, ist es der 0,9-Liter-Turbo, der mit seinen drei Zylindern die Rolle des Volumenmodells einnehmen wird.

Unabhängig von Deiner Wahl sind alle Aggregate zunächst an ein manuelles Fünfgang-Getriebe gekoppelt, das durchaus in Ordnung geht. Laut Nissan sollen aber hier weitere Varianten folgen, über einen knackigen Sechsgang-Handschalter würde ich mich in jedem Fall freuen.

Ist der 0.9 IG-T zwar schön spritzig, doch um richtig sportlich unterwegs zu sein, ist Schaltarbeit angesagt, denn wenn auch die turbogeladenen 90 Pferdestärken bei einem Kleinwagen nach richtig viel Fahrspaß klingen, fehlt es ihm einfach an Drehmoment. Können hier die gerade mal 140 Nm einfach nicht genug ausrichten. Mit dem künftigen 120 PS Aggregat verspricht Nissan aber auch hier Abhilfe.

„Ein Silberstreif am Horizont“

So begnüge ich mich aktuell mit einem Sprintwert von 12,1 Sekunden für den Spurt von null auf Tempo 100, die Höchstgeschwindigkeit liegt mit 175 km/h auf klassenüblichem Niveau.

Das gilt auch für den vom Hersteller angegebenen Durchschnittsverbrauch von 4,4 bis 4,6 Liter (abhängig von der gewählten Reifengröße).

Dass ich diese Werte auf meiner ersten Ausfahrt laut Bordcomputer um gut 1 ½ Liter verpasst habe, wundert mich nicht. Hatte ich nicht zwingend den Verbrauch im Blick und meinen Gasfuß entsprechend weniger gezügelt.

Was übrigens die Zurückhaltung anbelangt, der Dreizylinder geht angenehm leise und deutlich weniger angestrengt als manch Mitbewerber ans Werk. Das hat mir sehr gefallen.

„Kommt der Moment, kommt die Zeit“

Und damit Du Dich zu jederzeit im neuen Micra sicher fühlen kannst, packt Nissan zahlreiche Assistenten an Bord, die man in diesem Umfang im B-Segment nur sehr selten oder gar nicht vorfindet.

Wie beispielsweise der Around View Monitor für eine 360-Grad-Rundumsicht, mit dem sich der japanische Automobilbauer ein absolutes Alleinstellungsmerkmal sichert.

Alles andere als selbstverständlich, finde ich außerdem eine Verkehrszeichenerkennung, einen Fernlicht- und Totwinkelassistent, den Spurverlassenswarner sowie den Intelligenten Spurhalte-Assistent vor.

Letzterer warnt Dich zunächst akustisch, gefolgt von einem Vibrieren im Lenkrad. Bleibt ein Einlenken deinerseits aus, führt der Assistent das Fahrzeug mit selektiven Bremseingriffen zurück in die Spur.

Ebenfalls ins Geschehen greift der in allen Modellen serienmäßige Intelligente Notbrems-Assistent mit Fußgängererkennung ein. Das System kann im Stadtbereich das Fahrzeug bei einem drohenden Aufprall sogar bis zum Stillstand bringen, reduziert die Aufprallstärke in jedem Fall aber deutlich.

Zwar sind diese Features einzig in der Topvariante serienmäßig inbegriffen, können aber für 500 Euro im Paket extra hinzu geordert werden.

„Der Durchbruch ist nah, der Durchbruch ist nah“

Exklusivität hat nun mal ihren Preis und wer auf Personalisierung setzt, kann die beiden Basisausstattungen Visia ab 12.990 Euro und Visia Plus ab 14.590 Euro gleich mal überspringen, stehen die Außendesign- wie auch farblichen Innenraum-Pakete erst ab der Ausstattungslinie Acenta zur Wahl. Womit mindestens 15.590 Euro fällig sind.

Die mittlere Version ist auch als einziges Modell mit allen Motoren kombinierbar. Der Aufpreis für den Dreizylinder-Turbo liegt gegenüber dem Einstiegs-Benziner bei 1.200 Euro, die Differenz zwischen dem 90 PS starken Dreizylinder und dem Diesel-Aggregat beträgt sogar weitere zweitausend Euro, womit Du schon 19.190 Euro auf dem Zettel stehen hast.

Auf Acenta baut die Version N-Connecta auf, hier verspricht Nissan sogar einen Preisvorteil von 720 Euro und fährt zusätzlich mit 16-Zoll-Leichtmetallfelgen, der NissanConnect Navigation, Intelligent-Key, der Klimaautomatik und dem Regensensor auf.

Wenn ich mir meinen persönlichen Micra zusammenstelle – in jedem Fall mit Pepp im Innenraum und dem großartigen Bose-Soundsystem – entscheide ich mich doch gleich für das Topmodell. Müsste ich hier einzig 400,- Euro für das Innenraum-Paket Energy Orange, 350,- Euro für das Außendesign-Paket und 510,- Euro für die Metallic-Lackierung drauflegen, womit ich auf einen Endpreis von 21.250 Euro komme.

Für einen Kleinwagen durchaus stolz, aber nicht zu vergessen, da bekomme ich auch einiges für mein Geld, hat der Nissan Micra 0.9 IG-T Tekna wirklich viel an Bord und gewährt mir sogar noch einen Preisvorteil von 500,- Euro.

Und wer dann noch möchte, kann die Voll-LED-Scheinwerfer für 550,- Euro, die Start-/Stopp-Automatik für 200,- Euro oder eines der anderen Pakete auswählen.

„Es gibt viel zu verlieren, du kannst nur gewinnen“

Bei der riesigen Konkurrenz gilt es sich zu behaupten, ansonsten geht man in diesem Haifischbecken schnell unter. Und in der Tat gibt es für Nissan viel zu verlieren, stecken dem Hersteller noch die schleppenden Zahlen der vorherigen Generation in den Knochen.

„Trockne die Tränen“

Doch bei diesem neuen Micra kann Nissan doch eigentlich nur gewinnen. Oder was denkst Du?

Stand: April 2017; Test und Fotos: CARWALK – Der Autoblog

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